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Das US-Magazin "Time" kürt Kanzlerin Merkel zur "Persönlichkeit des Jahres". US-Präsidentschaftskandidat giftet bei Twitter postwendend gegen Merkel.

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"Person des Jahres": Donald Trump giftet gegen Kanzlerin Merkel

New York - Das US-Magazin "Time" kürt Kanzlerin Merkel zur "Persönlichkeit des Jahres". US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump giftet bei Twitter postwendend gegen Merkel.

Die Reihe der US-Politiker, die vom republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump ihre Fett abbekamen ist lang. Zur Abwechslung hat es nun die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel erwischt. Und gleich mit einer vollen Breitseite via Twitter. Nachdem das "Time"-Magazin Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zur "Persönlichkeit des Jahres" kürte, reagierte Trump umgehend auf seinem Account "@realDonaldTrump".  Ich habe Euch doch gesagt, dass das 'Time Magazine' mich niemals zur 'Persönlichkeit des Jahres' wählen würde, obwohl ich der große Favorit war. Sie haben sich für die Person entschieden, die Deutschland ruiniert." Autsch! Hierzu sollte man noch wissen: Einige US-Medien hatten spekuliert, dass sich "Time" für Trump entscheiden könnte, da der US-Milliardär in 2015 für jede Menge Schlagzeilen sorgte - und vielleicht sogar aus dem Nichts der nächste Bewohner im Weißen Haus werden könnte. 

Dass Donald Trump wenig bis nichts von der Haltung der Kanzlerin in der Flüchtlingskrise  In einem Interview des US-Senders CBS sagte er im Oktober voraus, dass die Aufnahme Hunderttausender Menschen aus anderen Ländern zu Aufständen in Deutschland führen werde. „Ich habe immer gedacht, dass Angela Merkel diese große Führungsperson ist“, erklärte Trump. Was sie nun in Deutschland getan habe, „ist verrückt. Es ist verrückt.“

Trump, der in Umfragen das Rennen der republikanischen Präsidentschaftskandidaten anführt, steht in der Flüchtlingsfrage für einen komplett anderen Kurs als Kanzlerin Merkel. Er hat angekündigt, dass er im Fall eines Sieges bei der Wahl im November 2016 syrische Flüchtlinge in den USA in ihre Heimat zurückschicken werde. Auch die schätzungsweise elf Millionen illegalen Einwanderer in den USA will er abschieben und eine Mauer an der Grenze zu Mexiko bauen lassen, mit Toren, durch die „Gute“ dann eines Tages zurückkehren könnten.

"Time" kürt Merkel zur "Persönlichkeit des Jahres 2015"

Das US-Magazin "Time" hat Merkel wegen ihrer Rolle als unverzichtbare Krisenmanagerin in der Europäischen Union zur "Persönlichkeit des Jahres" gekürt. Im griechischen Schuldendrama und beim Umgang mit dem historischen Flüchtlingsandrang habe Merkel Führungsstärke bewiesen, begründete "Time" am Mittwoch die Wahl. Auf seiner Titelseite bezeichnete das Magazin Merkel als "Kanzlerin der freien Welt". US-Präsident Barack Obama hat Angela Merkel auf Deutsch gratuliert.

"Man kann ihr zustimmen oder auch nicht. Aber sie geht nicht den einfachen Weg", schrieb Chefredakteurin Nancy Gibbs. "Dafür, dass sie ihrem Land mehr abverlangt, als es die meisten Politiker wagen würden, für ihren Einsatz gegen Tyrannei und Opportunismus und für ihre standhafte moralische Führung in einer Welt, in der es an einer solchen mangelt, kürt 'Time' Angela Merkel zur Persönlichkeit des Jahres."

Merkel habe in den vergangenen Jahren bereits eine entscheidende Rolle in der Griechenlandkrise gespielt und mit den diplomatischen Bemühungen im Ukraine-Konflikt an internationaler Statur gewonnen. In diesem Jahr sei die Kanzlerin aber endgültig zu "Europas mächtigster Anführerin" geworden. Die Eskalation der Schuldenkrise habe die Existenz der Eurozone bedroht, die Flüchtlingskrise das Modell der offenen Grenzen in Frage gestellt. "Jedes Mal hat Merkel eingegriffen", schrieb Gibbs.

Die "Time"-Chefredakteurin würdigte auch die Entscheidung von Merkels Regierung, nach den Anschlägen von Paris deutsche Soldaten am Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) zu beteiligen. "Deutschland hat die letzten 70 Jahre damit verbracht, Gegenmittel zu seiner giftigen Vergangenheit aus Nationalismus, Militarismus und Völkermord zu testen. Merkel vertritt eine andere Werteordnung - Menschlichkeit, Großzügigkeit, Toleranz - um zu zeigen, wie Deutschlands große Stärke genutzt werden könnte, um zu retten anstatt zu zerstören."

Regierungssprecher Steffen Seibert sagte zu der Auszeichnung am Mittwoch in Berlin, er sei "sicher, die Bundeskanzlerin empfindet das als Ansporn für ihre politische Arbeit für eine gute Zukunft für Deutschland wie auch für Europa".

Brandt, Adenauer und Hitler waren "Person des Jahres" 

Das US-Magazin "Time" kürt seit 1927 die "Persönlichkeit des Jahres" - ganz gleich, ob diese die Welt im Guten oder im Schlechten beeinflusst hat. So rangiert in diesem Jahr der Anführer der IS-Miliz, Abu Bakr al-Baghdadi, gleich hinter Merkel auf dem zweiten Platz. Dahinter folgen der republikanische US-Präsidentschaftsanwärter Donald Trump, die Aktivisten der US-Kampagne Black Lives Matter sowie Irans Präsident Hassan Ruhani.

Merkel ist die dritte Bundeskanzlerin nach Willy Brandt (1970) und Konrad Adenauer (1953), die als "Persönlichkeit des Jahres" auf der "Time"-Titelseite landete. Auch ein vierter Deutscher findet sich auf der Liste: Im Jahr 1938 verlieh das Magazin den Titel an Adolf Hitler.

fro/AFP/dpa

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