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Britische Jets starten in Richtung Irak

Kampf gegen Terrormiliz IS

Britische Jets starten in Richtung Irak

New York - Die Briten steigen in den Kampf gegen die IS-Terrormiliz ein. Aber in der syrischen Kurdenstadt Ain al-Arab bleibt die Lage dramatisch. Peschmerga-Kämpfer trainieren in Bayern für den Kampf gegen den IS.

Voll bewaffnete britische Jets sind erstmals zu einem Kampfeinsatz gegen die IS-Terrormiliz in den Irak geflogen. Einen Tag nach dem Beschluss des Unterhauses für eine militärische Beteiligung am Kampf gegen den Islamischen Staat (IS) waren zwei Maschinen von Zypern aus etwa sieben Stunden in der Luft, teilte das Verteidigungsministerium am Samstag in London mit.

Die Piloten hätten Aufklärungsmaterial mitgebracht, das nun an die irakischen Bodentruppen weitergereicht werden soll. In der Infanterieschule Hammelburg in Bayern begann zugleich die Ausbildung kurdischer Soldaten für den Kampf gegen die grausamen IS-Milizen.

Die Peschmerga-Soldaten würden im Umgang mit der Panzerabwehrrakete des Typs „Milan“ ausgebildet, teilte das Verteidigungsministerium in Berlin mit. Geplant war die Schulung von etwa 30 Kämpfern. Zur Bekämpfung des IS sollen die Kurden im Nordirak aus Deutschland unter anderem 500 dieser Raketen, 16.000 Gewehre und mehrere Millionen Schuss Munition bekommen.

Deutschland will 10.000 Kämpfer ausrüsten. Der Transport der Waffen aus Bundeswehrbeständen in den Nordirak hatte am Donnerstag begonnen. Am Samstag ging eine weitere Lieferung in den Irak.

Die britischen Flugzeuge waren nach offiziellen Angaben ausgerüstet gewesen, um Angriffe zu fliegen, „sobald ein geeignetes Ziel identifiziert“ sei. Dies sei am ersten Tag aber noch nicht der Fall gewesen.

Die kurdische Enklave Ain al-Arab (kurdisch: Kobane) in Syrien wurde erstmals seit dem Vormarsch von Kämpfern des Islamischen Staates (IS) direkt mit Mörsergranaten beschossen. Dabei seien ein Mensch getötet und mehrere verletzt worden, berichtete die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Gleichzeitig griffen Flugzeuge des US-geführten Anti-IS-Bündnisses erstmals Stellungen der Dschihadisten in Dörfern nahe Ain al-Arab an, bestätigte das US-Zentralkommando in Tampa (Florida).

Die kurdische Enklave an der syrisch-türkischen Grenze war vor über einer Woche von IS-Kämpfern umzingelt worden. Bei ihrem Vormarsch hatten die Dschihadisten mehr als 60 Dörfer im Umland eingenommen. Zehntausende Menschen waren nach Norden in die Türkei geflohen. Die Dschihadisten stehen nach Angaben von Augenzeugen bis zu zehn Kilometer vor Ain al-Arab.

An den US-Bombenangriffen auf den IS beteiligen sich auch Frankreich und mehrere arabische Staaten. Die Europäer fliegen ausschließlich Angriffe im Irak, die Araber konzentrieren sich auf Syrien. Nach Angaben der unabhängigen irakischen Nachrichtenseite Al-Sumaria News bombardierte die französische Luftwaffe am Samstag IS-Stellungen im westlich von Bagdad gelegenen Falludscha.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow hatte am Freitag die Einbindung der syrischen Regierung von Machthaber Baschar al-Assad in den Kampf gegen den IS gefordert. Alle Beteiligten „sollten im selben Team spielen“, sagte er in New York. Am Samstag lieferte Russland der irakischen Luftwaffe Kampfhubschrauber des Typs MI-35.

