MM-Redakteur Mike Schier. 

Sicherheitslücken und soziale Netzwerke

Terror-Einsatz in Sachsen: Die Lehren aus Chemnitz

München - Das Terrorwochenende von Sachsen mahnt dazu, die Flüchtlingsdebatte nicht den Schwarz-Weiß-Denkern zu überlassen. Der Fall beweist aber auch, wie groß die Sicherheitslücke letztes Jahr war. Ein Kommentar von Mike Schier.

Zuweilen stellt sich die komplexe Realität den einfachen Weltbildern unbequem in den Weg: Da wird ein syrischer „Flüchtling“ von den Geheimdiensten beim Basteln einer Bombe erwischt. Doch die Fahnder stellen sich beim Zugriff dermaßen tölpelhaft an, dass es schließlich andere Syrer sind, die den Gesuchten überwältigen und von der Polizei abholen lassen. So dient das Terrorwochenende von Sachsen, das mit dieser feinen Pointe Gott sei Dank ein gutes Ende nahm, allen Seiten als Mahnung, nicht jenen die Flüchtlingsdebatte zu überlassen, die nur in Schwarz oder Weiß denken.

Der Fall beweist aber, wie groß die Sicherheitslücken waren, die Deutschland im großen Zustrom des letzten Jahres den Terroristen gewährte. Bis heute bleiben Hausaufgaben, die von der Bundesregierung in Teilen noch immer nicht erledigt wurden – beispielsweise bei der Sicherung der Grenzen. Und er zeigt, dass man dringend über eine weitere Verstärkung der Ämter für Verfassungsschutz nachdenken sollte. Schließlich nimmt im Jahr 2016 nicht nur die terroristische Bedrohung durch islamistische Fanatiker zu. Gerade in Sachsen geht auch von rechtsradikalen Wirrköpfen eine steigende Gefahr aus. Wer will, dass sich das politische Klima im Lande nicht weiter verschärft, ist dringend auf frühe Fahndungserfolge angewiesen. Und zwar auf allen Seiten.

„Geschafft, aber überglücklich“

Und noch etwas lehrt der Chemnitzer Fall: Der Unmut, der nach dem Münchner Amoklauf über die sozialen Netzwerke hereinbrach, ist nicht immer gerechtfertigt. In Chemnitz zeigte sich, dass sie bei der Fahndung wichtige Dienste leisten können. Die sächsische Polizei twitterte nach der Festnahme von Jaber al-Bakr nächtens zwar etwas zu euphorisch: „Wir sind geschafft, aber überglücklich“. Das klang eher nach einem frischgebackenen Elternpaar als nach harten Terrorfahndern. Doch die Aufrufe in arabischer Sprache beweisen, wie gut die Polizei die neuen Möglichkeiten zu nutzen weiß.

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