Terroralarm, Hannover, HDI-Arena, Deutschland - Niederlande
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Das Stadion wurde um kurz nach 19 Uhr evakuiert.

Fakten und Gerüchte im Überblick

Terror-Nacht in Hannover: Was ist wirklich passiert?

Hannover - Nach dem abgesagten Länderspiel am Dienstagabend in Hannover sind immer noch viele Fragen offen. Was ist passiert? Gab es Sprengstoff? Wer sind die mutmaßlichen Attentäter? Fakten und Gerüchte im Überblick:

Am Dienstag um kurz nach 19 Uhr kam die Durchsage: "Bitte verlassen Sie das Stadion, das Spiel Deutschland gegen Niederlande ist abgesagt!" Verwunderung, aber dann doch ein ruhiger Abgang der bereits eingetroffenen Zuschauer. 

Im Laufe des Abends überschlugen sich dann die Ereignisse: Die Kreiszeitung Syke berichtete erstmalig von einem mit Sprengstoff bestückten Rettungswagen, Sprengstoffexperten fuhren mit Blaulicht ins Stadion, die Terrorwarnung wurde auf das gesamte Stadtgebiet Hannover ausgeweitet. Ab 21 Uhr wurde der Hauptbahnhof für eine Stunde gesperrt, weil eine Bombenattrappe in einem Zug gefunden wurde. Die Polizei sprengte das verdächtige Paket.

Dennoch gibt es viele Fragen und wenig Antworten. Wir versuchen einen Überblick über Fakten und Gerüchte zu geben.

Was ist wirklich passiert in der Terror-Nacht von Hannover?

Fakt ist: Das Spiel ist abgesagt worden, weil eine konkrete Gefährdung vorlag. Es gab Hinweise, dass ein Sprengsatz im Stadion gezündet werden sollte, sagte der Polizeichef von Hannover Volker Kluwe in der ARD. Fakt ist auch, dass am gleichen Abend die Lesung von Helge Schneider und ein Jazz-Konzert abgesagt wurden.

Auf einer Pressekonferenz begründete Bundesinnenminister Thomas de Maizière die Absage damit, dass konkrete Hinweise ihn zu einer Absage bewogen hätten. Sein niedersächsischer Kollege Boris Pistorius bekräftigte auf Nachfrage, dass keine Bomben oder Sprengsätze in der Nähe des Stadion gefunden wurden. Auf Anfrage bei der Generalbundesanwaltschaft bekam "Bild" die Antwort, dass man sich nicht zu laufenden Ermittlungen äußern werde. Damit fangen die Spekulationen an.

Sprengstofffund ja oder nein - Wer sagt die Wahrheit?

Die Bundesregierung hält sich bedeckt mit klaren Ansagen. "Ein Teil der Antwort würde die Bevölkerung verunsichern", lautete der Satz, der de Maizière im Anschluss im Netz um die Ohren flog. Mehrere Medien berichten von unterschiedlichen, sicheren Quellen, die einen Sprengsatz am Rettungswagen gesehen haben wollen. "Sky" berichtete live und sah viele Einsatzwagen zum Stadion preschen, so dass der Eindruck einer ernstzunehmenden Gefahr entstand.

Hans-Joachim Zwingmann, 1. Vizepräsident des Deutschen Sportjournalisten Verbandes, sagte zur Kreiszeitung: "Nach meinen Informationen hat ein Schnüffelhund bei der Untersuchung eines Krankenwagens angeschlagen. Es soll aber angeblich keine Auffälligkeiten gegeben haben. Das ist alles schon ein bisschen dubios. Kurz nach 19 Uhr standen mehrere Krankenwagen direkt vor dem Haupteingang des Stadions und sind rein- und rausgefahren. Warum, weiß ich nicht.“

