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Das soll der dritte Selbstmordattentäter aus dem Bataclan sein: Foued Mohamed Aggad

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Dritter Bataclan-Attentäter identifiziert

Berlin - Bei einem Treffen mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier in Bagdad sagte Iraks Ministerpräsident al-Abadi, sein Land brauche Unterstützung aus Deutschland für den Kampf gegen die IS-Extremisten.

  • Der dritte Selbstmordattentäter aus dem Bataclan soll identifiziert worden sein.
  • Der Bundestag hat am Freitag mit Mehrheit den Einsatz der Bundeswehr im Kampf gegen den Terror der IS beschlossen. 
  • Die Band Eagles of Death Metal ist gemeinsam mit U2 in Paris auftreten.
  • Nach dem Blutbad im kalifornischen San Bernardino spricht das FBI von einem "Terrorakt".

+++AKTUALISIEREN+++

+++ Nach monatelanger Geiselhaft hat die Terrormiliz Islamischer Staat Aktivisten zufolge 25 im Nordosten Syriens entführte Christen freigelassen. Unter ihnen war auch ein Kind, erklärte das Assyrische Netzwerk für Menschenrechte am Mittwoch. Laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte sind Dutzende weitere Christen noch in der Gewalt der Extremisten. 

+++ Der Generalbundesanwalt in Karlsruhe führt derzeit weit mehr als hundert Verfahren gegen mutmaßliche Syrien-Kämpfer. Justizminister Heiko Maas sagte der "Bild"-Zeitung", dass "135 Verfahren mit rund 200 Beschuldigten im Zusammenhang mit dem Bürgerkrieg in Syrien" in Karlsruhe anhängig seien. "Bundesweit gibt es ungefähr noch einmal doppelt so viele Strafverfahren", sagte Maas. Die Zahl der Verfahren zeige, dass Deutschland "ein äußerst scharfes Terrorismusstrafrecht" habe, das "sehr konsequent" angewendet werde. "Für radikale Terroristen gibt es keine Toleranz", sagte Maas.

+++ Knapp einen Monat nach den Terroranschlägen haben Fahnder nach Medienberichten den dritten Selbstmordattentäter aus dem „Bataclan“ identifiziert. Es handele sich um einen 23-jährigen Straßburger, der Ende 2013 nach Syrien gereist sei. Sein Name sei Foued Mohammed Aggad. Im „Bataclan“ hatten drei islamistische Terroristen 90 Menschen erschossen.

+++ Auf dem Weg von San Francisco nach Paris ist eine Air-France-Maschine nach einer anonymen Drohung in Montreal gelandet. Die Besatzung des Flugs AF083 habe diese Entscheidung aus Vorsicht getroffen, bestätigte die französische Fluggesellschaft in Paris am Dienstag. Die Maschine mit 231 Passagieren an Bord werde von kanadischen Einsatzkräften durchsucht. Die Herkunft der Drohung ist noch ungeklärt. Die Maschine war um 23:48 Uhr Ortszeit gelandet.

+++ Weniger als einen Monat nach dem Anschlag auf die Pariser Konzerthalle Bataclan ist die US-Rockband Eagles of Death Metal, die das Blutbad hautnah miterlebte, wieder in der französischen Hauptstadt aufgetreten. Gemeinsam mit U2 standen sie in der Arena.

+++ Wegen einer Bombendrohung ist am Montag eine Passagierjet von Berlin nach Hurghada in Ägypten in Budapest gelandet. Der Airbus wurde von der ungarischen Polizei durchsucht.

Syrische Soldaten sterben bei US-Luftangriff

+++ Bei einem Luftangriff der US-geführten Koalition in Syrien sind angeblich erstmals syrische Regierungssoldaten getötet worden. Die syrische Regierung verurteilte dies am Montag in einem Protestbrief an UN-Generalsekretär Ban Ki Moon als "abscheuliche Aggression". Auch die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete über einen solchen Luftangriff. Die USA wiesen die Vorwürfe zurück und hoben hervor, dass kein Flugzeug der Koalition in dem Gebiet bombardiert habe.

