Stuttgart: Mutmaßlicher Islamisten-Treffpunkt durchsucht

Stuttgart (dpa) - Rund 70 Polizisten haben in Stuttgart einen mutmaßlichen Treffpunkt von Islamisten durchsucht. "Es besteht der konkrete Verdacht, dass der Verein Verbotsgründe nach dem Vereinsgesetz erfüllt", sagte Baden-Württembergs Innenminister Reinhold Gall (SPD).

Bei dem Verein Islamisches Bildungs- und Kulturzentrum Mesdschid Sahabe handelt es sich nach den Worten von Gall um eine von Salafisten dominierte Einrichtung. Die Mitglieder sollen die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) unterstützen. Ob die Beweise aber ausreichen, um den Verein zu verbieten, konnte das Innenministerium zunächst nicht sagen.

Neben den Vereinsräumen durchsuchte die Polizei die Wohnungen von sechs Mitgliedern. Der Verein sei ein Treffpunkt von Islamisten aus ganz Baden-Württemberg, erklärte Gall. Seit 2013 seien sechs Personen aus dem Umfeld der Organisation in Richtung Syrien gereist, um dort an Kämpfen teilzunehmen - drei seien wahrscheinlich inzwischen dort gestorben. Die Ermittler vermuten, dass der Verein seine Besucher entsprechend beeinflusst.

Derweil suchen deutsche Sicherheitsbehörden nach einer 15-Jährigen aus Ostdeutschland, die sich vermutlich dem IS in Syrien anschließen wollte. Wie ein Sprecher des Landeskriminalamts Sachsen-Anhalt in Magdeburg sagte, deuteten die bisherigen Ermittlungen darauf hin. Zuvor hatten bereits mehrere Medien über den Fall berichtet. Die 15-Jährige aus Sangerhausen (Sachsen-Anhalt) sei Anfang März mit einer 18-Jährigen aus Thüringen in die Türkei geflogen und als vermisst gemeldet worden. Laut LKA lernten sich die beiden Mädchen im Internet kennen. Die Behörden wollen herausfinden, wo sie sich derzeit aufhalten, und sie zurückholen.

Die IS-Miliz beherrscht in Syrien und im Irak riesige Gebiete und hat dort ein sogenanntes Kalifat ausgerufen. Nach Schätzungen des US-Geheimdienstes CIA kämpfen inzwischen rund 20 000 Menschen aus 90 Ländern für den IS. Der Salafismus, der eine "islamische Ordnung" mit islamischer Rechtsprechung (Scharia) als einzig legitime Staats- und Gesellschaftsform ansieht, wird nur von einer kleinen Minderheit der Muslime getragen.

PM des Innenministeriums

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