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Donald Trump ist zwar in seinen Aussagen weniger bissig geworden, doch mit wahren Fakten kann er trotzdem nicht glänzen, meint unser Reporter Patrick Steinke.

Kommentar: Trumps Argumente bleiben löchrig wie seine Frisur

New York - Vor einigen der einflussreichsten Wirtschaftsmagnaten Amerikas hat Donald Trump jetzt eine Rede über sein ökonomisches Konzept gehalten. Seine Rhetorik ist deutlich sanfter, aber seine Argumentation weiter löchrig. Ein Kommentar von Patrick Steinke.

Als Donald Trump die Bühne des Waldorf Astoria Hotels in New York betritt, ist der Applaus noch verhalten. Sein Publikum wirkt eher skeptisch, als voller Vorfreude ob der bevorstehenden Rede des Republikaners. Zu diesem Zeitpunkt der Wahl ist keine Kehrtwende mehr von dem 70-Jährigen zu erwarten. Aber dass er seine ausufernde Art etwas zügelt, damit schon. Und es sollte sich bewahrheiten.

Er fängt sofort an, seine Erfolge in den Wählerumfragen zu zelebrieren: "Wir führen in so vielen Umfragen - ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll." Und das ist keine Lüge. In fast einem Dutzend Volksbefragungen führt er an diesem Tag vor seiner Rivalin Hillary Clinton. Doch es sollte eine der wenigen, wirklichen Wahrheiten von Trump sein, die er an diesem Abend erzählt.

Die aufgehübschten Arbeitslosen-Zahlen

Ein Beispiel: Trump spricht von "92 Millionen Amerikanern, die keine Beschäftigung haben". Bei einer Arbeitslosenquote von derzeit 4,9 Prozent und einer Einwohnerzahl von rund 324 Millionen sind das aber gerade einmal 15,8 Millionen Arbeitslose.

Wenn man aber jetzt Bevölkerungsgruppen dazuzählt, wie Rentner über 65 Jahre, High-School Schüler, Studenten, arbeitsunfähige Menschen, Vollzeit-Eltern und noch weitere Leute, die außer Stande sind, zu arbeiten - dann würde Trumps Rechnung aufgehen. Er betreibt offenkundig Augenwischerei, um die Ökonomen aus New York zu blenden. Er ist zwar deutlich weniger polemisch, aber mit echten Fakten kann er deswegen trotzdem nicht dienen.

Fords vermeintlicher Mexiko-Umzug

Und so geht es weiter: Der Republikaner rügt, dass der Autohersteller Ford einen Teil seines Betriebes - genauer gesagt den Bereich für die Kleinwagenproduktion wie dem Ford Focus - nach Mexiko verlegen wolle. Das ist grundsätzlich auch richtig. Aber deshalb wird der Betrieb in Dearborn, im Bundesstaat Michigan, keineswegs geschlossen, wie Geschäftsführer Mark Fields jetzt erklärte.

Für die Entscheidung des Autobauers prangert er die Obama-Administration an: "Es ist eine Schande, dass unsere Politiker das erlauben." Auch hier gilt: Er verbreitet keine Lügen, sondern schustert sich die Wahrheit so zurecht, dass sie zu seiner Aussagen passt.

Details: Fehlanzeige

Genaue Details zu seinen Plänen, bleibt er seinem Publikum stets schuldig: Einerseits will er zwar die Kohle- und Stahlindustrie wieder stärken, doch andererseits auch den Markt für erneuerbare Energien zu einem zentralen Thema machen.  

Und natürlich will er auch weiterhin eine Mauer an der mexikanisch-amerikanischen Grenze errichten "und Mexiko wird dafür bezahlen". Dabei hat  Mexikos Präsident bereits betont, dass sein Land keinen Peso dafür locker machen werde. Seine Argumentation bleibt den ganzen Abend über so löchrig, wie seine Föhnfrisur. Doch sein Publikum scheint überzeugt von seiner mitreißenden Rhetorik, die auch ich ihm nicht absprechen kann.

Economic Club zeigt sich beeindruckt

Und so kommt es, wie es kommen musste: Am Ende seines einstündigen Auftritts steht das Publikum auf und applaudiert dem Republikaner. Doch für mich sieht es weniger nach stehenden Ovationen vom Publikum aus, denn nach erlösten Zuhörern, denen nach so vielen Zahlen und Fakten das Sitzfleisch mürbe geworden ist.

Hier können Sie sich den kompletten Auftritt von Donald Trump im Waldorf Astoria Hotel ansehen:

Patrick Steinke

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