UN-Ermittler

Terrormiliz IS in Syrien trotz Luftangriffen erstarkt

Genf - Amputationen wegen des Rauchens einer Zigarette, Massenmorde, Vergewaltigungen - Hunderttausende seien dem IS-Terror ausgesetzt, beklagen UN-Ermittler. Und die Miliz wird anscheinend mächtiger.

Trotz westlicher Luftangriffe auf die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ist deren Kampfkraft in Syrien nach Einschätzung von Experten größer geworden. „In den letzten Monaten ist das militärische Potenzial der bewaffneten Gruppe gewachsen“, heißt es in einem am Freitag dem UN-Menschenrechtsrat in Genf vorgelegten Bericht der unabhängigen Untersuchungskommission zum Syrienkonflikt. Darin werden zahlreiche Kriegsverbrechen und Verbrechen des IS gegen die Menschlichkeit dokumentiert.

Die Islamistenmiliz stütze sich auf eine „verstärkte Mobilität und Feuerkraft, um Gegner zu überraschen und örtlich ihre Übermacht zu sichern“, heißt es in dem Bericht. Zugleich weist die von den Vereinten Nationen eingesetzte Expertenkommission auf die erhebliche Rolle ausländischer Dschihadisten in Syrien hin: „Ungeachtet der Rekrutierung Tausender Syrer wird die IS-Führungsstruktur weitgehend von ausländischen Kämpfern dominiert.“

Gemeint sind damit weniger westliche Islamisten, als vielmehr hartgesottene Kämpfer aus anderen islamischen Konfliktregionen, darunter Tschetschenien. Der Terrormiliz hätten sich einige der „extremsten und erfahrendsten Personen“ dieser Szene angeschlossen.

Dem menschenverachtenden und brutalen IS-Terror seien in mehreren Provinzen im Nordosten Syriens Hunderttausende Menschen schutzlos ausgesetzt. Die Extremisten vergingen sich ihren Opfern mit Massenmorden und willkürlichen Hinrichtungen sowie Amputationen von Gliedmaßen, Vergewaltigungen, sexueller Versklavung, Folterungen und Vertreibungen.

„Die Brutalitäten und das ganze Ausmaß der Misshandlungen sind darauf ausgerichtet, die absolute Macht dieser Gruppe über das politische und soziale Leben durchzusetzen und die Gemeinden unter ihrer Kontrolle zum Gehorsam zu zwingen“, hieß es. Zu den Methoden gehörten „die Amputation von Gliedmaßen für Vergehen wie das Rauchen einer Zigarette“.

Auch Kinder und Frauen seien von den sunnitischen Extremisten bei öffentlichen Hinrichtungsorgien in Städten und Dörfern in Nordost-Syrien geköpft, erschossen oder gesteinigt worden. Zur Rechtfertigung der Grausamkeiten erkläre die Miliz ihre Opfer zu Ketzern.

Dabei gelte der Grundsatz „Man ist schuldig, solange man nicht seine Unschuld beweisen kann“, berichteten die Ermittler. Sie stützen sich auf Aussagen von mehr als 300 Zeugen, die vor den Islamisten in Nachbarländer geflohen sind oder immer noch im Herrschaftsbereich des IS leben.

Die Untersuchungskommission macht auch darauf aufmerksam, dass bei Angriffen durch Kampfflugzeuge der USA und ihrer Verbündeten auf die IS-Terroristen Unschuldige getötet wurden. Die Milizionäre würden sich oft direkt neben zivilen Einrichtungen verschanzen.

Die Experten appellierten an „Staaten mit Einfluss“, den Waffennachschub und die Finanzierung des IS zu unterbinden. Zudem müssten alle Staaten mit harten Strafen gegen Dschihadisten unter ihren Bürgern vorgehen, die sich den Terroristen als Kämpfer anschließen oder sie anderweitig unterstützen würden.

dpa

Rubriklistenbild: © AFP

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