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Der Angriff erinnert an den blutigen Überfall auf den tunesischen Badeort Port El Kantaoui bei Sousse im vergangenen Juni.

Insgesamt 21 Tote

Elfenbeinküste-Anschläge: Idendität von deutschem Opfer geklärt

Grand-Bassam - Mindestens 21 Menschen sterben bei Anschlägen auf drei Hotels in der Elfenbeinküste - darunter auch eine Deutsche. Hinter der Tat werden Extremisten einer Splittergruppe der Al-Kaida vermutet. 

Bei den Anschlägen auf drei Hotels in der Elfenbeinküste ist auch eine Deutsche getötet worden. Dies bestätigte Außenminister Frank-Walter Steinmeier am Montag in Berlin. Insgesamt starben bei der Terrorserie in dem westafrikanischen Land am Sonntag mindestens 21 Menschen. Die Anschläge gehen vermutlich auf das Konto der Terrorgruppe Al-Kaida im Islamischen Maghreb (AQMI).

Steinmeier sagte: „Ich muss leider bestätigen, dass beim Anschlag in Côte d'Ivoire (Elfenbeinküste) auch eine deutsche Staatsangehörige ums Leben gekommen ist.“ Zugleich verurteilte er die Tat „auf das Schärfste“. Im Kampf gegen den Terror müsse die internationale Gemeinschaft zusammenhalten.

Bei dem deutschen Opfer handelt es sich um Henrike Grohs. Die Zentrale des deutschsprachigen Kulturinstituts bestätigte am Montag entsprechende Informationen der Deutschen Welle. Grohs hatte das Goethe-Institut in dem westafrikanischen Land seit Dezember 2013 geleitet. Zuvor war die studierte Völkerkundlerin in Südafrika tätig. Mehrere Jahre lang arbeitete die 51-jährige auch in Bildungsprojekten der Berliner Philharmoniker. Grohs Tod sei „sinnlos“, schrieb der Präsident des Goethe-Instituts, Klaus-Dieter Lehmann, auf der Facebook-Seite des Instituts in Johannesburg.

Der ivorische Innenminister Ahmed Bakayoko hatte am Sonntag im lokalen Fernsehsender RTI mitgeteilt, dass unter den Opfern auch Deutsche seien. Das berichtete die Nachrichtenagentur AIP. Insgesamt seien vier Weiße bei dem Attentat mit mindestens 21 Toten ums Leben gekommen. Ein Franzose sei getötet worden, erklärte das Außenministerium in Paris. 

Mehrere bewaffnete Männer hatten am Sonntag in Grand-Bassam, rund 40 Kilometer südöstlich der Wirtschaftsmetropole Abidjan, das Feuer auf Hotelbesucher eröffnet. Eine Splittergruppe der Al-Kaida bekannte sich nach Angaben des französischen Radiosenders RFI zu den Anschlägen.

Bei den Anschlägen wurden nach Angaben der Behörden zwei Soldaten und sechs der Angreifer getötet. Die Identität der Angreifer konnte zunächst jedoch nicht festgestellt werden.

Augenzeuge: Einer der Attentäter sah aus wie ein Dschihadist

„Einer der Attentäter, den ich gesehen habe, war wie ein Dschihadist gekleidet - mit einem langen Gewand und Bart“, sagte der Touristenführer und Augenzeuge Sékou Diarra. Die drei angegriffenen Hotels - „La Paillote“, „Etoile du Sud“ and „Koral Beach“ - seien auch bei westlichen Besuchern beliebt, die sich vor allem an Sonntagen an den Stränden aufhalten, so Diarra.

Die Terrororganisation Al-Kaida im Islamischen Maghreb ist unter anderem in Mali, Marokko, Tunesien und Algerien aktiv.

AQMI verantwortlich für Anschläge

AQMI übernahm auf dem der Miliz nahestehenden Nachrichtenportal Al-Akhbar Verantwortung für die Anschläge. „Dank Allah, dem Allmächtigen, konnten Ritter der Al-Kaida im Islamischen Maghreb in den Urlaubsort einbrechen“, schrieb die sunnitische Terrororganisation, die ihre Ursprünge in Algerien hat. Die Al-Kaida im Islamischen Maghreb ist unter anderem in Mali, Marokko, Tunesien und Algerien aktiv.

Die Regierung der Elfenbeinküste berief für Montag eine Krisensitzung des Kabinetts in Abidjan ein. Sie kündigte eine Verschärfung der Sicherheitsvorkehrungen in dem westafrikanischen Land an.

Leiterin von Goethe-Institut in Abidjan unter Todesopfern in Elfenbeinküste

Unter den Todesopfern des Anschlags in der Elfenbeinküste ist die Leiterin des Goethe-Instituts in dem westafrikanischen Land. "Henrike Grohs, die sich für ein sinnvolles Leben der Menschen mit aller Kraft einsetzte, musste so sinnlos sterben", erklärte der Präsident des Goethe-Instituts, Klaus-Dieter Lehmann, am Montag in München. Die 51-jährige Grohs leitete seit Dezember 2013 das Büro des Goethe-Instituts in Abidjan.

"Wir sind fassungslos, dass Henrike Grohs auf so tragische und grausame Art aus dem Leben gerissen wurde", erklärte der Generalsekretär des Goethe-Instituts, Johannes Ebert. "Sie hat ihre Arbeit geliebt und war voller Ideen und voller Energie, diese Ideen mit ihren Partnern umzusetzen. Unsere Gedanken sind bei ihrer Familie und den Kolleginnen und Kollegen in Abidjan."

AFP/dpa

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