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Luftanschläge in Jemens Hauptstadt Sanaa haben einen Anblick der Zerstörung hinterlassen.

Historische Gebäude zerstört

Tote bei Luftanschlägen auf Weltkulturerbe im Jemen

Sanaa - Im Jemen kämpfen viele Parteien um die Macht. In Genf sollen die wichtigsten unter ihnen einen Frieden aushandeln. Bei Luftschlägen auf Sanaa gibt es neue Tote, historische Gebäude werden zerstört.

Kurz vor den Jemen-Friedensgesprächen in Genf nimmt die von Saudi-Arabien angeführten Militärallianz die Hauptstadt Sanaa unter Beschuss. Wie die Deutsche Presse-Agentur am Freitag von Augenzeugen erfuhr, wurden mindestens sieben Zivilisten getötet und vier Häuser in der Altstadt zerstört, die zum Unesco-Weltkulturerbe gehört. Es war den Angaben nach der erste solche Angriff auf den historischen Stadtteil seit Beginn der Bombardements am 26. März. Auch ein Waffenlager der Huthi-Rebellen wurde laut Anwohnern bombardiert. Zuvor hatte in Sanaa zwei Tage angespannte Ruhe geherrscht.

Im ärmsten Land Arabiens kämpfen schiitische Huthis gegen Anhänger des sunnitischen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi. Der Staatschef war vor einigen Monaten nach Saudi-Arabien geflüchtet. Seit Ende März bombardiert ein von Riad geführtes Bündnis Stellungen der Aufständischen. Nach UN-Angaben sind im Jemenkrieg seit März etwa 2300 Menschen getötet worden.

Hilfsorganisationen appellierten erneut an die Konfliktparteien, die Kämpfe zu beenden. Im Jemen herrsche bereits jetzt eine der weltweit größten humanitären Krisen, erklärte die Entwicklungsorganisation Oxfam am Freitag in einer gemeinsamen Mitteilung mit anderen internationalen Gruppen. 80 Prozent der Bevölkerung seien auf Unterstützung angewiesen, knapp die Hälfte hungere.

Wegen des unsicheren Ausgangs der Friedensgespräche fordern die Helfer, dass zumindest die Versorgungsblockade sofort aufgehoben wird. „In einem Land, das von Importen abhängt, ist die Einfuhrgenehmigung für Güter eine Frage von Leben und Tod“, sagte der CARE-Länderdirektor im Jemen, Daw Mohamed. Allein seit dem Scheitern der letzten Friedensgespräche Ende Mai sind nach Angaben der Hilfsorganisationen 400 Jemeniten getötet worden.

Adam Baron, Analyst des European Council on Foreign Relations, zeigte sich skeptisch, ob die Verhandlungen in der Schweiz zu einem Waffenstillstand führen. „Es gibt viele Wege, wie die Friedensgespräche schief laufen können“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Die verschiedenen Gruppen im Jemen verfolgten eigene Ziele, selbst wenn sie formal auf derselben Seite kämpften. Trotzdem sei das Treffen der Konfliktparteien der größte Schritt Richtung eines Erfolgs, den es bisher gegeben habe, sagte Baron.

dpa

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