+
Der belgische Staatsanwalt Francois Molins informierte am Montag über den aktuellen Ermittlungsstand.

Staatsanwalt spricht über Ermittlungsstand

Abdeslam gefasst: Noch immer sind viele Fragen offen

Brüssel - Er war einer der meistgesuchten Männer Europas. Nun sitzt der mutmaßliche Paris-Attentäter Abdeslam in Belgien hinter Gittern. Ermittler halten sich mit Einschätzungen über seine Absichten sehr zurück.

Wenige Tage nach der Festnahme des Terrorverdächtigen Salah Abdeslam ist unklar, ob er weitere Attentate geplant hat. Der belgische Staatsanwalt Frédéric Van Leeuw reagierte am Montag auf entsprechende Fragen ausweichend. Der Chefermittler sagte lediglich, bei Terrorermittlungen gehe es darum zu handeln, bevor etwas passiere. Er sprach von einem „Puzzle“, dessen Teile erst noch zusammengelegt werden müssten.

Belgiens Außenminister Didier Reynders hatte zuvor gesagt, der 26 Jahre alte Terrorverdächtige habe in Brüssel „wieder etwas vorgehabt“. Reynders war dabei nicht ins Detail gegangen.

Abdeslam soll einer der Hauptverantwortlichen der Pariser Anschläge vom vergangenen November sein; dabei wurden 130 Menschen getötet und rund 350 verletzt. Polizisten hatten ihn am Freitag nach einer mehrmonatigen Flucht in der Brüsseler Gemeinde Molenbeek gefasst. Die Kommune gilt als Islamistenhochburg.

Van Leeuw und der französische Anti-Terror-Staatsanwalt François Molins sagten bei einer Pressekonferenz in Brüssel, sie informierten nur zurückhaltend über die Ermittlungen, denn es würden noch Verdächtige gesucht.

Gefahndet wird unter anderem nach dem 24 Jahre alten Najim Laachraoui, der gut zwei Monate vor den Pariser Attentaten mit Abdeslam und einem weiteren Verdächtigen in Ungarn gewesen sein soll. Er benutzte dabei einen gefälschten belgischen Personalausweis.

Französische Medien berichteten, DNA-Spuren des mutmaßlichen Abdeslam-Komplizen seien auf einem Sprengstoffgürtel gefunden worden, den die Terroristen in Paris benutzten. Demnach verdächtigen die Ermittler Laachraoui, am Abend der Anschläge von Belgien aus Kontakt zu den Attentätern gehalten zu haben.

Auf die Frage nach möglichen weiteren Anschlagplänen Abdeslams sagte Van Leeuw, es sei beunruhigend, schwerbewaffnete Männer gefunden zu haben. „Es ist offensichtlich, dass sie nicht hier waren, um ein Picknick zu machen.“ Er spielte auf eine Razzia in der vergangenen Woche in der Brüsseler Gemeinde Forest an, wo Sicherheitskräfte einen mit einer Kalaschnikow bewaffneten Mann getötet hatten. Von Forest aus waren die Ermittler auf die Spur Abdeslams gekommen.

Abdeslam sitzt nun in Belgien in Untersuchungshaft. Der französische Chefermittler Molins machte deutlich, sein Land dringe auf die Auslieferung Abdeslams. Das Verfahren dazu in Belgien kann aber nach früheren Angaben noch Wochen dauern.

Molins wies Vorwürfe des Anwalts von Abdeslam zurück, er habe unerlaubt Vernehmungsdetails ausgeplaudert. Das französische Recht gebe unter bestimmten Bedingungen die Möglichkeit, „objektive Elemente“ herauszugeben. Frankreichs Präsident François Hollande empfing in Paris Vertreter mehrerer Opferverbände im Élyséepalast.

AFP, dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Rentenniveau fällt ohne Reform auf 41,6 Prozent

Rentenniveau auf Talfahrt - tut sich nichts bei der gesetzlichen Rente, sinkt das Sicherungsniveau stark ab. Doch will man es halten, kostet das Milliarden.
Rentenniveau fällt ohne Reform auf 41,6 Prozent

Machtkampf um Spitzenkandidatur bei Linkspartei

Die Chefs der Bundestagsfraktion, Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch, bescheren der Linken einen Streit über die Spitzenkandidatur bei der nächsten Bundestagswahl. …
Machtkampf um Spitzenkandidatur bei Linkspartei

Regierungserklärung im Landtag: „Der Bauch ist voll, das Hirn nicht“

München – In einer Generaldebatte streitet der Landtag über die Ziele der nächsten Jahre. Seehofer verteidigt seine Flüchtlingspolitik energisch. Als die Opposition …
Regierungserklärung im Landtag: „Der Bauch ist voll, das Hirn nicht“

Draghi verteidigt vor Bundestag Nullzinspolitik

EZB-Präsident stellt sich harten Fragen der Bundestags-Abgeordneten. Denn die extrem niedrigen Zinsen stoßen vor allem in Deutschland auf Kritik. Der oberste Notenbanker …
Draghi verteidigt vor Bundestag Nullzinspolitik

Kommentare