In der "Bild"-Zeitung meldete sich ein Mitarbeiter des Sanitätsdienstes der behauptet, dass an einem Rettungswagen am Stadion "ein Sprengsatz gefunden" worden sei. Auch soll dem Blatt ein Papier des Verfassungsschutzes vorliegen, in dem von einem konkreten Anschlagsplan auf das Stadion und die Stadt Hannover die Rede ist. "Im Beisein von Spezialkräften" wurde er aufgefordert, "nicht darüber zu sprechen", zitiert das Blatt weiter. Mitarbeiter der Bundespolizei erklärten ebenfalls, dass an zwei Stellen angeblich Sprengsätze gefunden worden seien. Die "Welt" will aus Sicherheitskreisen erfahren haben, dass ein Attentat mit einem Sprengstoff beladenen Fahrzeug geplant gewesen sei, das eine "Zugangsberechtigung für den Stadionbereich" hatte, zitiert die Zeitung auf ihrem Onlineportal den Bericht. Davon könnten Rettungswagen, TV-Übertragungswagen oder Wagen der Sicherheitsdienste betroffen gewesen sein.

Wer hat die entscheidenden Hinweise gegeben?

Nahezu alle Medien berichten, dass der französische Geheimdienst die entscheidenden Informationen an die zuständigen Kreise in Deutschland weiter geleitet habe. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann bestätigte dies indirekt im Bayerischen Fernsehen. Der Hinweis kam von einem ausländischen Geheimdienst. Dieser besagte, dass "innerhalb der nächsten 48 Stunden ein Anschlag auf ein Sportereignis in Deutschland stattfinden sollte oder könnte", sagte der CSU-Politiker.

Terroralarm in Hannover: Hintergründe zu den mutmaßlichen Attentätern

Nach Angaben der "HAZ" hat der Anführer der mutmaßlichen Hannover-Attentäter einen deutschen Pass. Er soll angeblich eine fünfköpfige Gruppe geleitet haben, die den Anschlag auf das Freundschaftsspiel zwischen Deutschland und den Niederlanden geplant habe. Der französische Geheimdienst habe mitgeteilt, dass drei Bomben in einem Fahrzeug mit Zufahrtsberechtigung oder durch ein Mitglied der Gruppe mit Eintrittskarte ins Stadion gebracht werden und dort detonieren sollten. Einen weiteren Sprengsatz wollten die Terroristen dem Bericht zufolge an einer Bushaltestelle platzieren.

Sieben Stunden später hätte die einzige Frau aus der Gruppe einen Sprengsatz an einem nicht näher spezifizierten Bahnhof zünden sollen. Dabei sollte es sich den Angaben zufolge nicht um einen Selbstmordanschlag handeln. Die Frau hätte demnach mit einem Zug zu dem Bahnhof fahren, dort aussteigen, die Bombe deponieren und mit einem anderen Zug den Tatort wieder verlassen sollen.

Bombenattrappe im Hannoveraner Hauptbahnhof

Am Dienstagabend sorgte ein verdächtiges Paket am Hauptbahnhof in Hannover für Aufregung. In einem IC kam es an und Polizisten sprengten es vorsichtshalber. Mittlerweile hat sich der Besitzer gemeldet. Es handelt sich nach Angaben eines Bundespolizeisprechers um einen Ingenieur aus dem Ruhrgebiet, der in dem Päckchen Elektrobauteile und Kabel bei sich hatte. Der Mann habe glaubhaft versichert, dass er das Paket im Zug vergessen hatte, als er in Hannover hastig in eine andere Bahn umsteigen musste.

Dass er damit große Aufregung auslöste, habe er nicht mitbekommen. Am Tag nach dem Terroralarm habe der Mann sein Paket in einem Fundbüro im Ruhrgebiet als vermisst gemeldet. Danach habe die Polizei Kontakt zu ihm aufgenommen. Der Ingenieur habe glaubhaft versichert, dass er keine bösen Absichten gehabt habe. Mit einem Strafverfahren müsse er nicht rechnen, sagte der Sprecher der Bundespolizei, Jörg Ristow.

ms mit Material von dpa

Michael Sapper

Michael Sapper

E-Mail:michael.sapper@merkur.de

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