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Bundespräsident Joachim Gauck steht vor dem mit einer Fahne bedeckten Sarg.

Abschied vom Alt-Kanzler

Staatsakt für Helmut Schmidt: Der "größte Sohn" Hamburgs

Hamburg - Spitzen von Staat und Gesellschaft haben bei einem Staatsakt Abschied von Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt genommen. "Helmut Schmidt wird uns allen fehlen", sagte Kanzlerin Angela Merkel.

Zu den 1800 Gästen in der Hamburger Hauptkirche Sankt Michaelis gehörten unter anderem Bundespräsident Joachim Gauck, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) sowie Weggefährten Schmidts wie Frankreichs Ex-Präsident Valérie Giscard d'Estaing und Ex-US-Außenminister Henry Kissinger. Auch die früheren Bundespräsidenten Roman Herzog, Horst Köhler und Christian Wulff erwiesen Schmidt die letzte Ehre.

Hauptpastor Alexander Röder sagte, Schmidt sei für viele Menschen "eine Autorität, ein Vorbild an Gradlinigkeit, Pflichtbewusstsein, Redlichkeit und Mut, Klugheit und Klarheit in seiner Haltung, manchmal auch Kantigkeit und zugleich Bodenständigkeit" gewesen. "So bleibt er in Erinnerung, auch über seinen Tod hinaus.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nannte Schmidt eine generationsübergreifende "Instanz". "Helmut Schmidt wird uns allen fehlen", sagte Merkel bei ihrer Ansprache. Sein Tod reiße eine Lücke.

60 Jahre gekannt und geschätzt

Der frühere US-Außenminister Henry Kissinger würdigte Helmut Schmidt als einen besonderen Freund. Er habe ihn 60 Jahre gekannt und geschätzt, so Kissinger beim Staatsakt. Helmut Schmidt habe Mut und Visionen nie für sich reklamiert aber verkörpert. Schmidt sei gebildeter als die meisten Politiker der Nachkriegszeit gewesen.

Hamburgs Bürgermeister sagte in seiner Trauerrede über den Altkanzler: „Er hat vorgelebt, wie anständige und vernünftige Politik aussieht. Seine Geradlinigkeit hat Vertrauen erzeugt und ihn zum Vorbild für viele gemacht." Scholz würdigte Schmidt als ein Vorbild und größten Sohn der Hansestadt.

Der SPD-Politiker und Publizist war am 10. November im Alter von 96 Jahren gestorben. Schmidt war von 1974 und bis 1982 als Nachfolger von Willy Brandt Bundeskanzler. Dabei war er unter anderem mit der Ölkrise in den 70er Jahren und dem Kampf gegen den Terrorismus der Roten Armee-Fraktion konfrontiert. Auch die Auseinandersetzung um den Nato-Doppelbeschluss prägte Schmidts Kanzlerschaft.

Staatsakt zu Ehren von Helmut Schmidt im Hamburger Michel

Nach dem Staatsakt säumten tausende Hamburger die Straßen, als der Trauerzug vorbeifuhr. Eine Militärkapelle spielte das „Lied vom guten Kameraden“, ehe der Bestattungswagen vor der Hauptkirche St. Michaelis losfuhr. Der Wagen sollte im Schritttempo Richtung Friedhof Ohlsdorf fahren, wo der ehemalige Bundeskanzler eingeäschert und im Familiengrab beigesetzt werden soll.

dpa

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