Der Vorfall ereignete sich den syrischen Angaben zufolge am Sonntagabend im Osten des Landes. Laut syrischem Außenministerium wurden dabei drei syrische Soldaten getötet und 13 weitere verletzt. Die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle sprach von vier toten syrischen Soldaten durch den Angriff auf ein Armeecamp im Westen der Provinz Deir Essor. Dieses sei rund zwei Kilometer von der Ortschaft Ajasch entfernt, die von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) kontrolliert werde. Auch in syrischen Armeekreisen war von vier Toten die Rede, zudem seien zwei Panzer und Gebäude beschädigt worden, die als Waffendepots genutzt werden.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD, r) mit dem Präsidenten der Republik Irak, Fouad Masoum.

 +++ Der irakische Ministerpräsident Haider al-Abadi hat mehr deutsche Unterstützung im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) erbeten. Bei einem Treffen mit Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier am Montag in Bagdad sagte al-Abadi: „Die Bedrohung durch den Terrorismus ist nicht nur eine Bedrohung für den Irak, sondern auch für Europa.“ An die Bundesregierung appellierte er, künftig auch bei der Ausbildung von Soldaten der irakischen Armee zu helfen. Bislang bildet die Bundeswehr nur kurdische Kämpfer im Norden des Landes aus.

Steinmeier verwies auf jüngste Erfolge bei der Befreiung von irakischen Städten, die unter Kontrolle des IS gestanden hatten. Zugleich betonte er: „Niemand unterschätzt die Aufgaben, die vor Ihnen und der internationalen Staatengemeinschaft liegen.“ Zu al-Abadis Bitte um Militärhilfe sagte der SPD-Politiker lediglich, er habe „genau hingehört“.

Eagles of Death Metal gehen wieder auf die Bühne

+++ Die US-Rockband Eagles of Death Metal, die das Attentat auf den Pariser Konzertsaal Bataclan am 13. November hautnah miterlebte, soll nach jüngsten Angaben am Montag in die französische Hauptstadt zurückkehren. Nachdem die Band am Sonntag noch nicht beim U2-Konzert in Paris auftrat, solle dies nun einen Tag später geschehen, hieß es aus übereinstimmenden Quellen. Eine offizielle Bestätigung lag aber weiter nicht vor. Bei ihrem ersten Konzert am Sonntag machten auch die Musiker von U2 auf der Bühne keine Angaben zu den Plänen. Am Montag treten sie erneut in Paris auf.

Die Band Eagles of Death Metal hatte im Bataclan ein Konzert gegeben, als islamistische Attentäter eindrangen und 90 Menschen töteten. Von den Musikern wurde niemand verletzt, allerdings wurde ein Verkäufer von Fanartikeln der Band getötet. Auch drei Mitarbeiter ihres Musiklabels Universal sind unter den Todesopfern. Die Gruppe brach nach den Attacken ihre eigentlich bis zum 10. Dezember geplante Europa-Tournee ab und kehrte in die USA zurück. Die Tournee soll nun im Februar fortgesetzt werden.

U2 war indirekt von der Anschlagsserie in Paris betroffen: Die Band sollte am 14. und 15. November in der französischen Hauptstadt auftreten, verschob nach den Attentaten aber die Konzerte auf Sonntag und Montag. U2 hatte die Eagles of Death Metal nach den Anschlägen persönlich unterstützt: Unter anderem kauften die irischen Rocker ihren US-Kollegen neue Handys und stellten ihnen ihr Flugzeug zur Verfügung.

Mehrere Attentäter hatten am 13. November nahezu simultan die Fußballarena Stade de France, mehrere Bars und Restaurants sowie das Bataclan angegriffen. Die Mitglieder von Eagles of Death Metal gaben Ende November ein erstes Interview nach den Attentaten. Darin würdigten sie die mutigen Zuschauer, die sich vor ihre Freunde gestellt hätten. Sänger Jesse Hughes sagte, die Band wolle die erste sein, die wieder im Bataclan spiele.

