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Die „USS George H.W. Bush“ wurde in den Persischen Golf entsandt.

Dschihadisten: Schock-Videos im Internet

Irak-Krise eskaliert: USA schicken Kriegsschiffe

Berlin - Mit brutalen Bildern von Hinrichtungen führt die Terrorgruppe Isis ihren Kampf im Irak auch im Internet. Amerika handelt: Ein US-Flugzeugträger bezieht im Persischen Golf Stellung.

Als Reaktion auf die Eskalation im Irak haben die USA Kriegsschiffe in den Persischen Golf entsandt. Die „USS George H.W. Bush“ sollte dort am Sonntag eintreffen. Begleitet werde das Schiff von einem mit Raketen bestückten Kreuzer und einem Zerstörer. Damit solle Präsident Barack Obama zusätzliche Flexibilität gegeben werden, sollten militärische Optionen nötig werden, um das Leben von Amerikanern und Interessen im Irak zu schützen.

Der massive Vormarsch der Terrorgruppe Isis im Irak löste international Entsetzen und Besorgnis aus. Experten warnen vor einem Kollaps des Iraks - mit Erschütterungen weit über die Krisenregion Nahost hinaus.

Laut Medienberichten scheint sich Isis vor allem in der westirakischen Provinz Anbar und im Norden zwischen Mossul und Bagdad festgesetzt zu haben. Isis habe auf eine klassische Guerilla-Taktik im Irak verzichtet, berichtete die „New York Times“. Stattdessen hätten die Dschihadisten nach langer Vorbereitung eine Schneise ins Land getrieben. Mit der Kontrolle über die drei großen Autobahnen nördlich von Bagdad sei die Kurdenregion vom Rest des Iraks abgeschnitten, „das könnte das Land endgültig zersplittern“.

Irakische Armee kämpft gegen Isis-Truppen

Nach dem Vormarsch der Dschihadisten im Nordirak sind die Regierungstruppen am Wochenende zum Gegenangriff übergegangen. Die Armee eroberte nach eigenen Angaben zwei Städte nördlich von Bagdad zurück. Binnen 24 Stunden seien fast 280 Aufständische getötet worden, sagte ein Sprecher von Ministerpräsident Nuri al-Maliki. Als Reaktion auf den Vormarsch der Dschihadisten schickten die USA einen Flugzeugträger in den Golf.

Am Samstag vermeldete die Armee dann die Rückeroberung der Städte Ischaki und Muatassam in der Provinz Salaheddin. Wie al-Malikis Sprecher für sicherheitspolitische Fragen, Kassem Atta, am Sonntag bei einer Pressekonferenz verkündete, tötete das Militär 279 "Terroristen". Die Armee habe im Kampf gegen die Dschihadisten "wieder die Initiative übernommen".

Dschihadisten stellen Exekutions-Videos ins Internet

Mit zahlreichen Videos und Fotos grausamer Exekutionen führen die Islamisten ihren Kampf auch im Internet. Nachdem die irakische Armee und kurdische Peschmerga-Soldaten den Vormarsch der Dschihadisten gebietsweise stoppen konnten, verbreitet Isis zunehmend Bilder ihrer Gräueltaten in sozialen Netzwerken wie Twitter und YouTube. Dabei werden etwa Erschießungen und Auspeitschungen gezeigt.

Ein Foto zeigt eine Reihe gefesselter Männer in Zivilkleidung mit auf dem Rücken gefesselten Händen. Auf einem zweiten Bild werden die Männer auf Lastwagen geladen. Auf einem weiteren Foto ist zu sehen, wie die Männer gezwungen werden, sich in einer flachen Grube auf den Boden zu legen, während Kämpfer mit der Isil-Fahne zuschauen. Dann wird gezeigt, wie die mit Sturmgewehren bewaffneten Isil-Kämpfer offenbar in die Grube feuern.

Am Samstag hatten irakische Sicherheitskräfte bei der Rückeroberung der Stadt Ischaki nördlich von Bagdad die verkohlten Leichen von zwölf Polizisten entdeckt, die offenbar von Isil-Kämpfern getötet worden waren.

Kerry mahnt zur "nationalen Einheit"

Nach dem Irak-Krieg (2003-2011) hatte Obama zwar eine Rückkehr von US-Kampftruppen in das Land ausgeschlossen. Andere militärische Optionen hielt er sich aber offen. Die oppositionellen Republikaner riefen Obama zu einem entschiedeneren Vorgehen auf. John McCain, einflussreicher Senator aus Arizona, drängte Obama zu sofortigen Luftangriffen, um den Vormarsch der Dschihadisten zu stoppen. Kritiker meinen dagegen, das Luftschläge keinen Sinn machten, weil die Regierungstruppen zu schwach seien, um in diese Gebiete vorzurücken.

US-Außenminister John Kerry sagte seinem irakischen Kollegen Hoschjar Sebari in einem Telefonat, jede Unterstützung Washingtons könne nur erfolgreich sein, wenn die Verantwortlichen im Land nach "nationaler Einheit" strebten und sich gemeinsam gegen die Dschihadisten stellten.

Steinmeier warnt vor Stellvertreterkrieg

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD).

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat die Nachbarländer des Iraks zu stärkeren Bemühungen um eine Stabilisierung der Lage aufgerufen. "Wir müssen verhindern, dass jetzt auch noch auf irakischem Boden ein Stellvertreterkrieg der regionalen Mächte ausbricht", sagte Steinmeier der Zeitung "Welt am Sonntag" aus Berlin. Alle Nachbarn, auch der Iran, könnten "kein Interesse daran haben, dass sich jenseits Syriens in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft ein riesiger herrschaftsloser Raum entwickelt, der zum Tummelplatz für Söldnergruppen, Islamisten jedweder Couleur und Terroristen wird".

Einem militärischen Engagement Deutschlands erteilte der SPD-Politiker eine Absage. "Ich kann mir keine Konstellation vorstellen, in der deutsche Soldaten dort zum Einsatz kommen", sagte er der Zeitung. Der mögliche deutsche Beitrag solle nicht überschätzt werden.

Es sei vor allem die Aufgabe der irakischen Streitkräfte, die Islamisten zu stoppen, sagte Steinmeier. Er erwarte aber auch, dass der Widerstand gegen die Dschihadisten vor Bagdad "viel größer" sein werde.

Zugleich machte Steinmeier der irakischen Regierung Vorwürfe: Diese habe es nicht vermocht, durch die Einbindung unterschiedlicher Landesteile, Bevölkerungsgruppen und Religionen die Stabilität des ganzen Landes zu fördern. Deutschland habe in den vergangenen zehn Jahren rund 400 Millionen Euro bereitgestellt, andere Länder noch mehr. "Die internationale Hilfe ist nicht ausreichend zur Herstellung politischer und wirtschaftlicher Stabilität eingesetzt worden", sagte Steinmeier.

Iran warnt vor ausländischer Militärintervention

Der Iran hat vor einer ausländischen Militärintervention gegen die Aufständischen im Irak gewarnt. Dies würde die Krise nur komplizierter machen, sagte Teherans Außenamtssprecher Marsieh Afcham laut einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur Isna vom Sonntag. Ein ausländisches Eingreifen sei weder im Interesse des Landes noch der Region. "Die Bevölkerung und die Regierung des Iraks werden in der Lage sein, diese Verschwörung zu stoppen", sagte Afcham.

AFP

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