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Melanie Huml (CSU) ist seit 2013 Ministerin für Gesundheit und Pflege. Die 40-Jährige kommt aus Bamberg. 

"Nicht mein Wunsch“

Überrumpelt: Ministerin erfährt bei Klausur vom Umzug

München - Politisches Bömbchen aus Quirin: In einer Hauruck-Aktion hat der Ministerpräsident bei der Kabinettsklausur den Umzug des Gesundheitsministeriums nach Nürnberg verfügt. Davon wusste auch die Ministerin im Vorfeld nichts.

Viele staunten: Das Gesundheitsministerium wurde erst 2013 gegründet und 2014 mit salbungsvollen Worten in neue Büros am Ostbahnhof angesiedelt. Nicht kostenlos – aber alles umsonst? Ministerin Melanie Huml wurde vom Vorstoß überrascht. Sie muss den Umzug nun organisieren.

Schauen wir uns mal um. Schickes neues Büro, etwas Grün vor dem Fenster, zentrale Lage – finden Sie’s so hässlich hier?

Melanie Huml: Nein. Ich brauche ein Telefon und einen Computer, der Blick ist mir nicht wichtig. Wir haben aber hier am Haidenauplatz als Ministerium vor zwei Jahren wirklich eine Heimat gefunden.

Also war’s nicht Ihr Wunsch, hier schon wieder wegzuziehen?

Huml: Es war nicht mein Wunsch. Wir haben das Ministerium in München neu aufgebaut, die Mitarbeiter haben sich zusammengefunden, leisten Herausragendes. Das war ein Kraftakt. Der Umzug nach Nürnberg wird jetzt ein zweiter Kraftakt. Ich sehe es auch als Chance: Man traut uns als junges Ministerium zu, das zu bewerkstelligen.

Wann haben Sie vom Umzug erfahren? Vor der Kabinettsklausur?

Huml: Nein, ich habe in St. Quirin davon erfahren. Der Beschluss ist am Samstag gefallen und wurde mittags bekanntgegeben. Vorher gab es nur erste Signale, dass Überlegungen da sind, ein gesamtes Ministerium zu verlagern. Ich habe am Samstag versucht, meine Mitarbeiter dann möglichst schnell per E-Mail zu informieren.

Noch steht hier keine Kiste. Wann ziehen Sie um?

Huml: (lacht) Da stand bis vor kurzem noch die Kiste vom letzten Umzug. Also: 2016 erstellen wir das Konzept. 2017 kommen die ersten Mitarbeiter nach Nürnberg. Auch für uns gilt die Heimatstrategie – und demnach haben wir zehn Jahre Zeit. Ich werde zügig mit umziehen. Eine Kopfstelle des Ministeriums wird aber immer in München bleiben.

Neulich frohlockten Sie noch, wie viele junge Eltern und schwangere Mitarbeiterinnen es in Ihrem Ministerium gebe. Ist es nicht arg unsozial, die alle nach Nürnberg zwangszuversetzen?

Huml: Es gibt keinen Zwang, sondern das Prinzip der Freiwilligkeit. Keiner muss umziehen, keiner wird zwangsversetzt. Und jedem, der nicht mitgehen kann, habe ich Unterstützung zugesagt. Ich würde mich freuen, wenn möglichst viele von unseren mehr als 200 Mitarbeitern mitgehen. Wir brauchen ihr KnowHow. Ich weiß, für manche wird das nicht einfach. Vielleicht ist es für Familien aber auch leichter, in Franken bezahlbaren Wohnraum zu finden als in München. Manche pendeln jetzt schon. Wir werden den Umzug außerdem nutzen, um alle Strukturen zu hinterfragen. Ich will das modernste Ministerium aufbauen, das es in Bayern je gab, mit Telearbeit, Homeoffice, Hightech.

-Und mit Dauer-Pendelei auf der A9...

Huml: Nein. Ich will in Nürnberg ein Gebäude nahe am Bahnhof. Der ICE braucht eine Stunde.

Was kostet den Steuerzahler das Projekt? Wie teuer war das Herrichten der Büros hier in München?

Huml: Wir haben damals verschiedene Beispielrechnungen aufgestellt. Demnach war die Anmietung am Haidenauplatz günstiger als ein Verbleib am Rosenkavalierplatz, zumal wir dort auch weitere Flächen hätten mieten müssen. Den Umbau des Hauses am Haidenauplatz hat damals komplett der Vermieter übernommen. Der reine Umzug ohne Mobiliar hat damals rund 55 000 Euro gekostet.

Kann ein eher kleines Ministerium, das in die zweitgrößte Stadt Bayerns umzieht, einen Mega- Struktureffekt haben?

Huml: Wir wollen bewusst Arbeitsplätze ausgleichen, die in Nürnberg weggefallen sind, etwa bei Siemens. Vielleicht erleben wir auch eine Folgewirkung: Der ein oder andere Verband, der dann nach Nürnberg zieht? Unser Umzug ist eine historische Entscheidung und ein Signal für Franken, dass wir auch dort hochwertige Ministeriums-Arbeitsplätze anbieten.

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