Mann auf Lufthansa-Flug überwältigt

+++ Auf einem Lufthansa-Flug von Frankfurt am Main nach Belgrad ist am Sonntag ein Mann überwältigt worden, der sich an einer der Türen zu schaffen machte. Der Mann sei von Passagieren und Crew-Mitgliedern überwältigt und anschließend bis zur Landung auf seinem Sitz "fixiert" worden, sagte ein Sprecher des Unternehmens der Nachrichtenagentur AFP. Er sei in Belgrad den serbischen Behörden übergeben worden. Ob es einen terroristischen Hintergrund gibt, ist bislang unklar.

+++ Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) hat Saudi-Arabien vor der Unterstützung von religiösem Extremismus gewarnt. "Aus Saudi-Arabien werden überall in der Welt wahabitische Moscheen finanziert. Aus diesen Gemeinden kommen in Deutschland viele islamistische Gefährder", sagte der Bundeswirtschaftsminister der "Bild am Sonntag". Zur Lösung der regionalen Konflikte sei man auf Saudi-Arabien angewiesen. "Wir müssen den Saudis aber zugleich klarmachen, dass die Zeit des Wegschauens vorbei ist." Der SPD-Vorsitzende forderte ein entschiedenes Vorgehen gegen radikale Moscheen in Deutschland: "Dieser radikale Fundamentalismus, der sich in salafistischen Moscheen abspielt, ist nicht minder gefährlich als der Rechtsradikalismus", sagte Gabriel der "BamS" Der Staat müsse eingreifen, sobald zu Gewalt und Menschenhass aufgerufen werde. "Wir müssen bei den Salafisten den gleichen Maßstab anlegen wie bei rechtsradikalen Gewalttätern."

Käßmann fassungslos über Bundeswehreinsatz in Syrien

+++ Die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Margot Käßmann, ist tief betroffen über die Entscheidung für einen Bundeswehreinsatz in Syrien. „Es macht mich fassungslos, aber wir müssen der Tatsache ins Gesicht schauen: Wir ziehen in den Krieg“, schrieb Käßmann in einer Kolumne für die „Bild am Sonntag“. Bei ihr bleibe der Verdacht, dass es die Flüchtlingsströme aus dem Nahen und Mittleren Osten seien, die die Europäer jetzt in den Krieg ziehen ließen. „Es könnte sein, dass es so noch mehr Flüchtlinge werden. Und noch mehr Terroristen!“

Die frühere EKD-Ratsvorsitzende glaubt, dass der am Freitag vom Bundestag beschlossene Bundeswehreinsatz der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in die Hände spielt. „Ich fürchte, die Europäer tun jetzt genau das, wozu die islamistischen Terroristen sie provozieren wollten.“ Dabei seien längst nicht alle zivilen Mittel ausgeschöpft. „Durch Bombardements entsteht kein Frieden“, schrieb Käßmann.

+++ Die für den Anti-Terror-Einsatz gegen den IS abgestellte Fregatte „Augsburg“ ist in der Nacht zum Sonntag dem Einsatzkommando der Franzosen unterstellt worden. Wie ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Potsdam mitteilte, traf die Fregatte mit 230 Soldaten an Bord im südöstlichen Mittelmeer ein. Dort schloss sie sich dem Verband unter Führung des französischen Flugzeugträgers „Charles de Gaulle“ an.

Von der „Charles de Gaulle“ aus will Frankreich Luftangriffe gegen die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) fliegen. Dazu soll der Flugzeugträger durch den Suezkanal ins Arabische Meer verlegt werden. Die in Wilhelmshaven beheimatete „Augsburg“ ist als Begleitschutz abkommandiert. Die deutsche Fregatte war bisher im Mittelmeer bei der Operation „Sophia“ gegen Schleuser eingesetzt.

Lindner fordert "Europäische Armee"

+++ Angesichts der wachsenden militärischen Belastungen Deutschlands und seiner Nachbarstaaten hat FDP-Chef Christian Lindner die Dringlichkeit einer „Europäischen Armee“ betont. Deutschland könne zusammen mit Frankreich dabei eine Vorreiterrolle übernehmen, sagte der Vorsitzende der seit 2013 nicht mehr im Bundestag vertretenen FDP der Deutschen Presse-Agentur. „Damit einhergehen müsste eine integrierte europäische Rüstung, die die Beschaffung vereinfacht, Rüstungsgüter vereinheitlicht und Kosten reduziert.“

