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Ministerpräsident Horst Seehofer kritisiert BR-Intendant Wilhelm

Kontroverse um Söder-Auftritt

"Politiker im Abseits": Seehofer kritisiert BR-Intendant Wilhelm

München - Es kracht heftig zwischen Bayerischem Rundfunk und der Politik. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat den Intendanten Ulrich Wilhelm scharf kritisiert. Seine Entscheidung, keine Politiker mehr zu Gastrollen in Serien einzuladen, stelle "alle Politiker ins Abseits".

Das sagte Seehofer dem „Focus“: „Ich komme mir da als Politiker vor wie ein infiziertes Geschöpf, mit dem keiner in Berührung kommen soll.“ Wilhelm müsse das als Ex-Regierungssprecher eigentlich besser wissen.

Seehofers Attacke ist ungewöhnlich heftig, zumal Wilhelm einst ein Spitzenbeamter und Sprecher der Staatsregierung war. Anlass des Ärgers ist die Debatte um den Auftritt des Heimatministers Markus Söder (CSU) in der Vorabendserie „Dahoam is Dahoam“. Söder hatte sich im Januar selbst gespielt und breiten Raum bekommen, politische Frohbotschaften („Bayern ist Vorbild in ganz Deutschland“) loszuwerden. Nach öffentlichem Spott über den Auftritt hatte Wilhelm selbstkritisch betont, das werde nicht wieder vorkommen. Weitere Serien-Auftritte von Claudia Roth (Grüne) und Christian Ude (SPD) wurden einvernehmlich abgesagt.

Gestern Nachmittag in einer Sitzung des Rundfunkrats bekräftigte Wilhelm, er sei vorab nicht eingebunden gewesen und wolle nicht, dass sich das wiederhole. Er reagierte unmittelbar auf Seehofers Schelte: Es sei eben keine Entscheidung, „mit der alle Politiker pauschal ins Abseits gestellt werden“, man wolle aber Sekundenzählerei in einer Serie verhindern. In BR-Kreisen heißt es, Seehofer sei halt wegen der Konzertsaal-Debatte angefressen.

Das Echo im Rundfunkrat war am Donnerstagnachmittag laut. Führende TV-Verantwortliche des Senders mussten nacheinander vor das Gremium treten und sich entschuldigen. Eine Analyse der BR-Juristen ergab in öffentlicher Sitzung unter betretenem Hüsteln, man habe mit dem Söder-Auftritt „die Objektivität verlassen“.

Das Bayerische Fernsehen habe sich „blamiert bis auf die Knochen“, sagte Rundfunkrat Florian Pronold, Bayerns SPD-Chef. „Es war eine unkommentierte Bühne“ für Söder, sagte Generalsekretärin Natascha Kohnen, „ein extremer Fauxpas“, urteilte Verena Osgyan (Grüne). Alle drei forderten das Original-Drehbuch an – im Wissen, dass Söder es unter anderem mit einem Scherz über die „Roten“ modifiziert hatte.

Mehrere CSU-Räte versuchten, Söders Gastauftritt zu verteidigen. „Der Untergang des Abendlandes ist nicht eingeleitet worden durch die paar Sekunden“, sagte Manfred Ländner.

Der BR steht nun von allen Seiten politisch unter Feuer. Die Nähe zu Söder, der Ärger mit Seehofer – zudem gibt es bei den Hörern und Zuschauern die Meinung, der Sender insgesamt sei zu CSU-nah. Das zumindest ist ein Ergebnis einer nicht repräsentativen Publikumsbefragung, die der Sender selbst vorgenommen hat. Als „schwarzgefärbt“ werde man wahrgenommen, mache sich damit „lächerlich“. Auch diese Studie war Thema im Rundfunkrat. Pronold verlangte ein wachsendes „Problembewusstsein“ beim BR.

Intendant Wilhelm betonte, mit der Befragung habe man „Kritik gezielt eingefordert – da ging es nicht darum, sich loben zu lassen“. Man habe das auch „nicht geschönt oder diplomatisch“ zusammengefasst. In repräsentativen Umfragen werde die politische Neutralität des BR von 71 Prozent anerkannt, bei B5 aktuell von 92 Prozent der Hörer.

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