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Am Sonntag hat Hamburg die Wahl: Ein Stimmuzettel zur Bürgerschaftswahl 2015 in Hamburg.

Bürgerschaftswahl am 15. Februar

Wahl 2015 in Hamburg: Kandidaten und Koalitionen im Fokus

Hamburg - Wer tritt bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg am 15. Februar an? Das sind die aussichtsreichsten Kandidaten und die möglichen Koalitionen bei der Wahl in Hamburg.

Bei der letzten Bürgerschaftswahl in Hamburg erlebte die CDU vor vier Jahren eine Katastrophe: Nach zehn Jahren an der Regirung stürzten die Christdemokraten auf 20,9 Prozent der Wählerstimmen ab. Die SPD triumphierte: 48,4 Prozent bedeuteten 62 Sitze im Parlament. Die CDU kam bei der Wahl in Hamburg auf 28 - eine Niederlage, die die Partei am 15. Februar gerne vergessen machen würde. Das dürfte nicht einfach werden, denn Umfragen zufolge dürfte die SPD bei der Wahl in Hamburg am 15. Februar 2015 wieder die Mehrheit der Stimmen holen - wenn wohl auch nicht die absolute Mehrheit. Die Grünen dürfen mit einem zweistelligen Ergebnis rechnen und die Linke will möglichst nah ran an die 10-Prozent-Marke. Die FDP will zurück ins Rampenlicht und die AfD ist auf dem Sprung - sie könnte bei der Wahl am 15. Februar 2015 in Hamburg erstmals in ein westdeutsches Parlament einziehen.

Weitere Daten & Fakten zur Bürgerschaftswahl in Hamburg gibt es in einem Überblick.

Wahl 2015 in Hamburg: Welche Koalitionen könnte es geben?

Hamburg ist das einzige Bundesland, in dem die SPD zurzeit noch alleine regiert - in der nächsten Legislaturperiode könnten die Sozialdemokraten auf einen Koalitionspartner angewiesen sein. Für diesen Fall hat der amtierende Erste Bürgermeister Olaf Scholz bereits Gespräche mit den Grünen angekündigt. Eine klare Absage erteilte er vor der Wahl 2015 in Hamburg dagegen der FDP. In der "Bild am Sonntag" (8. Februar) sagte er zu einer möglichen sozialliberalen Koalition: "Das kann ich mir nicht vorstellen. Ich werbe für eine starke SPD. Falls es nicht reicht, frage ich die Grünen. Und ich halte ein, was ich vor Wahlen verspreche." Auch die CDU ließ Scholz im Interview mit dem "Hamburger Abendblatt" abblitzen - eine Koalition wird es nicht geben: "Dafür spricht nichts, und deshalb wird es sie auch nicht geben." Ebenso schloss Scholz eine Koalition mit den Linken aus. Die Frage nach einer Regierungsbeteiligung der Linken stelle sich gar nicht, sagte er der "Welt". "Das passt nicht."

Linken-Spitzenkandidatin Dora Heyenn gab im Hamburger Abendblatt die Abfuhr für die Wahl 2015 in Hamburg an Scholz zurück: "Wir können einen Bürgermeister Olaf Scholz nicht wählen als Linke, und wir können auf keinen Fall mit ihm koalieren. Er ist Architekt der Agenda 2010, und das ist für uns ein No-Go." 

FDP-Spitzenkandidatin Katja Suding kann sich nach der Wahl 2015 in Hamburg eine Koalition mit der SPD durchaus vorstellen. Im "Hamburger Abendblatt" (6. Februar) sagte sie: "Wir sind gern zu Gesprächen bereit. Wenn es möglich ist, einen Koalitionsvertrag mit deutlich liberaler Handschrift abzuschließen, warum denn nicht?" Das Nein von Scholz zu Koalitionsverhandlungen mit der FDP bezeichneten die Freien Liberalen als taktisches Manöver.