Obama sieht neue Führungsrolle der USA

Durch ihre Vorreiterrolle im Kampf gegen Ebola und die IS-Dschihadisten sieht Präsident Barack Obama die Vereinigten Staaten als unbestrittene Führungsmacht der Welt. "Die US-Führung ist die einzige Konstante in einer unsicheren Welt", sagte er am Samstag in seiner wöchentlichen Radioansprache. "Die Menschen in der Welt blicken auf uns, damit wir führen. Und wir heißen diese Verantwortung willkommen."

Bei seinem Amtsantritt vor knapp sechs Jahren versprach Obama seinen Landsleuten, teure Kriege zu beenden. Aber zu Wochenbeginn starteten die US-Streitkräfte nach Einsätzen im Irak auch Luftangriffe auf Stellungen der Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) in Syrien. Und das Weiße Haus räumt freimütig ein, dass der "Krieg" gegen den IS auch über Obamas zweite Amtszeit fortdauern werde, wenn diese im Januar 2017 endet. "Die USA führen die Welt im Kampf zur Schwächung und letztlich zur Zerstörung der Terrorgruppe" IS, sagte Obama.

Auch mit Blick auf die Ebola-Seuche, der in Westafrika schon rund 3000 Menschen zum Opfer gefallen sind, "führen die USA den Kampf", sagte Obama weiter. "Wir werden weiterhin andere Länder einbinden, um konkrete Zusagen für den Kampf gegen diese Krankheit zu machen." Er versprach, "die globale gesundheitliche Sicherheit dauerhaft zu verbessern".

USA wollen mehr syrische Rebellen ausbilden

Die USA müssen nach Einschätzung ihrer Militärführung mehr moderate syrische Rebellen für den Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ausbilden als bisher geplant. Um die IS-Extremisten aus ihren Hochburgen im Norden und Osten Syriens verdrängen zu können, sei der Einsatz von 12.000 bis 15.000 Oppositionskämpfern notwendig, sagte Generalstabschef Martin Dempsey am Freitag in Washington.

Der US-Kongress hatte in der vergangenen Woche genehmigt, 5000 syrische Kräfte auszubilden und auszurüsten. „5000 waren nie der Endstatus“, sagte Dempsey. Er bekräftigte, dass die laufenden Luftangriffe der USA und ihrer Verbündeten allein nicht ausreichten. „Die Kampagne gegen den IS in Syrien muss eine Komponente am Boden haben. Und wir glauben, dass der Weg dahin über die syrische Opposition läuft.“

US-Luftwaffe weitet Angriffe auf IS-Stellungen in Syrien aus

Die US-Luftwaffe hat in der Nacht zum Samstag erneut Stellungen der Dschihadistenorganisation Islamischer Staat (IS) in Syrien angegriffen. Die Kampfjets seien nahezu ununterbrochen im Einsatz, sagte ein ranghoher Vertreter des US-Verteidigungsministeriums in Washington. Nach Angaben von Aktivisten bombardierten die USA und ihre Verbündeten am Samstag erstmals Ziele in der Provinz Homs.

Washington nannte keine Details zu den Zielen der Angriffe oder den daran beteiligten Staaten. Nach Angaben der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte weitete die US-geführte Militärallianz ihren Kampf gegen den IS auf die zentrale Provinz Homs aus. "Die US-arabische Koalition hat erstmals Stellungen des IS in der östlichen Wüste der Homs-Provinz attackiert", sagte der Chef der in Großbritannien beheimateten Nichtregierungsorganisation, Rami Abdel Rahman.

Auch Ziele in der Provinz Aleppo sowie die Stadt Raka, in der die Extremisten ihr Hauptquartier haben, seien angegriffen worden. Auch rund um die Stadt Tabka, wo IS-Kämpfer einen Luftwaffenstützpunkt besetzt halten, waren demnach Explosionen zu hören.

Großbritannien, Belgien und Dänemark schicken Flugzeuge

Mit Großbritannien, Belgien und Dänemark wollen drei weitere europäische Staaten Kampfflugzeuge gegen die Extremisten im Irak einsetzen. Der IS sei „eine klare und erwiesene Bedrohung für das Leben von Briten“, sagte Premierminister David Cameron am Freitag. Der Militäreinsatz werde „eher Jahre als Monate“ dauern.

