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"Eine schlanke 42-Jährige mit Kurzhaarfrisur" - so beschrieb der Amerikaner Thomas Meaney Frauke Petry.

Autor verbrachte einige Tage mit ihr

So beschreibt der "New Yorker" den Amerikanern Frauke Petry und die AfD

New York - Das Phänomen "AfD" ist offenbar auch an den USA nicht spurlos vorbeigegangen: Der Autor Thomas Meaney verbrachte einige Tage mit der Vorsitzenden Frauke Petry und berichtet im US-Magazin "The New Yorker" von seinen Eindrücken.

Der Islam ist für sie kein Teil Deutschlands. Auf Flüchtlinge, die versuchen, die deutsche Grenze zu überwinden, soll zur Not geschossen werden. Und unter Gegnern ist sie mittlerweile auch unter den Namen "Adolfina" oder "Die Führerin" bekannt: Hierzulande hat sich die AfD-Vorsitzende Frauke Petry mit ihren extremen Forderungen und provokanten Äußerungen schon lange einen fragwürdigen Namen gemacht. 

Doch auch in Übersee scheint es mittlerweile ein gesteigertes Interesse an der Rechtspopulistin und ihrer Partei zu geben: Das anerkannte US-Magazin "The New Yorker"  widmete der Politikerin in der aktuellen Ausgabe einen umfangreichen Hintergrundbericht. In der Story mit dem Titel "The new star of Germany's far right" erklärt der Autor und Historiker Thomas Meaney den Amerikanern das "erfolgreichste Rechts-außen-Phänomen in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg", wofür er Petry auf Vorträgen, Parteiveranstaltungen und sogar beim Schwimmen begleitete; und auch zahlreiche Hintergrundgespräche mit Personen aus ihrem Umfeld führte.

Im April diesen Jahres traf Meaney sie das erste Mal und gewann den zunächst oberflächlichen Eindruck einer 42-Jährigen mit Kurzhaarfrisur und schlankem, athletischem Körperbau. Doch während einer ihrer zahlreichen, öffentlichen Ansprachen fiel ihm sofort auf, dass Petry eine wichtige Eigenschaft besitzen musste: Charisma. 

Denn obwohl er sie nicht gerade als "begnadete Rednerin" erlebte, kamen ihre öffentlichen Auftritte denen eines Superstars gleich - zahlreiche AfD-Fans waren immer wieder eifrig damit beschäftigt, ihre Handy-Kamera zu zücken und ihr Idol in einem möglichst guten Licht zu erwischen.

Was die AfD von anderen Rechtsparteien unterscheidet

Ausgehend von seinen ersten Eindrücken und Gesprächen mit der AfD-Vorsitzenden widmet Meaney sich in seinem Bericht lange der Frage, wie die Partei in so kurzer Zeit einen so rasanten Aufstieg hinlegen konnte.  Schließlich konnten rechte Parteien wie die NPD in Deutschland lange in der Nische gehalten werden. Dazu führte er auch ein persönliches Gespräch mit Petry, die ihm eine simple Antwort lieferte: "Wir sind sozusagen Merkels Kinder." Ihrer Meinung nach ist die AfD nur wegen Angela Merkels berühmtestem Satz ihrer bisherigen Karriere - im August 2015 sagte die Kanzlerin "Wir schaffen das", woraufhin bis heute 1,1 Millionen Flüchtlinge nach Deutschland einreisen durften - so populär geworden.

Meaney erkennt allerdings noch einen weiteren Grund: Er glaubt, dass die AfD ein entscheidendes Gegenwicht zu jenen "Ex-Nazis" und "Skinheads in Lederjacken" der 80er und 90er Jahre bildet - vor allem in Form von Frauke Petry: Die frühere Geschäftsfrau, studierte Chemikerin und vierfache Mutter verkörpert für ihn eine "entwaffnende" Frau, die sich lieber auf ökonomische Studien beruft, als das Leben gewöhnlicher Menschen zu diskutieren.