Nach den Worten Lindners haben die Terroranschläge von Paris „Europa und Deutschland schmerzlich vor Augen geführt, wie schnell Freiheit, Leib und Leben in Gefahr sind. Gleichzeitig haben viele Staaten Europas nicht zuletzt durch die Finanzkrise die Verteidigungsausgaben reduziert und teilweise sogar militärische Fähigkeiten aufgegeben.“ Die deutsche Debatte über die Anzahl einsatzfähiger „Tornado“-Jets sei symptomatisch. „Sie macht deutlich, dass Deutschland selbst mit einem kleinen Beitrag nahezu überfordert ist.“

Derzeit sei nicht absehbar, zu welcher militärischen Rolle die USA künftig bereit seien, so Lindner. „Deshalb liegt der Schlüssel in einer stärkeren Koordination und Integration der nationalen Streitkräfte der Europäischen Union, mit dem Ziel, eine Europäische Armee zu schaffen.“ Ansätze zur Integration gebe es - durch die Verschmelzung bestehender Konzepte und eine bessere Abstimmung zwischen EU und Nato könne „ein Nukleus der Europäischen Armee geschaffen werden“.

Messerattacke in London: Terroristischer Hintergrund?

+++ In einer Londoner U-Bahn-Station kam es zu einem Messerangriff auf drei Personen. Die britische Polizei hat Ermittlungen wegen einer möglichen "terroristischen" Tat eingeleitet. Mehr zu diesem Thema lesen Sie hier.

+++ Kaliforniens ehemaliger republikanischer Gouverneur und Action-Filmstar Arnold Schwarzenegger hat am Samstag in Paris der Opfern der Anschläge vom 13. November gedacht. Vor dem Konzertsaal Bataclan, wo islamistische Attentäter 90 Menschen töteten, verneigte er sich und legte einen Kranz aus Rosen und Orchideen nieder. Auf eine daran befestigte Karte hatte er geschrieben: "Paris, je t'aime and I pray for you" (Paris, ich liebe Dich, und ich bete für Dich). Der Schauspieler hielt sich aus Anlass des UN-Klimagipfels in der französischen Hauptstadt auf und wurde von Michèle Sabban begleitet.

+++ Der Pariser Selbstmordattentäter Brahim Abdeslam und sein flüchtiger Bruder Salah sind den Fahndern nach Angaben belgischer Medien schon länger gewesen. Bereits vor den Terroranschlägen in Paris am 13. November seien sie der internationalen Polizeibehörde Interpol und der EU-Polizeibehörde Europol gemeldet worden, berichteten belgische Medien am Samstag. Der Terrorverdächtige Salah Abdeslam ist weiter flüchtig.

Die belgischen Behörden hätten am 29. Oktober Interpol, Europol und dem Schengener Informationssystem (SIS) Daten über 837 Personen übermittelt, die als potentielle Dschihad-Kämpfer identifiziert worden seien, schrieb die Zeitungsgruppe „Sudpresse“.

Der belgische Innenminister Jan Jambon hatte am Mittwoch einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss gesagt, zwei der Namen auf der Liste stünden in Verbindung mit den Angriffen in Paris. Jambons Sprecher bestätigte der „Sudpresse“, dass die Namen der Brüder Abdeslam an Interpol, Europol und das SIS weitergeleitet worden seien.

Obama: "Lassen uns nicht terrorisieren"

+++ US-Präsident Barack Obama hat nach dem Anschlag mit 14 Toten in Kalifornien versichert, dass sich die USA "nicht terrorisieren lassen werden". "Wir sind Amerikaner. Wir werden unsere Werte, eine freie und offene Gesellschaft, verteidigen", sagte Obama am Samstag in seiner wöchentlichen Rundfunkansprache. "Wir sind widerstandsfähig. Und wir werden uns nicht terrorisieren lassen."

Obama sagte, es sei durchaus möglich, dass die beiden Attentäter von San Bernardino "radikalisiert wurden, um diesen Terrorakt zu begehen". Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) und andere Terrorgruppen bemühten sich "aktiv" um Menschen, die dann oft als Einzeltäter "schreckliche Gewalttaten verüben". Obama forderte die gesamte Gesellschaft - von der Regierung über die Polizei bis hin zu den Religionsgemeinschaften - zur Zusammenarbeit auf, um zu verhindern, "dass diese Menschen diesen hasserfüllten Ideologien anheimfallen".

