Angela Merkel Rostock weinendes Mädchen Asyl Abschiebung
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Kanzlerin Angela Merkel tröstet das weinende Mädchen.

Scharfe Reaktionen im Internet

Video: Knallharte Merkel bringt Flüchtlingskind zum Weinen

Rostock - Ein weinendes Mädchen lässt Kanzlerin Angela Merkel das Schicksal von Flüchtlingen spüren. Das Mädchen spricht über die drohende Abschiebung. Merkel argumentiert knallhart.

Es ist eine Situation, die unangenehmer nicht sein könnte: Bei einem Bürgerdialog schildert das junge Mädchen Reem mit palästinensischer Abstammung, dass sie und ihre Familie möglicherweise abgeschoben werden. Den Bürgerdialog hat Merkel begonnen, um zu erfahren, was den Menschen in Deutschland wichtig ist. In Rostock diskutiert sie mit 32 Schülern zwischen 14 und 17 Jahren. Merkel zeigt Verständnis, verweist aber darauf, dass in Deutschland nicht jeder aufgenommen werden kann. "Das ist manchmal auch hart", sagt sie.

Das Mädchen bricht in Tränen aus

Fehlt der Kanzlerin das nötige Fingerspitzengefühl? Merkel wirkt kühl: Sie sagt, dass es künftig nicht mehr vier Jahre dauern dürfe, bis ein Asylantrag bearbeitet ist. So lange dauert das Verfahren bei Reems Familie inzwischen. In dieser Zeit in Deutschland lernte das Mädchen Deutsch, Englisch und sogar ein bisschen Schwedisch. Sie will studieren. "Es ist wirklich sehr unangenehm zuzusehen, wie andere das Leben genießen können und man selber halt nicht", sagt das Mädchen im Interview. Die Kanzlerin bleibt dabei: "Manche werden zurückgehen müssen." Es vergehen einige Minuten. Da unterbricht sich die Kanzlerin selbst. Denn das Mädchen bricht in Tränen aus.

Merkel ist die Situation sichtlich unangenehm, ihr geht die Sache nahe. „Ach komm“, sagt sie und eilt von ihrem Platz aus zu Reem mit dem Versuch, sie zu trösten. Dabei wirkt Merkel unbeholfen. „Du hast das doch prima gemacht“, sagt sie, was der Moderator mit einer spitzen Bemerkung quittiert. „Ich weiß, dass das eine belastende Situation ist - aber trotzdem möchte ich sie einmal streicheln“, herrscht die Kanzlerin den Mann an. Streicheln. Ein ungewöhnliches Wort für eine Frau, die als eiskalt gilt.

Aber war Merkel wirklich kühl? Die Kanzlerin mag sprachlich zu politisch-professionell reagiert haben, heißt es in Regierungskreisen. Sie hätte Reem aber nichts versprechen dürfen, weil sie niemanden bevorzugen darf, den sie persönlich trifft - während andere leer ausgehen. Sie dürfe sich nicht über Entscheidungen der zuständigen Behörden hinwegsetzen. Das sei nicht mit den Grundsätzen des Rechtsstaates vereinbar. Auch, wenn es schwerer sein mag, in einem solchen Moment kein Versprechen zu machen.

Zahlreiche Reaktionen auf Twitter

Im Internet sorgt das Video für enorm viele Diskussionen.

Unter dem Oberbegriff #merkelstreicheln reagieren zahlreiche Bürger auf Twitter mit heftiger Kritik auf Merkels Verhalten gegenüber einem Flüchtlingsmädchen palästinensischer Abstammung. Es gab aber auch Stimmen, die Merkels Reaktion als professionell bezeichneten.

Wegbegleitern von Merkel fällt erst einmal keine andere Begebenheit ein, in der Kanzlerin in aller Öffentlichkeit so auf den Kummer eines Kindes reagiert hat. Überhaupt meidet Merkel Körperkontakt, sie umarmt selten und klopft nicht oft auf Schultern. Wie leid ihr Reem tat, mag man in ihrem Bedürfnis ablesen, Reem „zu streicheln“. Und Merkel sagt auch, dass die Politiker „Euch in solche Situationen nicht bringen wollen“. „Solche Situationen“ sind wohl die Sorgen um die Zukunft. Und dennoch ist es die Lebenswirklichkeit.

Sehen Sie hier das Video:

Das Video zeigt nur einen Ausschnitt des Gesprächs. Das gesamt Video zeigt die Bundesregierung in ihrer Mediathek.

dor, mit dpa

Sebastian Dorn

Sebastian Dorn

E-Mail:sebastian.dorn@merkur.de

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