+
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon in einem Tunnel auf der israelischen Seite des Gazastreifens.

Ban Ki Moon

UN-Generalsekretär besichtigt Gazastreifen

Gaza-Stadt - UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat sich am Dienstag ein Bild von dem Ausmaß der Zerstörung im Gazastreifen gemacht:

Bei einem mehrstündigen Besuch in dem Palästinensergebiet besuchte Ban einen Vorort der Stadt Gaza, Schedschaija, sowie das Flüchtlingslager Dschabalija. Beide Wohngebiete hatten im Krieg zwischen Israel und radikalislamischen Palästinensermilizen besonders gelitten. Zugleich trafen im Gazastreifen die ersten Lastwagen mit Baumaterial ein.

Es ist der erste Besuch des UN-Generalsekretärs im Gazastreifen seit Februar 2012. Ban hatte am Sonntag bei einer internationalen Wiederaufbaukonferenz in Kairo angekündigt, er wolle "den Einwohnern von Gaza direkt persönlich zuhören". Nach den Worten des Sprechers des UN-Hilfswerks für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA), Christopher Gunness, wollte Ban "auch den Kummer der örtlichen UN-Mitarbeiter teilen". Die UNRWA betreibt im Gazastreifen Flüchtlingscamps und viele Schulen. Elf ihrer 13.000 Beschäftigten wurden während der israelischen Bombenangriffe getötet.

In Dschabalija besichtigte Ban auch eine UNRWA-Schule, in der im Juli Artilleriegranaten in zwei Klassenräume eingeschlagen waren und 14 dort untergebrachte Flüchtlinge getötet hatten. Er forderte eine unabhängige Untersuchung des Beschusses. Dieser sei "völlig unannehmbar".

Ban nennt Zerstörungen "unbeschreiblich"

Nach einer Unterredung mit Mitgliedern der palästinensischen Einheitsregierung sagte Ban der Presse, die Zerstörungen seien "unbeschreiblich": "Sie sind weit schlimmer als die Kriegsschäden, die ich 2009 zu Gesicht bekam, fuhr er unter Anspielung auf die damalige israelische Militäroffensive "Gegossenes Blei" fort. Erneut forderte er ein Ende der palästinensischen Raketenangriffe auf Israel sowie die sofortige Wiederaufnahme der Friedensgespräche zwischen Israel und Palästinensern. Nur so sei ein Ende der Gewalt möglich.

Ban bezeichnete es als "sehr ermutigend, dass in Kairo dank der internationalen Spendenbereitschaft 4,3 Milliarden Euro zugesagt wurden", von denen die Hälfte direkt für den Wiederaufbau des Gazastreifens bestimmt ist. Der Einsatz der Hilfsgüter und Baumaterialien wird gemeinsam von UN-Beobachtern und der Palästinensischen Autonomiebehörde beaufsichtigt.

Ban teilte zudem mit, dass parallel zu seinem Besuch die ersten Lieferungen von Baumaterial seit Vereinbarung der Waffenruhe Ende August eintrafen. Die zuständige Zivilverwaltung des israelischen Verteidigungsministeriums bestätigte, dass am Dienstag 60 Lastwagen den Kontrollpunkt Kerem Schalom passierten. Sie transportierten demnach 600 Tonnen Zement, 50 Tonnen Betonzuschlag und zehn Tonnen Stahlbewehrung.

Armut und Gewalt: Das ist der Gazastreifen

Armut und Gewalt: Das ist der Gazastreifen

AFP

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Personenkult“: Scharfer Gegenwind für Merkel

Jena - Wenige Tage vor dem CDU-Parteitag muss sich Angela Merkel heftiger Kritik aus der ostdeutschen Parteibasis erwehren. Am Ende bekommt sie trotzdem Standing …
„Personenkult“: Scharfer Gegenwind für Merkel

Drei Länder - drei Wahlen: Europa vor Rechtsruck?

München - Drei europäische Staaten stehen vor wegweisenden Wahlen. Sowohl in Österreich als auch in Italien und Frankreich könnten Rechtspopulisten vorpreschen. Eine …
Drei Länder - drei Wahlen: Europa vor Rechtsruck?

Kommentar zu Hollande: Der Gescheiterte

Frankreichs Staatschef François Hollande will nicht mehr für eine weitere Amtszeit kandidieren. In seinem Lager sorgt das für Erleichterung - aber auch für große …
Kommentar zu Hollande: Der Gescheiterte

Bayerns Staatsanwaltschaft richtet eine Extremismus-Stelle ein

München - Bayerns Staatsanwaltschaft richtet eine Extremismus-Stelle ein – auch um dem überlasteten Generalbundesanwalt zu helfen. 
Bayerns Staatsanwaltschaft richtet eine Extremismus-Stelle ein

Kommentare