+++ Trainer Marc Wilmots schätzt die Gefahr eines Terroranschlags auf Spiele der belgischen Fußball-Nationalmannschaft als realistische Bedrohung ein. „Die Nationalmannschaft von Belgien ist ein Vorbild für gelungene Integration, für ein Miteinander von Kulturen und Religionen, und wir sind im Moment die Nummer eins der Welt, also sehr erfolgreich mit unserer Idee vom Leben“, sagte Wilmots im Interview mit dem Fachmagazin kicker (Montagausgabe).

Es wäre doch das Größte für diese Terroristen, wenn sie das angreifen könnten, bei einem Spiel live im Fernsehen, wenn sie Fans oder einen berühmten Spieler mit in den Tod reißen könnten. „Deshalb müssen wir sehr vorsichtig sein“, so Nationalcoach Wilmots.

+++ Bundesjustizminister Heiko Maas hat erneut vor einer Benachteiligung des Islams in Deutschland gewarnt. „In Sachen Religion darf es kein Zwei-Klassen-Regime geben. Freiheit ist stets gleiche Freiheit. Eine Bevorzugung einzelner Religionen durch den Staat ist damit unvereinbar“, bekräftigte der SPD-Politiker in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Samstag). Bund und Länder hielten am Ziel fest, muslimische Gemeinschaften als Körperschaft des öffentlichen Rechts den Kirchen gleichzustellen und das Zusammenleben in Staatsverträgen zu regeln. Islamistischer Terror oder muslimische Zuwanderung änderten daran nichts, im Gegenteil: „Staatsverträge können ein wichtiger Schritt sein, um den Platz des Islam in der Mitte unserer Gesellschaft zu stärken.“

Dafür „müssen sich die Muslime aber noch besser mitgliedschaftlich organisieren“, forderte Maas. Das Problem ist, dass dem Staat bei den Muslimen - anders als bei den Christen - zentrale Ansprechpartner fehlen. Denn die islamischen Organisationen in Deutschland vertreten jeweils nur einen kleinen Teil der Muslime.

Keine Zusammenarbeit mit syrischer Armee

+++ Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) hat im Kampf gegen die Terrororganisation IS eine Zusammenarbeit mit der syrischen Armee ausgeschlossen. „Für Deutschland und für die Europäische Union ist klar, das wir weder mit (dem Machthaber Baschar al-)Assad noch mit der syrischen Armee zusammenarbeiten“, sagte der Amtschef von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) dem Magazin „Der Spiegel“. „Die syrische Armee und Assad mit seinen Fassbomben haben wesentlich dazu beigetragen, dass Hunderttausende von Menschen in den Norden von Syrien und von dort weiter in die Türkei und nach Europa geflohen sind.“

Bisher hatte die Bundesregierung eine Zusammenarbeit mit Assad persönlich zwar ausgeschlossen. Mit Blick auf die Regierungsarmee hieß es aber vom Verteidigungsministerium lediglich, dass es „keine Zusammenarbeit mit Truppen unter Assad“ geben werde - eine Kooperation mit Einheiten, die nicht seinem Kommando unterstehen, wurde damit also nicht ausgeschlossen.

+++ Ein deutsches Gericht hat die Abschiebung eines Australiers beschlossen, der in Syrien gemeinsam mit kurdischen Peschmerga gegen den IS kämpfte. Das gab das australische Außenministerium am Samstag bekannt.

+++ Die Finanzminister der im UN-Sicherheitsrat vertretenen Staaten wollen noch vor Weihnachten Maßnahmen erörtern, Extremistengruppen wie den Islamischen Staat finanziell auszutrocknen. Die Finanzminister der 15 Mitgliedstaaten würden dazu am 17. Dezember in New York zusammenkommen, teilte das US-Finanzministerium in Washington am Freitag mit. Bei der Sitzung sollten "zusätzliche notwendige Maßnahmen" diskutiert werden, Extremisten "von ihren Finanzierungsquellen abzuschneiden und die Fähigkeiten von Staaten zu stärken, die Finanzierung von Terrorismus zu verhindern".