Das Unterhaus in London gab der Regierung am Freitag mit 524 zu 43 Stimmen grünes Licht für den Militäreinsatz. Das Mandat schließt den Einsatz von Bodentruppen aus. Ausgeklammert ist ebenso eine Beteiligung an Luftschlägen in Syrien. Verteidigungsminister Michael Fallon betonte, es sei „keine unmittelbare Serie von Angriffen“ zu erwarten. Es gelte zunächst, die sich bewegenden Ziele im Irak zu identifizieren.

Dänemark werde sieben F16-Kampfflugzeuge zur Verfügung stellen, wie Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt am Freitag sagte. Außerdem sollen dänische Soldaten im Irak helfen, Iraker und Kurden zu beraten und für den Kampf auszubilden. Der Einsatz sei zunächst auf ein Jahr begrenzt. Belgien entsendet sechs F-16 für Luftangriffe im Irak. Die Maschinen sollen in Jordanien stationiert werden. Der Einsatz sei auf einen Monat begrenzt, könne verlängert werden, berichtete die Nachrichtenagentur Belga.

Ermittlungen in Frankreich gegen drei Syrien-Rückkehrer

Die französische Justiz hat Ermittlungen gegen drei islamistische Syrien-Rückkehrer eingeleitet. Ein Antiterror-Richter habe die drei Männer der Bildung einer "kriminellen Vereinigung mit dem Ziel der Planung terroristischer Taten" beschuldigt, sagte ihr Anwalt Pierre Dunac am Samstag. Ein Gericht muss noch entscheiden, ob sie in Haft kommen oder zunächst auf freien Fuß gesetzt werden. Die drei mutmaßlichen Dschihadisten stehen dem islamistischen Attentäter Mohamed Merah aus Toulouse nahe. Merah hatte im März 2012 in Südfrankreich sieben Menschen erschossen, bevor er von der Polizei getötet wurde.

Bei der Rückkehr der Verdächtigen war es zu einer schweren Polizeipanne gekommen. Die drei Männer konnten über die Türkei unbehelligt nach Frankreich einreisen, weil die Polizei am falschen Flughafen auf sie wartete. Mit ihren Reisepässen kamen sie in Marseille durch die Sicherheitskontrollen, ohne aufzufallen und festgenommen zu werden. Das Innenministerium kündigte am Mittwoch eine interne Untersuchung an.

Zu den Verdächtigen, die Anfang des Jahres nach Syrien gereist waren, zählt der 29-jährige Ehemann von Mohamed Merahs Schwester Souad, die sich derzeit vermutlich in Algerien aufhält. In Frankreich sind die Sicherheitsbehörden derzeit zu höchster Vorsicht aufgerufen, weil die Dschihadistenorganisation Islamischer Staat (IS) wegen der französischen Luftangriffe auf ihre Stellungen im Irak zum Mord an Franzosen aufgerufen hat. Ein von Islamisten in Algerien entführter Franzose wurde in der vergangenen Woche enthauptet.

Trauer um getöteten Franzosen

Trauer in Frankreich um ermordete Geisel

Irakische Soldaten töten im Kampf gegen IS versehentlich Verbündete

Die irakische Luftwaffe hat bei Bombenangriffen versehentlich Stellungen des Islamischen Staates (IS) mit Stützpunkten einer verbündeten Schiitenmiliz verwechselt. In der Nacht zum Samstag seien acht Kämpfer der vom Schiitenprediger Muktada al-Sadr gegründeten „Friedensbrigade“ getötet worden, teile ein Sicherheitsbeamter der dpa mit. 17 weitere Kämpfer seien verletzt worden.

