+
Erika Steinbach (CDU) im Deutschen Bundestag in Berlin. Mit einem Foto-Kommentar zum Thema Flüchtlinge hat die CDU-Abgeordnete erneut empörte Reaktionen hervorgerufen - auch bei Parteifreunden. Foto: Britta Pedersen/Archiv

Empörung über Steinbachs Foto-Kommentar

Sie provoziert gern, streitet auf Facebook und nutzt intensiv Twitter. Auch der neueste Coup der konservativen CDU-Frau Erika Steinbach verfehlt seine Wirkung nicht. Auf Kritik reagiert sie mit Unverständnis: "Das ist keine Hetze"

Berlin (dpa) - Mit einem Foto-Kommentar zum Thema Flüchtlinge hat die CDU-Abgeordnete Erika Steinbach empörte Reaktionen im Internet hervorgerufen - und auch die eigene Partei gegen sich aufgebracht.

Das "Deutschland 2030" überschriebene "Inder"-Bild, das die CDU-Bundestagsabgeordnete am Samstag im Internetdienst Twitter verbreitete, zeigt ein von einer Gruppe dunkelhäutiger Menschen neugierig betrachtetes weißes Kind mit dem Untertitel: "Woher kommst Du denn?"

CDU-Generalsekretär Peter Tauber kritisierte die Parteifreundin mit den Worten: "Liebe @SteinbachErika, da ich nicht schon wieder Schimpfworte benutzen will, sage ich zu Deinem letzten Tweet jetzt nichts." Die 72-jährige Steinbach ist Sprecherin für Menschenrechte und humanitäre Hilfe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und scheidet zum Ende der Wahlperiode 2017 aus dem Parlament aus.

Schon seit ihrer Zeit als Präsidentin des Bundes der Vertriebenen (1998-2014) ist sie dafür bekannt, gerne zu provozieren. Am Abend setzte sich Steinbach gegen Vorwürfe zur Wehr: "Das ist keine Hetze, sondern für viele ein Albtraum. Zahllose Zuschriften zeigen das!"

Der Kritik an Steinbach schloss sich auch Unionsfraktionsgeschäftsführer Michael Grosse-Brömer (CDU) an. Er kommentierte einen Tweet der "Rheinischen Post" ("Dieses Foto von @SteinbachErika finden wir einfach nur schlimm") mit den Worten: "Ich auch."

SPD-Vize Ralf Stegner twitterte: "Frau Steinbach ist nicht mehr bei Trost - zusammen mit Seehofer, Wolf, Klöckner&Co braucht Angela Merkel eigentlich keine Gegner mehr." SPD-Fraktionsgeschäftsführerin Christine Lambrecht sprach von einer weiteren Entgleisung. "Mit derlei propagandistischen Witzen auf Kosten derjenigen, die vor Krieg und Terror geflohen sind, diskreditiert sich Frau Steinbach auf ganzer Linie."

Die Grünen-Vorsitzende Simone Peter bezeichnete den Beitrag als "widerlich, rassistisch, hetzerisch". Ihr Parteikollege Volker Beck forderte die CDU auf, ein Parteiordnungsverfahren gegen Steinbach einzuleiten. Steinbach werfe die Frage auf, "wie viel rassistische Hetze" in der CDU erlaubt sei, meinte der innenpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion.

Ähnlich äußerte sich der Linke-Vorsitzende Bernd Riexinger: "Unvermeidlich #Steinbach als Sprecherin für #Menschenrechte abzusetzen. Nötiger wäre sie und Nazisprech aus Fraktion zu werfen."

Eine harsche Reaktion kam auch vom Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki. "Das spaltet und schürt Ängste", verbreitete er über den Twitter-Account des Erzbistums und domradio.de: "Es ist ein Schlag ins Gesicht all der Tausenden von Ehrenamtlichen, die sich in der Integrationsarbeit engagieren."

Die FDP wird in der Frage grundsätzlich. "Ich glaube, Frau Steinbach ist der lebende Beleg dafür, dass wir eine Obergrenze tatsächlich brauchen. Aber eine Obergrenze für Dummheit", sagte Parteichef Christian Lindner in der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin".

Twitter-Account von Erika Steinbach

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Gauck sieht Nazi-Gräuel als Verpflichtung

Kiew - Das Massaker in Babi Jar an den Kiewer Juden war Vorläufer des industriellen Massenmordens der Nazis. Der Bundespräsident bekennt sich zur Schuld - und mahnt …
Gauck sieht Nazi-Gräuel als Verpflichtung

USA und Russland streiten über Syrien - Merkel spricht mit Putin

Berlin - Nach der Gewalteskalation in Syrien verschärfen sich die Spannungen zwischen den USA und Russland. Merkel greift zum Telefon und teilt Putin ihre Besorgnis mit. …
USA und Russland streiten über Syrien - Merkel spricht mit Putin

Sprengsatz-Attrappe an der Dresdner Marienbrücke entdeckt

Dresden - Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes haben an der Marienbrücke in Dresden eine Sprengsatz-Attrappe gefunden. Gibt es Zusammenhänge mit den Anschlägen vom …
Sprengsatz-Attrappe an der Dresdner Marienbrücke entdeckt

EU-Kommission verklagt Deutschland wegen Pkw-Maut

Der Maut-Streit zwischen Brüssel und Berlin eskaliert. Nun sollen europäische Richter entscheiden, ob die "Infrastrukturabgabe" wegen Diskriminierung von Ausländern …
EU-Kommission verklagt Deutschland wegen Pkw-Maut

Kommentare