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Festnahme des Paris-Attentäters Salah Abdeslam - auch sie spielte im Stadtteil Molenbeek.

Nach dem Blutbad vom Dienstag

Terror in Brüssel: Führt die Spur wieder nach Molenbeek?

Brüssel - Die belgische Hauptstadt Brüssel gilt als Zentrum des islamistischen Terrors in Europa. Der Stadtteil Molenbeek steht dabei besonders im Fokus.

Update vom 29. Juni 2016: Erneut hat ein Terroranschlag die türkische Hauptstadt Istanbul erschüttert. Selbstmordattentäter richteten ein Blutbad am Flughafen Atatürk an. Wir berichten über die Entwicklungen zum Terror in Istanbul im Live-Ticker.

In der deutschen Übersetzung trägt einer der am meisten gefürchteten Orte Europas einen fast poetisch anmutenden Namen. „Mühlenbach“ ist eine von 19 Gemeinden in der Region Brüssel, knapp sechs Quadratkilometer Fläche, rund 95 000 Einwohner. Bekannter ist das „Mühlenbach“-Viertel aber unter dem Namen Molenbeek – als Rückzugsort islamistischer Terroristen.

Hier geht es zu unserem Live-Ticker vom Tag nach den Terroranschlägen von Brüssel.

In der vergangenen Woche wurde der Pariser Attentäter Salah Abdeslam in Molenbeek festgenommen, vier lange Monate hatte er die Sicherheitskräfte zum Narren gehalten. Es war, als hätte man einen gefürchteten Schwerverbrecher nach langer Suche in seinem Elternhaus gefunden – eine Blamage für die Ermittler. Nach den Anschlägen am Brüsseler Flughafen und in der Metrostation Maelbeek tauchen nun naheliegende Fragen auf: Operierten die Terroristen wieder von Molenbeek aus? Waren die Attentate Vergeltungsaktionen für die Festnahme Abdeslams? Und warum gelingt es Politikern und Polizisten ganz offenkundig nicht, die terroristischen Strukturen mitten in Belgiens Hauptstadt wirkungsvoll zu bekämpfen?

Der Moderator Jaafar Abdul Karim ist nach den Anschlägen von Paris im vergangenen November für eine Fernsehreportage nach Molenbeek gefahren. „Mein erster Eindruck war: Es gibt ganz viele Bürger, die muslimischen Glaubens sind und die sich entschieden haben, friedlich an einem Ort zu leben, an dem sehr viele Gleichgläubige sind“, schreibt Karim in der „Zeit“. Allerdings bereite ihm ein kleiner Anteil der Bewohner von Molenbeek große Sorgen. „Mit Stolz trugen sie ihren Hass auf den Westen vor sich her. Der Westen, der an allem schuld sei, was falsch in der Welt laufe.“

Karim berichtet von verstörenden Dialogen. „Egal was ich sie gefragt habe, immer antworteten sie mit Versen aus dem Koran und wollten mir gleich eine Vorlesung halten. Ob sie wirklich begriffen, was sie da sagten oder nur auswendig Gelerntes herunterbeteten, war mir nicht klar.“

Mittlerweile sind Bilder von Hausdurchsungen in Molenbeek fast schon fester Bestandteil der Nachrichtensendungen. Häufig entsteht der Eindruck, dass es ein fast ausschließlich von Dschihadisten bewohntes Viertel ist, eine Art rechtsfreier Raum mitten in Europa. Heute ist jeder zweite Jugendliche in Molenbeek arbeitslos – Sozialarbeiter und Wissenschaftler sehen Perspektivlosigkeit als Hauptursache für Radikalisierung.

Allerdings gibt es auch ein anderes, weltoffenes Molenbeek, für das in der Berichterstattung häufig kein Platz bleibt. Nach den Anschlägen von Paris demonstrierten im November Tausende auf den Straßen des Viertels gegen Gewalt, darunter auch viele Muslime. Es gibt Kulturcafés, Bürgerinitaitiven und Diskussionsveranstaltungen – aber gegen den dunklen Sog der Terroristen kommen sie kaum an.

Molenbeek - ein Symbol für den mit Dschihadisten überforderten Staat

Molenbeek ist längst zum Symbol eines im Umgang mit Dschihadisten überforderten Staates geworden. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl stammen die meisten rekrutierten Dschihadisten aus Belgien. 500 bis 600 Kämpfer haben sich dem Islamischen Staat (IS) angeschlossen, allein in Brüssel soll es rund 450 gewaltbereite Islamisten geben. Belgiens Politiker bemühen Parolen und Floskeln – eine wirkliche Antwort haben sie bislang nicht. Innenminister Jan Jambon etwa kündigte nach den Pariser Anschlägen an, er werde Molenbeek eigenhändig aufräumen. Es ist offenbar bei der Ankündigung geblieben.

Mindestens sechs der Attentäter, die im Konzertsaal Bataclan und an anderen Orten in Paris 130 Menschen töteten, haben eine Verbindung nach Molenbeek. Nach den Anschlägen von Brüssel wird nun über die möglichen Täter und Drahtzieher spekuliert. Gesucht wird etwa der 31-jährige Belgier Mohamed Abrini. Der wegen Diebstahls und Drogendelikten vorbestrafte Extremist ist ein Freund des gefassten Abdeslams, den er seit Kindheitstagen aus Molenbeek kennt. Auch die Brüder Khalid und Ibrahim El Bakraoui stehen weiter auf der Fahndungsliste. Sie sollen unter falschem Namen die Wohnungen gemietet haben, in denen Terrorverdächtige unterkamen.

Auch der 24-jährige Najim Laachraoui ist auf der Flucht. Er soll am Abend der Pariser Anschläge in Kontakt mit den Attentätern gestanden haben. Kurz vor seiner Identifizierung hatten Ermittler vergangene Woche bei einer Hausdurchsuchung in der Brüsseler Gemeinde Forest Bombenzünder, Munition und eine Kalaschnikow sichergestellt. Ob die Gesuchten eine Rolle bei den gestrigen Anschlägen spielten, zu dem sich am Montagnachmittag die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) bekannt hat, ist offen. Aber auch dieses Mal laufen wieder viele Fäden in Molenbeek zusammen.

Maximilian Heim

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