US-Journalist James Foley
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Das Bild aus dem Jahr 2011 zeigt den freien US-Journalisten James Foley an einem Flughafen in Libyen.

Terrorist aus Großbritannien

Enthaupteter US-Journalist: Video wohl echt

Kairo/Washington - Ein Video über eine Enthauptung schockiert Washington. ISIS-Terroristen wollen einen US-Fotografen als Vergeltung für den amerikanischen Militäreinsatz ermordet haben.

Aus Rache für die amerikanischen Luftschläge im Irak hat die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nach eigenen Angaben einen US-Journalisten enthauptet. Die Gruppe veröffentlichte am Dienstag ein Video im Internet, das die Ermordung des Fotografen James Foley zeigen soll. Der britische Außenminister Philip Hammond stufte das Video als echt ein. Die Familie Foleys bestätigte den Tod des Fotografen auf Facebook. Die Terrormiliz hat nach eigenen Angaben noch einen zweiten US-Journalisten in ihrer Gewalt.

Alle Kennzeichen der Terrorbotschaft wirken „authentisch“, sagte der britische Außenminister Hammond am Mittwoch. Britische Geheimdienste fahnden nun nach der Identität des Täters, der mit britischem Akzent gesprochen haben soll. Foley wurde seit November 2012 in Syrien vermisst.  „Auf den ersten Blick scheint es eine britische Person zu sein. Wir werden noch weiter untersuchen müssen, um ganz sicher zu gehen, dass das der Fall ist“, sagte Hammond der BBC.

Enthauptung als Rache für amerikanische Luftangriffe

Das Video sei ein „entsetzliches Beispiel für die Brutalität dieser Organisation“, sagte Hammond. Der Regierung sei seit langem bekannt, dass viele britische Staatsbürger in Syrien und im Irak für extremistische Gruppen kämpften. Großbritanniens Premierminister David Cameron hat deshalb seinen Urlaub abgebrochen und ist nach London zurückgekehrt. Cameron, der mit seiner Familie im Urlaub in Cornwall war, werde sich mit Außenminister Philip Hammond und hochrangigen Regierungsbeamten beraten, teilte der Regierungssitz in der Londoner Downing Street am Mittwoch mit.

IS-Extremisten gaben in dem im Internet veröffentlichten Video an, sie hätten Foley aus Rache für die amerikanischen Luftschläge im Irak enthauptet. Sollte Washington seine Luftschläge nicht einstellen, würden weitere Reporter sterben, drohten sie. Außerdem zeigten sie am Ende des Videos eine weitere Person, die als „amerikanischer Bürger“ vorgestellt wird. Es soll sich um den US-Journalisten Steven Sotloff handeln. Sotloff verschwand im August 2013 in Syrien, Foley wurde seit November 2012 in Syrien vermisst.

Foleys Familie mit bewegende Botschaft

Die Familie des enthaupteten US-Journalisten veröffentlichte nach Bekanntwerden des Videos eine bewegende Botschaft. „Wir waren niemals stolzer auf unseren Sohn“, schrieb die Mutter. Er sei ein außergewöhnlicher Sohn und Journalist gewesen. In dem auf der Facebook-Seite „Find James Foley“ veröffentlichten Schreiben forderte Diane Foley die IS-Kämpfer auf, das Leben weiterer Entführter zu verschonen: „Sie haben keinen Einfluss auf amerikanische Politik im Irak, in Syrien oder irgendwo auf der Welt“.

Von US-Seite wurde die Echtheit des Videos zunächst nicht bestätigt. „Die Geheimdienste arbeiten so schnell wie möglich, um die Authentizität festzustellen“, sagte die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates. „Falls es echt ist, dann sind wir entsetzt über die brutale Ermordung eines unschuldigen amerikanischen Journalisten.“ US-Präsodent Barack Obama wurde noch auf dem Rückflug in den Urlaub an Bord der Air Force One vom stellvertretenden Sicherheitsberater Ben Rhodes über das Video informiert.

Die Bundesregierung hat das veröffentlichte Video mit der angeblichen Enthauptung des US-Journalisten James Foley verurteilt. Die Aufnahme sei "ein abstoßendes Dokument", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch in Berlin. Es zeige, "dass diese Terrororganisation außer Grausamkeit und Fanatismus nichts zu bieten hat". Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sei "erschüttert über das Schicksal" Foleys.

