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Tristesse in Brüssel: Vergangenes Jahr waren zu den Silvesterfeierlichkeiten rund 100.000 Menschen gekommen. Foto: Olivier Hoslet

Terrorangst belastet Silvesterfeiern in Brüssel

Die belgische Hauptstadt verzichtet wegen Terrorgefahr auf ihr traditionelles Silvesterfeuerwerk. Fahnder nehmen sechs weitere Verdächtige fest.

Brüssel (dpa) - Belgiens Hauptstadt Brüssel hat wegen Terrorgefahr auf ihr traditionelles Silvesterfeuerwerk verzichtet. Auch das Begleitprogramm auf der Festmeile in der Innenstadt fiel aus.

Bürgermeister Yvan Mayeur sagte, in Restaurants, Cafés oder Hotels könne hingegen wie geplant gefeiert werden. Auf den Straßen der Innenstadt herrschte normaler Betrieb, ein massives Aufgebot von Sicherheitskräften wie beim verschärften Terroralarm Ende November war nicht zu sehen.

Ermittler nahmen im Zusammenhang mit Terrordrohungen gegen "symbolträchtige Orte" in Brüssel sechs weitere Verdächtige vorläufig fest. Laut Staatsanwaltschaft gab es Durchsuchungen in mehreren Stadtbezirken und in Sint-Pieters-Leeuw im Umland der Hauptstadt. Drei der Festgenommenen wurden später wieder auf freien Fuß gesetzt, drei Verdächtige blieben vorläufig in Gewahrsam.

Die Behörden hatten bereits vor wenigen Tagen Attentatspläne für die Silvesternacht aufgedeckt und zwei Männer wegen Terrorverdachts festgenommen. Die Verdächtigen im Alter von 27 und 30 Jahren bleiben weiter für einen Monat in Haft, so die Staatsanwaltschaft. Der 30-Jährige gilt als Drahtzieher und soll islamistische Komplizen für Terrorakte angeworben haben.

Die Männer kommen laut Medienberichten aus dem Brüsseler Stadtbezirk Anderlecht und sind Mitglieder des Motorrad-Clubs "Kamikaze Riders", dessen Anhänger in sozialen Netzwerken zum Teil mit antisemitischen Parolen auffielen. Fahnder waren bei Razzien auf Propagandamaterial der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gestoßen. Von einem Zusammenhang mit den Pariser Anschlägen vom November mit 130 Toten gehen die Ermittler nicht aus.

Auch die Polizei in Brüssel gilt als gefährdet. Sie verschärfte die Vorkehrungen zum eigenen Schutz.

Die Absage des Feuerwerks zum Jahreswechsel ist keine Premiere. Bereits 2007 untersagte die Stadt das Spektakel nach Terrorwarnungen. Vergangenes Jahr waren zu den Silvesterfeierlichkeiten rund 100 000 Menschen gekommen.

Premierminister Charles Michel sagte im Sender RTBF, er halte die Entscheidung in der gegenwärtigen "unsicheren Situation" für gerechtfertigt. "Es gibt eine spezielle Unruhe, wenn es um Massenereignisse geht."

Ende November war das öffentliche Leben in Brüssel mehrere Tage zum Erliegen gekommen, weil die Behörden einen unmittelbar bevorstehenden Anschlag fürchteten und zeitweise die höchste Terrorwarnstufe ausriefen. Nun wurde nur die Warnstufe für die Polizeidienststellen sowie Polizisten und Soldaten auf den Straße angehoben. Ansonsten gilt im Land weiter Warnstufe drei von vier, bei der eine Bedrohung als möglich und wahrscheinlich eingestuft wird.

Im Zusammenhang mit den Pariser Terroranschlägen von Mitte November verhängte die belgische Justiz Haftbefehl gegen einen weiteren Verdächtigen. Dem 22-Jährigen werden Teilnahme an einer terroristischen Vereinigung und terroristische Morde vorgeworfen, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Es sei die zehnte Person, die nach den Pariser Attacken in Belgien vorläufig in Haft genommen wurde.

Der Mann mit belgischer Staatsangehörigkeit wurde bei einer Razzia im Brüsseler Stadtbezirk Molenbeek-St. Jean festgenommen. Aus Molenbeek stammt auch der Terrorverdächtige Salah Abdeslam, der an den Pariser Anschlägen beteiligt gewesen sein soll und der als Staatsfeind Nummer Eins gesucht wird.

In Deutschland ist die Sicherheitslage nach Angaben der Behörden unverändert. "Wir müssen weiterhin von einer hohen Gefährdung durch den internationalen Terrorismus ausgehen", sagte eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums.

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