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Bundeskanzlerin Angela Merkel und Kremlchef Wladimir Putin in Rio.

Konflikt in Donezk

Putin und Merkel sprechen in Rio über Ukraine

Donezk - Die Offensive der ukrainischen Armee im Raum Donezk setzt den Separatisten massiv zu. Vor dem WM-Finale in Rio kamen Kanzlerin Merkel und Kremlchef Putin daher zu einem Gespräch zusammen.

Bei Luftschlägen und schwerem Artilleriebeschuss durch das ukrainische Militär kommen im Konfliktgebiet Donezk und Lugansk immer mehr Menschen zu Tode. Erstmals starb nach Moskauer Behördenangaben am Sonntag auch ein Mann auf russischem Gebiet durch ein Geschoss von ukrainischer Seite. Das russische Außenministerium protestierte gegen die Verletzung seines Territoriums und drohte der Regierung in Kiew mit einer scharfen Reaktion. Das ukrainische Militär wies eine Schuld zurück.

Kremlchef Wladimir Putin dürfte den Zwischenfall bei einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel am Rande des Finales der Fußball-Weltmeisterschaft ansprechen. Bei dem Gespräch soll es vor allem um den Krieg in der Ostukraine gehen.

Die ukrainische Luftwaffe sowie Panzerkolonnen setzten ihre Offensive gegen Separatistenstellungen in Lugansk und Donezk fort. Die offiziellen Militärangaben aus Kiew schwankten stark - zwischen Dutzenden und bis zu 1000 getöteten Aufständischen. Die Zahl der getöteten Soldaten wurde mit sieben angegeben. Behörden in Donezk und Lugansk sprachen außerdem von zahlreichen getöteten Zivilisten. Unabhängige Zahlen gab es nicht.

Es sei viel Kampftechnik der „Terroristen“ zerstört worden, teilte das Verteidigungsministerium in Kiew mit. Allein bei zwei der insgesamt fünf gezielten Luftschläge seien bis zu 40 Separatisten getötet worden, hieß es am Sonntag. Für die übrigen Angriffe nannte das Ministerium zunächst keine Opferzahlen.

Russland warnt vor "unumkehrbaren Folgen"

Der Sprecher der von Kiew geführten „Anti-Terror-Operation“, Wladislaw Selesnjow, hatte am Samstag behauptet, bei den Luftschlägen in den Regionen Donezk und Lugansk seien rund 1000 Separatisten getötet worden, davon allein 500 in Dserschinsk nahe Donezk. Auch andere Militärsprecher wiederholten die Zahl. Die Separatisten wiesen dies als falsch zurück.

Russland protestierte am Wochenende mehrfach gegen den Beschuss seines Staatsgebiets. Ein 45 Jahre alter Mann sei beim Einschlag eines Munitionskörpers am Sonntag in seinem Haus im Gebiet Rostow getötet worden, teilte der Sprecher der Nationalen Ermittlungsbehörde, Wladimir Markin, mit. Zudem sei eine Frau in dem Haus durch die Druckwelle des Geschosses verletzt worden.

Moskaus Vize-Außenminister Grigori Karassin kritisierte im Staatsfernsehen Rossija 24 die neuerliche Grenzverletzung und kündigte eine Antwort an. Die eskalierende Gewalt sei eine „Gefahr für unsere Bürger nun auch auf unserem Territorium. Es ist klar, dass das natürlich nicht ohne Reaktion bleiben wird“, sagte Karassin. Der Vorfall zeige, dass dringend eine neue Waffenruhe sowie die Rückkehr zum Verhandlungstisch nötig seien.

Das russische Außenamt überreichte dem Geschäftsführer der ukrainischen Botschaft in Moskau eine Protestnote gegen den „Akt der Aggression“. Diese „äußerst gefährliche Eskalation der Spannungen an der russisch-ukrainischen Grenze“ könne „unumkehrbare Folgen“ haben, für die Kiew die Verantwortung trage. Russland hatte damit gedroht, zum Schutz seiner Bürger notfalls sein Militär in der Ukraine einmarschieren zu lassen.

Zentrum des Blutvergießens ist weiter Donezk mit seinen Vororten. Die Stadtverwaltung teilte mit, bei Gefechten am Samstag seien in zwei Stadtteilen zwölf Menschen getötet und mehrere verletzt worden. Für den Ortsteil Marjinka wurde die Zahl mit sechs getöteten Zivilisten angegeben, nachdem Separatisten zuvor von 30 Toten gesprochen hatten. Auch in der Großstadt Lugansk seien mindestens sechs Menschen getötet worden, berichteten Medien.

Merkel und Putin besprechen Ukraine-Konflikt in Rio

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der russische Präsident Wladimir Putin haben am Sonntag in Rio de Janeiro über die Lage in der Ostukraine gesprochen. Sie seien sich einig gewesen, dass "möglichst bald direkte Gespräche zwischen der ukrainischen Regierung und den Separatisten in Form einer Videokonferenz aufgenommen werden sollen", teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit. Ferner seien eine wirkungsvolle Kontrolle der ukrainisch-russischen Grenze sowie ein Austausch von Gefangenen wichtige Voraussetzungen für das Ziel einer baldigen beiderseitigen Waffenruhe.

Der Kreml teilte mit, Merkel und Putin seien sich in ihrem Gespräch einig darüber gewesen, dass sich die Lage in der Ukraine verschlechtert habe. Sie hätten in Rio de Janeiro einen "konstruktiven Dialog" fortgesetzt und dabei "detailliert über Möglichkeiten einer Lösung für die Situation in der Ukraine" gesprochen, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow laut der russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti. Das Treffen von Merkel und Putin fand kurz vor dem Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft in Rio statt.

Die Kämpfe in der Ostukraine dauern seit Mitte April an. Die ukrainische Führung will mit dem militärischen Vorgehen verhindern, dass sich die nicht anerkannten „Volksrepubliken“ Donezk und Lugansk komplett von der Ukraine abspalten. Die russisch geprägte Region Donbass erkennt die proeuropäische Führung in Kiew nicht an.

Russische Behörden berichteten von einer „humanitären Katastrophe“ auf ihrem Staatsgebiet. Mehr als 22 000 Flüchtlinge hielten sich demnach am Sonntag in den insgesamt 321 eingerichteten Übergangslagern auf, wie das Zivilschutzministerium mitteilte. Die Gesamtzahl der aus der Ostukraine Übergesiedelten liegt nach Angaben der russischen Migrationsbehörde bei rund einer halben Million Menschen. Eine unabhängige Bestätigung dafür gab es nicht.

Auch die ukrainischen Behörden berichten von einer zunehmenden Zahl an Binnenflüchtlingen. Zehntausende suchten sich innerhalb der Ukraine eine neue Bleibe. Die aus dem Kriegsgebiet geflüchteten Menschen kommen bisher mehrheitlich bei ihren Verwandten, Bekannten und bei Freiwilligen unter.

dpa/AFP

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