Auch die französische Regierung verurteilte das Vorgehen der Dschihadisten. Regierungssprecher Stéphane Le Foll sprach am Mittwoch von einer "Barbarei, die Angst und Bedrohung ausnutzt". Außenminister Laurent Fabius erklärte, sollte die Echtheit des Videos bestätigt werden, handele es sich um einen "schändlichen Mord", der "das wahre Gesicht" des von den Extremisten ausgerufene "Kalifats der Barbarei" zeige.

US-Luftwaffe setzte ihre Angriffe auf die Terrormiliz fort

Foley galt als renommierter Fotograf, der als freier Journalist für verschiedene Redaktionen arbeitete. Zahlreiche seiner Kollegen äußerten sich in sozialen Medien bestürzt über seinen möglichen Tod. Unterstützer riefen dazu auf, das Video nicht anzuschauen oder zu teilen, um den Terroristen keine Genugtuung zu verschaffen.

Die US-Luftwaffe setzte ihre Angriffe auf die Terrormiliz fort. Auch Dank des US-Einsatzes gelingt es kurdischen Kämpfern und den irakischen Streitkräften die Dschihadisten allmählich zurückzudrängen. Die USA rechnen jedoch nicht mit einem baldigen Ende ihrer Militäroperationen in dem ölreichen arabischen Land.

Nach der Rückeroberung des Staudamms von Mossul begann am Dienstag eine Militäroffensive zur Vertreibung der Dschihadisten aus der Stadt Tikrit. Die Armee meldete wenige Stunden später erste Erfolge.

Obama: Kein Zweifel, dass das US-Militär weiter Einsätze ausführen wird

Irakische Soldaten rückten Sicherheitskreisen zufolge in Begleitung von Kampfhubschraubern nach Tikrit vor und schlugen sunnitische Extremisten in die Flucht. Staatliche Medien meldeten, dass Regierungstruppen das Gebäude der Provinzregierung von Salaheddin zurückeroberten. Auch einige Universitätsgebäude und ein Krankenhaus wurde laut Sicherheitsbehörden unter die Kontrolle der Armee gebracht.

Tikrit liegt rund 170 Kilometer von Bagdad entfernt. Die schwer bewaffneten IS-Kämpfer hatten die Geburtsstadt des früheren Herrschers Saddam Hussein im Juni erobert. Mehrere irakische Versuche, die Stadt zurückzuerobern, waren bisher gescheitert.

Im Norden des Landes werden die Kurden im Kampf gegen den IS von US-Kampfflugzeugen unterstützt. US-Präsident Barack Obama stellt sich auf einen längeren Militäreinsatz ein. „Es wird Zeit brauchen“, sagte Obama am Montag (Ortszeit) in Washington. „Es sollte keinen Zweifel daran geben, dass das Militär der Vereinigten Staaten weiterhin die begrenzten Einsätze ausführen wird, die ich gebilligt habe.“

"Das sind Terroristen. Die werden eine Bedrohung darstellen"

Es gehe weiter darum, die Extremisten zurückzudrängen, um Amerikaner und US-Einrichtungen zu schützen. Zugleich stellte Obama klar: „Wir schicken nicht Tausende US-Truppen zurück auf den (irakischen) Boden.“ Den Vorstoß kurdischer Kämpfer zum strategisch wichtigen Mossul-Staudamm lobte Obama als wichtigen Schritt. Ein Bruch des Staudamms würde Tausende Menschenleben sowie die große US-Botschaft in Bagdad gefährden. Obama drängte den designierten irakischen Ministerpräsidenten Haidar al-Abadi, eine neue Regierung unter Einschluss aller Volksgruppen zu bilden. „Der Wolf steht vor der Tür“, sagte er über den Vormarsch des IS im Irak.

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen sagte dem WDR/NDR-Studio Brüssel: „Das sind Terroristen. Die werden eine Bedrohung darstellen. Und zwar nicht nur für den Irak, sondern für die ganze Welt, wenn wir deren Vormarsch nicht aufhalten.“ Ein Nato-Einsatz im Irak - vergleichbar dem in Afghanistan - stehe aber derzeit nicht zur Debatte.

Das Flüchtlingshilfswerk UNHCR will neue Hilfslieferungen für rund eine halbe Million Menschen in den Nordirak bringen. Ab Mittwoch sollen Lufttransporte sowie Lieferungen über Land und über das Meer aus der Türkei, Dubai und Jordanien in die Krisenregion kommen. Rund 1,2 Millionen Iraker sind seit Anfang 2014 wegen der heftigen Kämpfe in ihrem Land und dem Vormarsch der IS-Miliz auf der Flucht.

dpa

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