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Soldaten der ukrainischen Marine patrouillieren im Schwarzmeerhafen von Odessa.

Kiew will Unfallursache kennen

Ukrainische Armee erobert MH17-Absturzumfeld

Donezk - Die ukrainische Armee ist bei ihrer Offensive im Osten des Landes am Montag bis in das Absturzgebiet des malaysischen Passagierflugzeugs MH17 vorgedrungen.

Die ukrainische Armee hat am Montag einen Teil des MH17-Absturzgebiets unter ihre Kontrolle gebracht und damit den Zugang zum Ort der Tragödie weiter erschwert. Das ukrainische Militär drang nach eigenen Angaben in mehrere Städte ein und sprach von anhaltenden Kämpfen mit den prorussischen Separatisten. Unterdessen rückten Wirtschaftssanktionen gegen Russland näher, dem eine Destabilisierung der Ostukraine vorgeworfen wird.

Update, 17. September: Ein Unbekannter bietet offenbar 30 Millionen Dollar für Hinweise auf die Drahtzieher des Flugzeugabschusses über der Ukraine.

"Die Ukrainer haben Teile des Absturzorts unter ihre Kontrolle gebracht", sagte der Vizeregierungschef der selbstproklamierten "Volksrepublik Donezk", Wladimir Antjufejew. Er warf der Führung in Kiew vor, das Gebiet rund um den Absturzort trotz geplanter Besuche internationaler Ermittler angegriffen zu haben. Die Armee "zerstört Teile des Gebiets", wo noch Fragmente der Maschine lägen. An dem Absturzort werden auch noch die sterblichen Überreste von einigen der insgesamt 298 Todesopfer vermutet.

Der Pressedienst der ukrainischen Militäroffensive hatte zuvor erklärt, die Truppen seien in die Städte Schachtarsk und Tores eingedrungen. Auch um die Ortschaften Perwomaysk und Snischne gebe es Kämpfe mit dem Ziel der "vollkommenen Befreiung". Die strategische Anhöhe von Sawur Mogyla sei wieder in den Händen der Armee. Die Präsidentschaft erklärte, von dem Ort aus hätten "Terroristen" wiederholt auf ukrainische Soldaten geschossen.

Explosionen und Autos voller Kinder auf der Flucht

Ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP in Schachtarsk hörte schweren Artilleriebeschuss in dem Ort und sah ein Fahrzeug davonrasen, auf dessen Scheiben "Kinder" geschrieben stand. Ein Paar verließ die Stadt zu Fuß mit einem Jungen, während die Frau schrie: "Los, lasst uns gehen!"

Internationale Ermittlungsteams aus Australien und den Niederlanden zogen sich aus Sicherheitsgründen wieder in Richtung Donezk unweit der Absturzstelle zurück, wie die Regierung in Den Haag mitteilte. "Es waren Explosionen zu hören, und sie wurden von Anwohnern gewarnt", sagte eine Sprecherin des Justizministeriums. Erst am Montagmorgen hatten die Teams einen neuen Versuch unternommen, zu der Absturzstelle vorzudringen. Bereits am Sonntag hatten die Ermittler eine geplante Besichtigung des Unglücksorts wegen anhaltender Gefechte aus Sicherheitsgründen abgesagt.

Die malaysische Passagiermaschine mit der Flugnummer MH17 war mit 298 Menschen an Bord am 17. Juli über der Ostukraine abgestürzt. Seitdem werfen sich Kiew und die Separatisten gegenseitig vor, die Maschine abgeschossen zu haben. Die UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay erklärte dazu, dieser "Verstoß gegen internationales Recht könnte unter den derzeitigen Umständen einem Kriegsverbrechen gleichkommen". Es werde alles unternommen, um die Verantwortlichen für den Absturz der Passagiermaschine vor Gericht zu bringen.

Kiew: Druckabfall war Absturzursache

Kiew erklärte, dass der Absturz der Maschine durch einen massiven Druckabfall nach einem Raketenbeschuss verursacht worden sei. Die Auswertung der Flugschreiber durch internationale Ermittler habe ergeben, dass das Flugzeug von mehreren Raketensplittern getroffen worden sei, teilte ein Sprecher des ukrainischen Rats für Sicherheit und Verteidigung in Kiew mit. Das Niederländische Untersuchungsbüro für Sicherheit (OVV), das die internationalen Untersuchungen zum Absturz von Flug MH17 leitet, wollte die Angaben weder bestätigen noch dementieren.

Die Bundesregierung erwartete unterdessen wegen der fortdauernden Eskalation in der Ukraine eine rasche Entscheidung der EU zu weitergehenden Strafmaßnahmen gegen Russland. In Brüssel berieten am Montag die ständigen Vertreter der EU-Staaten über schärfere Sanktionen gegen Moskau. Diese zielen nach Angaben aus Diplomatenkreisen unter anderem auf Rüstungsgeschäfte und russische Banken. Im Gespräch sind zudem Exportbeschränkungen für bestimmte Technologien für den Energiebereich sowie für Güter, die sich zu militärischen und zivilen Zwecken nutzen lassen. Die Bundesregierung und die anderen EU-Staaten seien entschlossen, die Beratungen in Brüssel bis Dienstag abzuschließen, hieß es in Berlin.

AFP

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