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Mit einer Militärparade feierte die Ukraine den Unabhängigkeitstag.

Kampfansage und Totentrauer

Kiew feiert Unabhängigkeit

Kiew - Mit einer Militärparade feiert Kiew die Trennung von Moskau 1991. Die Separatisten provozieren die ukrainische Regierung unterdessen mit dem Zurschaustellen von Gefangenen. Präsident Poroschenko kündigt nach einem Treffen mit Kanzlerin Merkel eine massive Aufrüstung an.

Dröhnend und martialisch rollt Kriegsgerät durch das festlich geschmückte Kiew, während sich die ukrainische Armee im Osten Gefechte mit Separatisten liefert. „Ruhm der Ukraine“, rufen Zehntausende auf der Prachtstraße Kreschtschatik an diesem sonnigen Augusttag. Mit einer Militärparade feiert die krisengeschüttelte Ex-Sowjetrepublik den 23. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit von Moskau. Die Kampfansage an die prorussischen Aufständischen ist unübersehbar.

Es ist ein hochemotionales Gedenken: Am Unabhängigkeitsplatz (Maidan) legt Präsident Petro Poroschenko am Sonntg einen Kranz für 100 Opfer nieder, die hier im Winter bei proeuropäischen Protesten ihr Leben ließen. In einer kurzen Rede dankt der Staatschef ausdrücklich den Partnern im Westen - besonders Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dürfte gemeint sein, die am Samstag demonstrativ Kiew besucht hatte.

Die Millionenmetropole Kiew scheint an diesem Unabhängigkeitstag fast in einem Meer aus blau-gelben Staatsflaggen zu ertrinken. Erstmals nach fünf Jahren sieht die Hauptstadt wieder eine solche Waffenschau. Rund 1500 Soldaten und Nationalgardisten sowie Zivilschützer sollen die Stärke des Staates zeigen. Doch sechs Monate nach den Protesten auf dem Maidan, dessen Bilder um die Welt gingen, wird der Krieg rund um die Separatistenhochburgen Lugansk und Donezk immer blutiger.

Ukraine feiert Unabhängigkeit - Bilder

Ukraine feiert Unabhängigkeit - Bilder

Ihre Machtlosigkeit im Krisengebiet muss die ukrainische Führung auch am Sonntag spüren. Aufständische führen in einer zynischen „Parade“ Dutzende gefangene Regierungssoldaten durch Donezk. Die gefesselten Männer werden mit Bajonetten bedroht und mit Eiern beworfen. Die Regierung in Kiew protestiert scharf und droht mit Vergeltung.

Ihre Ohnmacht musste sie auch einige Tage zuvor anerkennen, als Russland mehr als 200 Lastwagen mit Lebensmitteln eigenmächtig über die Grenze fahren lässt. „Der Kreml wollte zeigen, dass er nicht nach den Regeln der Ukraine spielt“, sagt der Moskauer Politologe Fjodor Lukjanow.

Dazu passt, dass Panzer, Flugzeuge und Hubschrauber diesmal nicht in Kiew gezeigt werden. Nach zuletzt schweren Verlusten braucht die Armee im Osten jede Technik im Kampf gegen die Separatisten. Stattdessen tanzen im Begleitprogramm der Parade schnauzbärtige Kosaken in Pumphosen vor jungen Frauen in bestickten Blusen mit Blumen im Haar. In den Gewehren der Gardesoldaten stecken kleine Staatsflaggen. Kiews Bürgermeister und Ex-Boxchampion Vitali Klitschko schüttelt viele Hände. „Ukraine erhebe dich, einig und unteilbar“, steht auf Plakaten. „Wüsste man es nicht besser, würde man kaum glauben, dass das hier ein Land im Krieg ist“, sagt Zuschauer Juri.

Doch Poroschenko, der sich an diesem Dienstag in Minsk zu Krisengesprächen mit Kremlchef Wladimir Putin trifft, rechnet nicht mit einer baldigen Wende. Er gibt bei der Parade bekannt, die Armee bis 2017 für rund 2,2 Milliarden Euro drastisch aufzurüsten. „Damit kaufen wir Flugzeuge, Hubschrauber und Kriegsschiffe, und das ist nur ein bescheidener Anfang“, sagte der Präsident. Wer das bezahlen soll, ist unklar. Erst vor kurzem hat das fast bankrotte Land eine Kriegssteuer eingeführt, um zumindest aktuelle Kämpfe zu finanzieren.

In seiner Rede schwört Poroschenko seine Landsleute auch auf einen neuen „Vaterländischen Krieg“ ein, in Anspielung an den verlustreichen Zweiten Weltkrieg. Die Raketenwerfer und gepanzerten Fahrzeuge würden sofort nach der Parade ins Konfliktgebiet gebracht.

Doch in der Ukraine trifft die Waffenschau nicht auf ungeteilte Zustimmung. Dutzende protestieren vor der Generalprobe, auf ihren Plakaten steht „Paraden erst nach dem Sieg“ und „Wir brauchen lebende Soldaten“. Nach offiziell mehr als 2000 Toten in dem monatelangen Konflikt sind viele im zweitgrößten Land Europas auch kriegsmüde.

dpa

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