Die Bundesregierung will den Rentenbeitragssatz zum Januar voraussichtlich um 0,2 Prozentpunkte auf 18,7 Prozent senken. Foto: Matthias Hiekel/Illustration
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Die Bundesregierung will den Rentenbeitragssatz zum Januar voraussichtlich um 0,2 Prozentpunkte auf 18,7 Prozent senken. Foto: Matthias Hiekel/Illustration

Rentner können auf bis zu zwei Prozent mehr hoffen

Würzburg (dpa) - Die gut 20 Millionen Rentner können kommendes Jahr auf höhere Renten und somit etwas mehr Kaufkraft hoffen. Die Rentenerhöhung kann nach vorläufigen Zahlen ein bis zwei Prozent betragen und somit über der Inflationsrate liegen.

Das gab die Deutsche Rentenversicherung Bund in Würzburg bekannt. Ursprünglich war aber deutlich mehr erwartet worden. Sozialverbände kritisierten das Rentenplus als zu gering.

Im Osten dürfte die Rentenanpassung aufgrund der günstigeren Lohnentwicklung etwas höher ausfallen als im Westen, kündigte der Präsident der Rentenversicherung, Axel Reimann, an. Hauptursachen für die Erhöhung sind die bislang gute Konjunktur und die hohen Löhne.

Sicherheit gebe es aber noch nicht. "Erst im Frühjahr kommenden Jahres werden die zur Anpassung relevanten Daten vorliegen", sagte die Vorsitzende der Rentenversicherung, Annelie Buntenbach, die dort die Gewerkschaftsseite vertritt. Zuletzt stiegen die Renten zum 1. Juli im Osten um 2,53 Prozent, im Westen um 1,67 Prozent. Die neuerliche Erhöhung könnte bei Durchschnittsrentnern mehr als 20 Euro im Monat bringen.

Die Rentenanpassung fällt im kommenden Jahr aufgrund eines statistischen Einmaleffekts rund 1,1 Prozentpunkte niedriger aus. Das entspreche gut 2,4 Milliarden Euro, die den Rentnern vorenthalten würden, erläuterte Buntenbach. 

Denn aufgrund von EU-Vorgaben gibt es eine Revision der Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit. Die Aufnahme bestimmter Beschäftigter im Niedriglohnbereich drückt in der Statistik auf die für die Rentenerhöhung zentralen Gehälter. 2016 dürfte es aber wieder ein höheres Rentenplus geben und der Statistikeffekt im Großen und Ganzen ausgeglichen werden.

Der Beitragssatz soll Anfang 2015 von 18,9 auf 18,7 Prozent vom Einkommen sinken. Die Senkung um 0,2 Punkte bringt eine Entlastung um rund zwei Milliarden Euro, die sich gleich auf Arbeitgeber und Arbeitnehmer verteilt. Für einen Durchschnittsverdiener ist das eine Entlastung um 35 Euro pro Jahr.

Die Bundesregierung hatte einen entsprechenden Schritt bereits angekündigt. Auch um ein Signal gegen die schwächelnde Konjunktur zu geben, will sie den gültigen Mechanismus zur Beitragssenkung nicht erneut wie für 2014 per Gesetz aufheben.

Nach den bisherigen Schätzungen dürfte der Beitragssatz dann bis 2018 stabil bleiben. 2019 dürfte er auf 19,1 Prozent angehoben werden müssen. Gründe sind laut Buntenbach der zuvor niedrige Beitragssatz und die "Fehlfinanzierung" der Mütterrente großteils nicht aus Steuer-, sondern aus Beitragsmitteln. 

Der Präsident des Sozialverband Deutschland, Adolf Bauer, forderte ein kräftigeres Rentenplus. Die Rentner warteten seit Jahren darauf, dass sich die Rente wieder stärker an den Löhnen orientiere. Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, kritisierte: "Wieder einmal bleiben die fast 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner in Deutschland von der guten wirtschaftlichen Entwicklung abgekoppelt." Schließlich dürften die Löhne deutlich stärker steigen.

Laut jüngster Finanz-Schätzung dürfte die Rentenkasse 2014 einen Überschuss von 1,8 Milliarden Euro erzielen. Die Reserve - die Nachhaltigkeitsrücklage - wächst laut Buntenbach voraussichtlich um 1,5 auf 33,5 Milliarden Euro. Das entspricht gut 1,8 Monatsausgaben. Ab 1,5 Monatsausgaben muss der Beitragssatz gesenkt werden, außer der Gesetzgeber beschließt es anders.

Die Reserve dürfte in den kommenden Jahren massiv auf unter 0,2 Monatsausgaben sinken. Grünen-Experte Markus Kurth kritisierte: "Schon ab 2018 stehen wir vor einer finanziellen Steilwand." Eine Risikovorsorge bei schlechter Konjunktur gebe es nicht.

Die Beitragseinnahmen sollen 2014 um 7 auf 200,6 Milliarden Euro steigen. Der Bund steuert rund 61,3 Milliarden Euro bei. Die Ausgaben dürften 261,4 Milliarden Euro betragen.

Die Möglichkeit, bereits mit 63 statt mit 65 Jahre in Rente zu gehen, erfreue sich großer Beliebtheit. Bis Oktober seien 163 000 Anträge eingegangen. Die Kosten der abschlagsfreien Rente werden von den Schätzern für 2014 auf 1,5 Milliarden Euro taxiert.

Zahlen zur Rentenversicherung

Zahlen zur Rente 2

VdK zur Rente

Paritätische zu "Wenn die Rente nicht reicht"

BMAS zur Rente

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