"Den IS vom internationalen Finanzsystem zu isolieren und seine Finanzierung zu behindern ist unerlässlich, um diese gewalttätige terroristische Gruppe wirksam zu bekämpfen", erklärte US-Finanzminister Jack Lew, dessen Land im Dezember den Vorsitz im UN-Sicherheitsrat inne hat. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen besteht aus fünf ständigen Mitgliedern, darunter die USA, und 15 nicht-ständigen Mitgliedern. Der US-Erklärung zufolge handelt es sich bei dem angekündigten Treffen um das erste, bei dem sich ausschließlich die Finanzminister der Sicherheitsratsmitglieder treffen.

Medien: Drahtzieher der Anschläge hatte Kontakte nach Großbritannien

+++ Der mutmaßliche Drahtzieher der Anschlagsserie von Paris mit 130 Toten, Abdelhamid Albaaoud, hatte laut einem Pressebericht Kontakte nach Großbritannien. Mehrere Menschen, zu denen Albaaoud Kontakt gehabt haben soll, seien in Großbritannien ansässig, berichtete das "Wall Street Journal" am Freitag unter Berufung auf nicht näher genannte westliche Behördenvertreter. Albaaoud wurde fünf Tage nach den Anschlägen vom 13. November bei einem Anti-Terror-Einsatz in Saint-Denis bei Paris getötet.

Laut "Wall Street Journal" sollen Albaaouds Kontakte im Raum Birmingham ansässig sein. Wie die Zeitung weiter berichtete, soll "mindestens eine Person, die mit den Anschlägen in Verbindung stand", vor den Attacken nach Großbritannien gereist sein. Die britische Polizei wollte sich auf Nachfrage nicht zu dem Bericht äußern.

Die zweitgrößte britische Stadt Birmingham tauchte schon häufiger im Zusammenhang mit islamistischen Extremisten auf. Von dort stammte etwa der IS-Rekrutierer Junaid Hussain, der im August bei Luftangriffen der internationalen Koalition in Syrien getötet wurde. Laut "Wall Street Journal" haben "mehrere islamistische Terrorzellen aus Nordafrika" Verbindungen nach Birmingham und Umgebung.

+++ Das Konzert der US-Band Eagles of Death Metal im Club Bataclan war das Hauptziel der Anschläge in Paris am 13. November. Nun wurde bekannt: Die Rocker werden früher als geplant in die französische Hauptstadt zurückkehren.

+++ Am Montag bekam die Presse Zugang zu der Wohnung der beiden Attentäter von San Bernadino. In unserer Fotostrecke finden Sie Bilder aus Kalifornien.

Bilder: So lebten die Attentäter von San Bernadino

Bilder ihrer Wohnung: So lebten die Attentäter von San Bernadino

+++ Das FBI hat die Schießerei in Kalifornien mit 14 Todesopfern als "Terrorakt" eingestuft. Nach der Tat des Ehepaars Syed Farook und Tashfeen Malik werde wegen eines terroristischen Aktes ermittelt, teilte die US-Bundespolizei am Freitag in San Bernardino mit. Zuvor hatten Medien berichtet, dass Malik auf Facebook unter anderem Namen der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) die Treue geschworen habe.

Die beiden Männer werden von der Polizei gesucht.

+++ Drei Wochen nach den Terroranschlägen von Paris suchen belgische Ermittler zwei weitere Verdächtige. Sie sollen mit dem Terrorverdächtigen Salah Abdeslam gut zwei Monate vor den Attentaten in Ungarn gewesen sein, teilte die Staatsanwaltschaft am Freitag in Brüssel mit. Die Polizei warnte, die beiden Männer seien gefährlich und wahrscheinlich bewaffnet. Auf ihren gefälschten Pässen standen die Namen Samir Bouzid und Soufiane Kayal.

Unser News-Ticker zum Nachlesen

"Sie sind gefährlich": Polizei sucht neue Terror-Verdächtige: Lesen Sie hier unseren vergangenen Ticker nach.

afp/dpa/tz/mm

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