Kobane
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Das Bild zeigt eine Rauchsäule, die über der Grenzstadt Kobane aufsteigt.

Experte: Stadt wird ein Opfer sein

IS-Kämpfer greifen Kobane von drei Seiten an

Berlin - Nach Einschätzung eines US-Experten haben die USA Kobane längst aufgegeben. Die Dschihadistengruppe IS hat ihre Angriffe unterdessen intensiviert und greift die Stadt von drei Seiten aus an.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat ihre Angriffe auf Kobane am Samstag weiter intensiviert und die syrisch-kurdische Grenzstadt von drei Seiten aus in die Zange genommen. Der kurdische Aktivist Farhad al-Schami berichtete der Deutschen Presse-Agentur am Telefon aus der umkämpften Enklave an der Grenze zur Türkei, es gebe heftige Gefechte im Süden, Westen und vor allem im Osten der Stadt. Den nur mit leichten Waffen ausgerüsteten kurdischen Kämpfern sei es gelungen, während der Nacht mindestens sieben Angriffe der Dschihadisten im Südwesten zurückzuschlagen.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte, dass die kurdischen Milizen in Kobane am Samstag offenbar einen Vorstoß der Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) auf das Zentrum der nordsyrischen Stadt gestoppt haben. 90 Minuten sei heftig gekämpft worden, dann hätten sich die Dschihadisten zurückgezogen. Die US-geführte Allianz habe am frühen Morgen überdies zwei IS-Stellungen südlich und östlich von Kobane aus der Luft angegriffen.

Ismat Hassan vom Verteidigungsrat in Kobane sagte der kurdischen Nachrichtenagentur Welati, seine Kämpfer hätten nachts mindestens zwei Selbstmordanschläge von IS-Angreifern in der Nähe des Zentrums vereitelt.

Nach Angaben der syrischen Menschenrechtsbeobachter griff die von den USA geführte Anti-IS-Koalition während der Nacht die Dschihadisten im östlichen und südlichen Bereich von Kobane aus der Luft an.

US-Experte: "Kobane wird ein Opfer sein"

Nach Einschätzung des US-Experten Jackson Janes haben die USA die syrische Grenzstadt Kobane im Kampf gegen die Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) längst aufgegeben. "Kobane wird ein Opfer sein", sagte Janes von der Johns Hopkins University am Samstag dem Sender Deutschlandradio Kultur. Ein Signal dafür sei, dass die von den USA geführte Militärkoalition gegen den IS erst am kommenden Dienstag zu Beratungen über die Krise zusammenkomme.

Selbst ein drohendes Massaker an Zivilisten ähnlich wie in Srebrenica würde nicht dazu führen, dass die USA ihre Strategie änderten und Bodentruppen einsetzten, sagte Janes. In den USA herrsche nach dem Irak-Krieg die Haltung, keine Truppen zu entsenden, solange nicht die unmittelbaren Nachbarn in der Region aktiv werden. Und die Türkei, an deren Grenze Kobane liegt, ist dazu noch nicht bereit. "Das ist ein schwerwiegendes Argument", sagte der Direktor des American Institute for Contemporary German Studies.

US-Experte: "Es ist blamabel, es ist eine Katastrophe"

Nach einer Eroberung von Kobane durch den IS werde es gegenseitige Schuldzuweisungen geben, da die Türkei darauf bestehe, keinen alleinigen Vorstoß zu machen, und Washington zunächst die Kräfte in der Region am Zug sehe. "Wenn selbst die unmittelbaren Nachbarn nicht eingreifen, warum sollten wir das tun?", sei die vorherrschende Meinung in der US-Öffentlichkeit und im Kongress. Ohne Bodentruppen sieht Janes die Grenzstadt verloren: "Selbst eine Supermacht ist nicht in der Lage, so eine Krise zu lösen, ohne den Einsatz von Truppen. Es ist blamabel, es ist eine Katastrophe", aber momentan wohl "eine gegebene Tatsache (...), man nimmt das in Kauf".

Nach mehrwöchiger Belagerung haben die IS-Extremisten am Freitag nach Angaben von Aktivisten das Hauptquartier der kurdischen Milizen erobert und kontrollieren inzwischen 40 Prozent der Stadt direkt an der türkischen Grenze. Der UN-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura, befürchtet ein "Massaker" an den bis zu 10.000 eingekesselten Zivilisten.

IS trotz Truppen und Luftangriffen im Westirak

Nicht nur im Norden Syriens, auch im Westen des Irak trotzt die Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) den Luftangriffen der US-geführten Allianz und setzt die Regierungstruppen unter Druck. Die Lage in der Provinz Anbar sei "gefährlich", sagte ein ranghoher Vertreter des US-Verteidigungsministeriums am Freitag in Washington. Ein zweiter Offizieller kritisierte die irakischen Streitkräfte: "Sie starten einen Einsatz, und nach einem Kilometer stoppen sie wieder", sagte er. "Das ist keine gute Situation."

Seit mehreren Wochen bombardieren die USA und mehrere Verbündete IS-Stellungen im Nord- und Westirak, um den Vormarsch der islamistischen Extremisten zu stoppen. Weitere größere Gebietsgewinne konnten so in der Anbar-Provinz westlich der Hauptstadt Bagdad verhindert werden, auch der strategisch wichtige Staudamm in Haditha und die Stadt Ramadi wurden von den Regierungstruppen gehalten. Allerdings konnten diese auch kaum Positionen vom IS zurückerobern.

Die Lage im Norden des Landes, wo kurdische Peschmerga gegen die sunnitischen Extremisten kämpfen, sei anders, sagten die Pentagon-Vertreter. "Die Kurden kommen voran, sie erobern Städte und Gebiete zurück, und wir können uns mit ihnen abstimmen", sagte einer der Offiziellen. Die kurdischen Kämpfer seien wesentlich besser als die irakischen Regierungstruppen, es gebe "keinen Vergleich" zwischen diesen.

Maas: Mehr als 200 Verfahren gegen IS-Aktivisten in Deutschland

Die Zahl der Ermittlungsverfahren in Deutschland gegen Kämpfer oder Unterstützer der Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) steigt. Es gebe in diesem Zusammenhang mittlerweile Verfahren gegen mehr als 200 Beschuldigte, sagte Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) "Spiegel Online". Im September lag die Zahl der Verfahren demnach noch bei 140.

Jüngsten Forderungen nach einer schnellen Verschärfung des Strafrechts erteilte der Minister aber eine Absage. "Purer Aktionismus stoppt keine Terroristen", warnte Maas. Die Bundesregierung prüfe zwar, ob im Strafrecht sinnvolle Veränderungen vorgenommen werden müssten. Das Problem sei allerdings nicht das deutsche Strafrecht. Die mehr als 200 Fälle zeigten, dass das Strafrecht bereits greife.

Unionspolitiker hatten schärfere Gesetze gefordert, unter anderem um die Rückkehr von Islamisten aus den Reihen des IS nach Deutschland zu erschweren.

AFP/dpa

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