Donald Trump liegt im Rennen der Republikanischen Präsidentschaftsbewerber vorne.
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Donald Trump liegt im Rennen der republikanischen Präsidentschaftsbewerber vorne.

Nach seinen Wahlsiegen

Internationale Pressestimmen: "Trump, ein gefährlicher Kandidat"

München - Nach den Erfolgen des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump beim "Super Tuesday" kommentieren viele europäische Zeitungen besorgt die Entwicklung im US-Vorwahlkampf.

Der für die US-Republikaner antretende Geschäftsmann Donald Trump hat am "Super Tuesday" sieben Vorwahlsiege eingefahren und damit seinen Favoritenstatus für die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner untermauert. Der umstrittene Quereinsteiger Trump erhält dabei Unterstützung aus nahezu allen Bevölkerungsgruppen, etwa von Evangelikalen, Geringverdienern und höher Gebildeten.

Der "Super Tuesday" ist ein Meilenstein im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur von Demokraten und Republikanern. Beide Parteien vergaben bei den Abstimmungen bis zu einem Viertel ihrer Delegiertenstimmen für die Nominierungsparteitage im Juli. Trump gewann in den US-Staaten Georgia, Alabama, Massachusetts, Virginia, Tennessee, Vermont und Arkansas.

Europäische Tageszeitungen kommentieren die Entwicklung im US-Vorwahlkampf überwiegend mit Sorge. 

"La Repubblica" (Italien): "Das Unvorstellbare scheint zum Unvermeidbaren zu werden. Vor einem Jahr war Donald Trump noch ein Narr, ein Baulöwe aus New York, der mit einer Perücke absurde Theorien verbreitete. Darauf hat man vergnügt oder entsetzt geschaut, während Trump noch skurrilere Sachen tat und sagte und in den Umfragen weiter aufholte. Aber mit seinen Siegen am Super Tuesday scheint Trump nun unzweifelhaft zum stärksten Kandidaten der Republikaner aufgestiegen zu sein. Und er ist ein gefährlicher Kandidat für die Präsidentschaft. Auch wenn Hillary Clinton ihre Position gefestigt zu haben scheint, ist klar geworden, dass die Unzufriedenheit im Land sehr stark ist. Wenn man bedenkt, dass weder Trump noch der demokratische Kandidat Bernie Sanders bis vor kurzem Kandidat in ihren Parteien waren, versteht man, dass die traditionellen Parteien in einer Krise stecken und die alten Regeln der Politik nun nicht mehr gelten."

"Seine Unberechenbarkeit macht Trump so gefährlich"

"Neue Zürcher Zeitung" (Schweiz): "Ein Präsident Trump aber wäre fatal für Amerika wie für den Rest der Welt. Welche Werte er verkörpert, ist kaum abzuschätzen: Er hat mal den Demokraten, mal den Republikanern angehört, seine Ansichten zum Thema Abtreibung ebenso gewechselt wie zur Frage des Waffenverbots. Seine Unberechenbarkeit macht Trump so gefährlich. Falls er im Wahlkampf den Populisten nicht nur gemimt hat, wäre seine Nominierung Grund zur äussersten Besorgnis: Er will die Familien von Terroristen umbringen lassen, Muslimen die Einreise verwehren, den Freihandel stark einschränken. Auch Amerikas Partner hat er wiederholt diffamiert. Vielleicht würde Trump im Zweikampf um das Weisse Haus auf gemässigtere Positionen zurückrudern. Doch gemessen an den Worten mag man sich kaum ausmalen, wie er Amerikas Innen- und Außenpolitik prägen würde."

"Sme" (Slowakei): "Es ist, wie eines Morgens aufzuwachen und festzustellen, dass der Meteorit, der die Erde zertrümmern kann - aber den die Wissenschaftler als Risiko von eins zu einer Million bagatellisiert hatten -, jetzt tatsächlich unaufhaltsam auf die Erde zusteuert. So eine als unwahrscheinlich geltende Katastrophe ist Donald Trump, der momentan führende Kandidat der Republikanischen Partei für das Amt des Präsidenten der USA.“

"The Independent" (England): "Das Chaos und das Drama des „Super Tuesday“ endete damit, dass Donald Trump und Hillary Clinton ihrem Ziel näherkommen, die Nominierung ihrer Partei zu bekommen. Doch sie haben es nicht geschafft, ihrem politischen Rivalen den vernichtenden Schlag zu versetzen. (...)

Bei den Republikanern hat Ted Cruz seinen Heimatstaat Texas sowie Oklahoma gewonnen, während Senator Marco Rubios Trostpreis in der ansonsten miesen Nacht ein Gewinn in Minnesota war. Ironischerweise dürfte das Ergebnis Trump perfekt passen, weil es bedeutet, dass das Feld seiner Rivalen unberührt und daher die Opposition gegen ihn gespalten bleibt."

"Die Welt hat jeden Grund, den Atem anzuhalten“

"Der Standard" (Österreich): "Die Republikaner ernten nun die giftigen Früchte einer menschen- und vernunftverachtenden Politik. Die Aussichten sind düster: Gegen Trump ist Hillary Clinton die klare Favoritin im November. Durch die tiefe Spaltung der Partei drohen auch bei den Wahlen zum Senat und Repräsentantenhaus herbe Stimmenverluste. Für die Demokraten ist Trump daher ein Glücksfall, aber auch ein Risiko. Denn der autoritäre Milliardär ist ein begnadeter Wahlkämpfer, und die Proteststimmung im Land ist nicht auf die Republikaner beschränkt.

Und sollte am 20. Jänner 2017 tatsächlich Donald Trump als US-Präsident angelobt werden, weiß niemand, wer dann eigentlich am Atomknopf sitzt - ein „Manchurian Candidate“, der nur von seinem Instinkt getrieben wird und weder von Fakten noch von Beratern etwas hält. Die Welt hat jeden Grund, den Atem anzuhalten.“

"de Volkskrant" (Niederlande): "Führer der Republikanischen Partei sind der Verzweiflung nahe. Sie warnen vor einem Bruch, der die Partei für mindestens eine Generation entzweien könnte, und vor einem Kandidaten, der wichtige Wählergruppen - allen voran Frauen und Latinos - beleidigt und der Partei entfremdet. (...) Die Republikaner stehen an einem Scheideweg. Entweder ziehen sie bei Trump den Kürzeren, oder sie rackern sich mit anderen Kandidaten weiter ab. Der Widerwille gegen Trump ist groß, bei einigen sogar größer als die Abneigung gegen Hillary Clinton. Trumps Revolte legt schmerzhafte Stellen bei den Republikanern frei, für die „The Donald“ jedoch keine Heilmittel zu bieten hat. Mit seinem rohen Populismus und dem öffentlichen Flirt mit der Fremdenangst sprengt er nicht nur die Republikaner, sondern bringt die gesamte amerikanische Politik in Misskredit."

"La Montagne" (Frankreich): "Donald Trump zeigt, wie unwohl sich das weiße, ländliche, religiöse, von der Globalisierung verängstigte Amerika fühlt. Der Milliardär hat Fußtritte gegen das System zum Leitfaden seines Programms gemacht (...). Die Panik bei den Republikanern wird vermutlich nicht ausreichen, um die Luft aus dem Phänomen Trump zu lassen. Im November dürften sich Donald Trump und Hillary Clinton gegenüberstehen. Was auch immer passiert: Dieser Wahlkampf wird tiefe Furchen hinterlassen, die sich durch Amerika ziehen."

dpa/AFP

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