Stützpunkte

Kampf gegen IS: Türkei sperrt USA aus

Ankara - Trotz starken internationalen Drucks öffnet die Türkei ihre Luftwaffenstützpunkte vorerst nicht für US-Flugzeuge im Kampf gegen die Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS).

"Es gibt noch keine Entscheidung zu Incirlik", sagte Außenminister Mevlüt Cavusoglu am Montag mit Blick auf die gleichnamige Militärbasis unweit der Grenze zu Syrien. Der IS prahlte derweil, Frauen und Mädchen der Minderheit der Jesiden im Irak versklavt zu haben.

Cavusoglu äußerte sich nach Angaben der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu am Rande eines Besuches in New York. Er wies damit vorherige Angaben aus Washington über eine Einigung zwischen beiden Ländern zurück. Ein ranghoher Vertreter der US-Armee hatte am Sonntag gesagt, die Streitkräfte dürften bei ihren Angriffen auf IS-Stellungen die Luftwaffenbasis Incirlik nutzen. Diese darf bisher von der US-Armee nur für logistische und humanitäre Zwecke genutzt werden, wäre aber der ideale Startpunkt für Luftwaffeneinsätze gegen den IS. Unter anderem liegt Incirlik nur etwa 300 Kilometer von der heftig umkämpften syrischen Kurdenstadt Kobane entfernt.

Die Luftangriffe gegen IS-Stellungen starten bislang nicht von der Türkei, sondern von Stützpunkten in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kuwait und Katar aus. In Jordanien sind ebenfalls seit dem vergangenen Jahr US-Kampfflugzeuge stationiert. Am Montag flogen Kampfjets aus den USA und Saudi-Arabien erneut mehrere Angriffe auf IS-Stellungen in und um Kobane. Die auf Arabisch Ain al-Arab genannte Stadt an der Grenze zur Türkei ist zum Symbol des Kampfs der Kurden gegen die Dschihadisten geworden. Sie wird seit fast einem Monat von den Extremisten belagert.

Die Türkei weigert sich ungeachtet des internationalen Drucks beharrlich, in die Kämpfe einzugreifen. Allerdings gab Cavusoglu in New York bekannt, dass er sich mit Washington auf die Kampfausbildung moderater syrischer Rebellen in der Türkei geeinigt habe. Außerdem solle die Ausrüstung dieser Rebellen verbessert werden. Der türkische Regierungschef Ahmet Davutoglu hatte am Sonntag dazu aufgerufen, die moderate Rebellen in Syrien als "dritte Kraft" aufzubauen, die sowohl gegen den IS als auch gegen Präsident Baschar al-Assad kämpfen soll. Zudem fordert Ankara vor einem größeren Engagement unter anderem Zusagen für die Einrichtung einer Pufferzone und Flugverbotszone entlang der Grenze zu Syrien.

Allerdings sind die moderaten Rebellen untereinander teilweise tief gespalten. Wie am Montag bekannt wurde, scheiterte der wichtigste Oppositionsblock Nationale Koalition am Wochenende in Istanbul bei dem Versuch, sich auf einen Gegen-Regierungschef zur Führung in Damaskus zu einigen.

Der IS prahlte unterdessen in einem Propaganda-Blatt damit, gefangene Frauen und Kinder aus der Minderheit der Jesiden versklavt zu haben. In der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift "Dabik" wird die Ansicht vertreten, die Versklavung von Jesiden sei die "Wiederbelebung" einer islamischen Tradition und lasse sich aus dem islamischen Scharia-Recht herleiten. Bei Gefechten im Irak waren in den vergangenen Monaten zehntausende Jesiden von den Dschihadisten aus ihren Wohnorten vertrieben worden.

"Nach der Gefangennahme wurden die jesidischen Frauen und Kinder gemäß der Scharia unter den Kämpfern des Islamischen Staates aufgeteilt", hieß es in dem "Dabik"-Artikel. Er bezieht sich namentlich auf Vorgänge in der irakischen Jesiden-Hochburg Sindschar. Im Sindschar-Gebirge hatten im August nach UN-Angaben bis zu 30.000 Menschen vor dem IS Zuflucht gesucht, hunderte Frauen und Kinder werden seither vermisst.

AFP

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