+
Ein Vater spielt mit seinem Kind (Archivbild).

Notfalls gegen Willen der Mutter

Volles Sorgerecht für unverheiratete Väter

Berlin - Jedes dritte Kind in Deutschland wird von einer unverheirateten Mutter geboren. Deswegen hat der Bundestag jetzt die Rolle der ledigen Väter gestärkt - denn ohne Trauschein hatten sie bei ihren Kindern bislang wenig zu sagen.

Unverheiratete Väter können künftig das volle Sorgerecht für ihre Kinder ausüben - notfalls auch gegen den Willen der Mutter. Eine entsprechende Gesetzesreform verabschiedete der Bundestag am Donnerstagabend. Ein gemeinsames Sorgerecht mit der Mutter soll den Vätern nur noch dann verwehrt bleiben, wenn dadurch das Wohl des Kindes beeinträchtigt wäre. Diese Neuregelung gilt auch für Altfälle, die seit vielen Jahren die Familiengerichte beschäftigen.

Das Gesetz ist eine Konsequenz aus mehreren Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts und des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte. Darin war die bisherige Begünstigung der Mütter gegenüber unehelichen Vätern beanstandet worden. „Das Kindeswohl steht im Mittelpunkt“, betonte Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarenberger (FDP). Nach ihren Worten wird die Reform auch dem gesellschaftlichen Wandel gerecht. Derzeit wird in Deutschland jedes dritte Kind von einer unverheirateten Mutter zur Welt gebracht.

Familien Mercedes unter Strom

Familien Mercedes unter Strom

Künftig soll zwar mit der Geburt zunächst die Mutter das alleinige Sorgerecht haben, doch der ledige Vater kann beim Familiengericht die Mitsorge beantragen. Äußert sich die Mutter innerhalb einer Sechs-Wochen-Frist zu dem Antrag nicht oder trägt sie lediglich Gründe vor, die nichts mit dem Kindeswohl zu tun haben, wird das gemeinsame Sorgerecht in einem vereinfachten Verfahren gewährt. Es soll dem Vater nur dann versagt bleiben, wenn es nach Ansicht der Richter dem Kindeswohl widerspräche.

Die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Christine Lambrecht, warnte allerdings vor Urteilen nach Aktenlage. Es sei „ein Unding“, dass eine derart weitreichende Entscheidung vom Gericht ohne Anhörung der Eltern getroffen werden solle. Auch Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) wandte sich gegen ein gerichtliches „Schnellverfahren“ ohne Anhörung der Beteiligten. „In einem solchen Verfahren kann ein Gericht nicht wirklich feststellen, was dem Wohl des Kindes am besten entspricht.“

Der Bundesrat kann die Reform zwar verzögern, aber nicht verhindern. Die Neuregelung, auf die sich die schwarz-gelbe Koalition nach langem Ringen verständigt hatte, soll voraussichtlich im Sommer in Kraft treten.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Schwesig ruft Männer zum Kampf gegen Sexismus auf

Familienministerin Schwesig ruft Männer im Kampf gegen Sexismus dazu auf, ihre Stimme zu erheben. Altherrenwitze und eine Reduzierung aufs Geschlecht seien "nicht …
Schwesig ruft Männer zum Kampf gegen Sexismus auf

Nach TV-Duell gegen Trump: Clinton holt in Umfragen auf

Washington - US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton hat nach ihrem starken Auftritt beim ersten TV-Duell gegen ihren Rivalen Donald Trump in Umfragen aufgeholt.
Nach TV-Duell gegen Trump: Clinton holt in Umfragen auf

Papst Franziskus ruft Südkaukasus zu Frieden auf

Der Papst bemüht sich um die Konfliktregion Kaukasus. Bei seiner zweiten Visite innerhalb von drei Monaten verbreitet er eine Friedensbotschaft in Georgien, ehe er nach …
Papst Franziskus ruft Südkaukasus zu Frieden auf

Flüchtlinge: Söder fordert Leistungskürzungen

Berlin - Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) verlangt Leistungskürzungen bei der Versorgung von Flüchtlingen.
Flüchtlinge: Söder fordert Leistungskürzungen

Kommentare