Eine freie Wahl der Grundschule durch die Eltern - wie vor acht Jahren in Nordrhein-Westfalen eingeführt - verstärkt die Trennung der sozialen Stiften. Das bemängelt eine Studie der Bertelsmann Stiftung. Foto: Jonas Güttler/Archiv
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Eine freie Wahl der Grundschule durch die Eltern - wie vor acht Jahren in Nordrhein-Westfalen eingeführt - verstärkt die Trennung der sozialen Stiften. Das bemängelt eine Studie der Bertelsmann Stiftung.

Vor allem in Ballungsräumen

Studie: Mehr soziale Trennung durch freie Grundschulwahl

Gütersloh - Die beste Schule für ihr Kind wollen alle Eltern. Seit 2008 dürften die Erziehungsberichtigen in NRW selbst bestimmen, welche Grundschule das Kind besucht. In Ballungsräumen bleiben die Kinder der einzelnen Schichten immer mehr unter sich, bemängelt die Bertelsmann Stiftung.

Eine freie Wahl der Grundschule durch die Eltern - wie 2008 in Nordrhein-Westfalen eingeführt - verstärkt nach einer Studie die Trennung sozialer Schichten.

Die Kinder der einzelnen Schichten bleiben dann bereits während der Grundschulzeit unter sich, ergab die am Samstag veröffentlichte wissenschaftliche Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung.

Auch komme es in einzelnen benachteiligten Quartieren zu einer starken Schülerabwanderung. Ausgewertet wurden die Daten von knapp 4000 Erstklässlern der Schuljahre 2008/09 bis 2011/12 in Mülheim an der Ruhr.

Die Studie mit dem Titel "Gleich und gleich gesellt sich gern" wurde im Auftrag der Stiftung vom Zentrum für interdisziplinäre Regionalforschung (ZEFIR) an der Ruhr-Universität Bochum und der Stadt Mülheim erarbeitet. Die damals in NRW regierende CDU/FDP-Koalition hatte die Bindung an die Bezirke aufgehoben, um den Eltern mehr Wahlmöglichkeiten zu bieten und die Grundschulen durch verstärkte Konkurrenz um Schülerzahlen zu einer Qualitätsverbesserung zu animieren.

Die Bertelsmann Stiftung geht davon aus, dass die Ergebnisse exemplarisch für Schulen in Ballungsgebieten sind. Eine Wahlfreiheit bei Grundschulen gibt es in Deutschland nach Angaben der Stiftung auf Länderebene außer in NRW bislang nur in Hamburg. In anderen Bundesländern werde darüber aber stark diskutiert.

Zu Zeiten der verbindlichen Bezirke in Mülheim besuchten nach der Studie etwa 10 Prozent der Kinder unter anderem per Ausnahmegenehmigung eine andere als die zuständige Grundschule. Der Anteil pendelte sich 2011/12 bei gut 25 Prozent ein. Auch in den folgenden Jahren sei es bei diesem Wert geblieben, mit leicht steigender Tendenz 2015, sagte eine Sprecherin der Stiftung. "Die Wahlentscheidung der Eltern ist abhängig vom Sozialstatus der Schule und vom sozialen Hintergrund der Eltern", stellt die Stiftung fest. Wenn die zuständige Gemeinschaftsgrundschule viele sozial benachteiligte Kinder habe, wählten Eltern häufiger eine andere Schule.

Der Autor der Studie, Thomas Groos, fand heraus, dass Eltern mit niedrigem Bildungsstatus und Eltern mit Migrationshintergrund häufiger die nahegelegene Grundschule wählen. "Diese Familien sind in der Regel weniger mobil und bleiben meist in ihrem Wohnbezirk." Vor allem Eltern mit mittlerem Sozialstatus nähmen die freie Schulwahl in Anspruch. Eltern mit hohem Sozialstatus machten davon seltener Gebrauch, da sie meist in sozial homogenen Einzugsbereichen wohnten.

Groos schlägt vor, die soziale Struktur der Schulen über einen sogenannten Sozialindex transparent zu machen. Dann könnten benachteiligte Schulen in sozialen Brennpunkten besser ausgestattet werden etwa mit mehr Lehrern, einem verbindlichen Ausbau der Ganztagsbetreuung und mehr Unterstützung bei Inklusion von behinderten Kindern und Integration von Ausländern. Damit könnten diese Schulen so gut werden, "dass ihre Qualität auch bildungsaffine Eltern überzeugt".

Andere Städte haben nach eigenen Angaben keine so starken Veränderung wie in Mülheim registriert. "In den ersten Jahren nach Umsetzung der neuen Regelungen konnte festgestellt werden, dass nur wenige Eltern von der Möglichkeit Gebrauch gemacht haben, ihr Kind außerhalb der früheren Schulbezirksgrenzen anzumelden", sagte die Leiterin des Schulverwaltungsamtes in Düsseldorf, Dagmar Wandt. Auch ihre Essener Kollegin Regine Möllenbeck berichtete, es habe sich im Großen und Ganzen nicht viel verändert.

dpa

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