"Gemäßigtes" Deutschland 

Obwohl der aktuelle deutsche Rechtsruck offenbar auch jenseits des Atlantik bemerkt wurde, schätzt Meaney die politische Situation in Deutschland im Vergleich zum völlig skurrilen, teilweise ausartenden Machtkampf, den die beiden Präsidentschaftskandidaten Donald Trump und Hillary Clinton aktuell austragen, als einigermaßen "gemäßigt" ein. 

Und auch wenn Meaney Petrys Stil klar von Trumps irrwitziger Linie abgrenzt, sind dem amerikanischen Journalisten tatsächlich einige Gemeinsamkeiten zwischen den beiden aufgefallen: Beide seien sie erst spät in die Politik gekommen und zögen aus ihrem Außenseiter-Status ihre Vorteile. Außerdem schrecke auch Petry nicht vor öffentlichen Provokationen zurück und würde genau wie Trump rechte Verschwörungstheorien in Umlauf bringen, um ein deutsches Zusammengehörigkeitsgefühl zu beschwören. Des weiteren habe sie sich - genau wie der republikanische Spitzenkandidat - mit enormer medialer Präsenz und immer neuen Skandalen mittlerweile einen zwar fraglichen, aber trotzdem hohen Bekanntheitsgrad erstritten: „Das geht so weit, dass man es einem Besucher, der in Deutschland Radio hört oder Zeitung liest, nicht übelnehmen kann, wenn er denkt, dass die AfD die Partei an der Macht ist", schreibt Meaney. 

Die europäische Entwicklung beunruhigt den Amerikaner

Außerdem stellt er auch in anderen europäischen Ländern ein Erstarken der rechten Ränder fest: In Ungarn und Polen sind populistische Parteien beispielsweise sogar an der Regierung. Trotzdem alarmiert ihn die Rechtsaußen-Bewegung in Deutschland besonders: Einerseits wegen der dunklen Vergangenheit dieses Landes, andererseits auch wegen seiner dominanten Stellung in Europa. Er zitiert dazu einen österreichischen Politiker der FPÖ, der erst kürzlich sagte: "Ich hoffe, dass die zukünftige Kanzlerin Petry heißt." Auch wenn Meaney weiß, dass man von einer solchen Zukunft hierzulande noch weit entfernt ist, so bewertet er die AfD doch als erfolgreichste rechtspopulistische Bewegung seit dem Zweiten Weltkrieg. 

Die zerrissene Partei

In Gesprächen mit dem deutschen Politik-Experten Hajo Funke ergründet er allerdings auch das ihrer Analyse nach größte Problem der AfD, das die Partei bis zum Schluss vor seinem größten Durchbruch hindern könnte: Demnach ist die Partei innerlich gespalten, weil es auf der einen Seite eher moderate Parteimitglieder gibt, die die AfD vor allem aus Protest wählen, zum anderen aber auch die Hardcore-AfDler, die das extreme Parteiprogramm mehr als ernst nehmen. Petry sollte eigentlich als Bindeglied zwischen den beiden Fronten agieren - doch das kostet sie nicht nur Glaubwürdigkeit, sondern schafft auch parteiinterne Schwierigkeiten. Jene unterschwelligen Probleme konnten bis heute nicht gänzlich aus der Welt geschafft werden.

Damit bleibt jenes schiefe Bild der AfD bestehen -  das Bild einer innerlich zerrissenen Partei, die das genaue Gegenteil dessen präsentiert, wofür sie immer und immer wieder einsteht: eine Einheit.

Meaneys umfangreiche Bestandsaufnahme von Frauke Petry und der AfD ist in Form eines elfseitigen Berichts im renommierten US-Magazin "The New Yorker" nachzulesen. 

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Kommentare

F.D.PfiffnerAntwort
(1)(0)

Glauben Sie mir, es gibt mehr davon, als Sie vielleicht zu hoffen wagen und viele, viele, die jetzt aus Angst ihre Meinung nicht kund tu....., bei den "Kreuzchen" wird sich das ändern, da wird`s anonym MASSIGER werden.

IlikeAntwort
(0)(0)

ja, das ist es. Ich finde sie ganz persönlich unausstehlich.

AAFForeverAntwort
(0)(0)

Schleich Dich endlich, mach Dich vom Acker!