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MM-Redakteur Til Huber.

Kommentar

Streit um Stromtrassen: Das Öko-Missverständnis

München - Kabel im Acker – Friede im Lande: So stellten sich viele den befriedenden Kompromiss zum Monstertrassen-Streit vor. Doch der Bund Naturschutz lehnt auch die Erdkabelvariante ab. 

Es schien der Durchbruch im Streit um die sogenannten Monstertrassen zu sein: Vor allem auf Druck aus Bayern sollen die geplanten mehrere hunderte Kilometer langen Stromleitungen quer durch die Republik teilweise unter der Erde verlaufen. Kabel im Acker – Friede im Lande: So stellten es sich viele vor. Nun deutet sich an, dass der Kompromiss nicht so viel Frieden bringt, wie erhofft.

Der Bund Naturschutz lehnt auch die Erdkabelvariante ab. Nimmersatte Umwelt-Lobbyisten, könnte man nun schimpfen. Doch der Protest offenbart nur einen Konflikt, der schon lange schwelt. Es geht um die Frage: Zentral oder dezentral? Ob große Trassen unter oder über der Erde verlaufen, ändert nichts daran, dass Strom von Großkraftwerken quer durch Deutschland transportiert wird. Viele sehen aber gerade in der dezentralen Produktion vor Ort den Wert der neuen Energiewelt – mit Windrädern, Biogasanlagen, lokaler Wertschöpfung. Auch Horst Seehofer schwebte mal ein „Land der Bürgerenergie“ vor.

Von diesem Leitbild entfernt sich die Politik zusehens – ohne es freilich offen zu kommunizieren. Das mag man als mutlos bezeichnen oder aber als rationale Abkehr von einer allzu euphorischen Öko-Romantik. Auf jeden Fall sorgt es für Missverständnisse, die man nicht nur dem Bund Naturschutz ankreiden kann.

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