Die Grünen halten sich im Hinblick auf die Wahl 2015 in Hamburg bedeckt, wenn es um die Frage einer möglichen Koalition mit der SPD geht: "Der Bürgermeister hat nicht gesagt, dass er sich eine gemeinsame Regierung vorstellen kann, sondern betont ständig, dass er als erstes mit uns reden will. Und er weiß sehr gut, dass wir viel bewegen wollen und uns ihm nicht an den Hals werfen", sagte Katharina Fegebank im Hamburger Abendblatt. Die Grünen wollen jedenfalls nicht "pflegeleicht" sein.

Wahl 2015 in Hamburg: Die Spitzenkandidaten der sechs aussichtsreichsten Parteien

Als Top-Favorit geht SPD-Kandidat Olaf Scholz bei der Bürgerschaftswahl 2015 in Hamburg  ins Rennen um den Posten des Ersten Bürgermeisters. Ihn und weitere Kandidaten stellen wir nachfolgend vor.

Olaf Scholz (SPD) regiert aktuell in Hamburg Er hält, was er verspricht, verspricht er - und hat damit Beobachtern zufolge den Grundstein für den fulminanten SPD-Wahlsieg 2011 gelegt. Auch bei der Wahl 2015 in Hamburg will der 56 Jahre alte Hamburger Parteichef und SPD-Bundesvize auf diese Weise wieder die meisten Stimmen scheffeln, woran auch kaum jemand zweifelt. Denn anders als die Opposition, die in Scholz teilweise einen Technokraten mit absolutistischen Zügen sieht, mögen die Hamburger ihren Bürgermeister laut Umfragen sehr. Scholz ist seit 1975 in der SPD und machte dort eine steile Karriere. Der studierte Rechtsanwalt war unter anderem Bundestagsabgeordneter, SPD-Generalsekretär und Bundesarbeitsminister. Dann wurde er unter dem Motto „Wer bei mir Führung bestellt, muss wissen, dass er sie dann auch bekommt“ erst Hamburger SPD-Chef und schließlich Bürgermeister. Scholz, geboren in Osnabrück und aufgewachsen in Hamburg, ist mit Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Britta Ernst verheiratet.

Dietrich Wersich (CDU) gilt vor der Wahl 2015 in Hamburg als Hoffnungsträger der Christdemokraten. Der gebürtige 51-jährige Hamburger ist der vierte von fünf Söhnen eines Landwirts, der sich im Stadtteil Lokstedt als Gartenbauer selbstständig gemacht hat. Ehe Wersich vor 18 Jahren in die Politik ging, studierte er in Hamburg Medizin und arbeitete bis 2002 als Arzt am Uniklinikum Eppendorf. Daneben engagierte er sich im kulturellen Bereich. 1995 war er an der Wiedereröffnung des Altonaer Theaters beteiligt und leitete auch den Spielbetrieb der Hamburger Kammerspiele und des Harburger Theaters. 1997 zog er erstmals in die Bürgerschaft ein, 2008 wurde er Sozialsenator in Deutschlands erster schwarz-grünen Koalition auf Landesebene. Seit Wahlniederlage der CDU 2011 ist Wersich Oppositionsführer in der Bürgerschaft. In seiner Freizeit geht der Fraktionschef in den Schweizer Alpen wandern, feuert den HSV an und besucht gerne Theater und Konzerte. Wersich lebt zusammen mit seinem langjährigen Partner in Hamburg.

Jens Kerstan und Katharina Fegebank (Grüne): Vergleichsweise spät kam Jens Kerstan (48) zur Politik: 1998 trat der studierte Volkswirt aus Bergedorf den Grünen bei, nachdem er zuvor schon für den Naturschutzverband GÖP die Elbinsel Neßsand von wuchernden Kiefern und Pappeln befreit hatte. 2002 zog Kerstan in die Hamburger Bürgerschaft ein und wurde 2008, als die erste schwarz-grüne Koalition gebildet wurde, Fraktionsvorsitzender. Ausgleich findet der haushaltspolitische Sprecher heute beim Kochen. Mit Kerstan tritt Katharina Fegebank bei der Wahl 2015 in Hamburg an. Die 37-Jährige hat drei Hobbys, mit denen sie sich rund um die Uhr beschäftigen könnte: Twitter, Schwimmen und Werder Bremen. Familie Fegebank diskutierte gern am Mittagstisch politische Themen und soll die Tochter so inspiriert haben, in die Politik zu gehen. Mit 27 Jahren trat die Politologin in die Partei ein. Vorher lebte sie einige Zeit in den USA und arbeitete an der Uni in Lüneburg als wissenschaftliche Mitarbeiterin. 2008 wurde sie jüngste Parteichefin der Hamburger Grünen. Seit 2011 ist sie Bürgerschaftsabgeordnete.