Die irakische Luftwaffe hatte IS-Stellungen nahe der Stadt Tikrit rund 160 Kilometer nördlich der Hauptstadt Bagdad angreifen wollen. Stattdessen sei irrtümlich ein Stützpunkt der „Friedensbrigade“ in der Ortschaft Al-Audscha getroffen worden. Die Brigade war vom radikalen Prediger Muktada al-Sadr im Juni ins Leben gerufen worden, um Iraker zum freiwilligen Widerstand gegen den Vormarsch der IS-Kämpfer zu motivieren.

Bei einem Gefecht irakischer Bodentruppen mit der IS-Miliz in der Ortschaft Dudschail sind nach Militärangaben am Samstagmorgen zwei Soldaten getötet worden. Acht weitere seien verletzt worden. Dudschail liegt rund 60 Kilometer vor Bagdad.

Nach den Drohungen des IS gegen westliche Länder warnte das Auswärtige Amt vor erhöhten Anschlags- und Entführungsrisiken im Ausland. Für zahlreiche afrikanische, arabische und asiatische Länder, in denen islamistische Terrorgruppen aktiv sind, veröffentlichte das Ministerium einen „dringenden regionalen Sicherheitshinweis“. Darin heißt es, dass westliche Ausländer auch im Ausland Ziel terroristischer Gewaltakte, von Entführungen und kriminellen Übergriffen durch IS-Sympathisanten werden könnten.

Tausende Islamisten aus westlichen Ländern?

Nach Angaben des irakischen Präsidenten Fuad Masum kämpfen in den Reihen der Terrormiliz Tausende Islamisten aus westlichen Ländern. „Der Konflikt zieht Extremisten aus der ganzen Welt an. Neu ist, dass Tausende mit europäischer oder amerikanischer Staatsbürgerschaft dabei sind“, sagte Masum am Freitag vor der Generaldebatte der UN-Vollversammlung in New York, deren Reden auch am dritten Tag in Folge vom Kampf gegen die IS dominiert wurden. Deshalb sei es wichtig, dass sich auch andere Länder an der Abwehr beteiligten. „Diese Unterstützung zeigt unserem Volk, dass wir nicht allein gegen den Terror kämpfen. Es ist ein Kampf zum Schutz der ganzen Welt.“

Iraks Präsident Masum verurteilte die IS. „Sie regieren mit Hass und Rassismus und greifen unschuldige Zivilisten an. Der IS ist eine abscheuliche terroristische Organisation“, sagte Masum. „Vertreibungen, Völkermord, unaussprechliches Leid gegen alle Regeln der Menschlichkeit, das ist ihr Alltag. Sie zerstören Wohnhäuser, Gebäude für die Andacht und historische Monumente. Und diese terroristische Organisation hat großen finanziellen Rückhalt.“

Flüchtlinge erreichen die Türkei: Bilder

Zahl syrischer Flüchtlinge in der Türkei steigt

Russlands Außenminister Sergej Lawrow forderte die Einbindung der syrischen Regierung in den Kampf gegen die IS. Alle Beteiligten „sollten im selben Team spielen“, sagte Lawrow, dessen Rede bei der Generaldebatte für Samstag erwartet wurde, vor Journalisten in New York. „Die syrische Regierung von dem andauernden Kampf auszuschließen (...) verletzt nicht nur internationales Recht, sondern untergräbt auch die Effizienz der Anstrengungen.“

Russland sei nicht Teil einer von den USA angeführten Koalition gegen die IS, sagte Lawrow. Russland kämpfe „ständig“ gegen Terrorismus, nicht nur wenn „jemand eine Koalition ankündigt“.

US-Geheimdienste glauben den maskierten IS-Terroristen identifiziert zu haben, der die beiden Journalisten James Foley und Steven Sotloff in Syrien enthauptet hat. Dazu hätten die Geheimdienste Spracherkennungsprogramme, Aufnahmen sowie Daten westlicher Bürger benutzt, die sich der IS-Terrormiliz angeschlossen haben sollen, berichtete die „New York Times“.

An der Grenze zur Türkei kommen unterdessen immer mehr Flüchtlinge an, die sich vor den IS-Terroristen in Sicherheit bringen wollen.

dpa/AFP

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