Dora Heyenn (Die Linke) hätte beinahe schon vor der Wahl 2015 in Hamburg hingeworfen. Als Hamburgs Linke die 65-Jährige mit nur 55,4 Prozent zur Spitzenkandidatin wählten, hätte die Biologie- und Chemielehrerin fast aufgegeben - und der Partei damit ein ernsthaftes Problem beschert. Schließlich war sie es, die die Linke 2008 erstmals in die Bürgerschaft geführt und das Ergebnis 2011 verteidigt hatte. Heyenn gilt zum Frust einiger Hardliner in der Partei als unideologische Politikerin, die auch bei den anderen Fraktionen wohlgelitten ist. Ursprünglich war Heyenn in der SPD, saß zwischen 1990 und 1992 im Kieler Landtag, warf dann aber aus Ärger über Gerhard Schröder 1999 nach fast drei Jahrzehnten das Handtuch. Erst 2005 fand die Bauerstochter von der Insel Fehmarn „in bewusster Opposition zur Agenda 2010“ über die WASG und ihr politisches Leitbild Oskar Lafontaine zurück in die Politik. Heyenn war bis zu dessen Tod 2009 mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten Günther Heyenn verheiratet. Sie ist eine begeisterte Töpferin.

Katja Suding (FDP) sorgte mit einem Plakat für die Wahl 2015 in Hamburg für Verwirrung. Mit dem Slogan "Unser Mann für Hamburg" startete die 39 Jahre alte FDP-Vorsitzende, Fraktionschefin und Spitzenkandidatin in den Wahlkampf. Und auch danach machte die Mutter zweier Söhne erstmal abseits der Politik von sich reden. Die „Tagesschau“ filmte ihre Beine beim Dreikönigstreffen der Liberalen in Stuttgart so ausgiebig ab, dass sich „ARD-aktuell“-Chefredakteur Kai Gniffke hinterher dafür entschuldigen durfte: „Der Beine-Schwenk gehört auf den Index. Tut mir leid, Frau Suding“, bloggte er. Suding hatte die FDP 2008 als Newcomerin völlig überraschend nach sieben Jahren ins Parlament zurückgebracht. Im Anschluss setzte sie sich mit teils harten Bandagen gegen die Ex-Parteivorsitzende Sylvia Canel innerparteilich durch. Geboren wurde Suding im niedersächsischen Vechta, wo sie mit ihren beiden Brüdern aufwuchs. 2012 trennte sich die PR-Beraterin von ihrem Mann, lebt aber weiter in der Nähe der früheren gemeinsamen Wohnung im Westen Hamburgs.

Jörn Kruse (AfD): Der 66-Jährige ist ein Kopfmensch. Als emeritierter Wirtschaftsprofessor, der unter anderem 16 Jahre an der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg lehrte, gehört die Eurokritik zu seinen Schwerpunkten. Im Wahlkampf wollte der gelernte Polizist darüber aber zunächst kaum sprechen, Hamburger Themen sollten im Mittelpunkt stehen - bis Gerüchte aufkamen, die Bundesregierung habe ihre Haltung zu einem möglichen Euro-Aus für Griechenland geändert. Er wolle nicht als Besserwisser dastehen, sagte Kruse daraufhin, aber die AfD habe immer gewusst, dass es für Griechenland besser sei, aus dem Euroraum auszuscheiden. Der gebürtige Eutiner kann aber auch emotional: Im Wahlkampf zeigte er sich als engagierter Redner und - mit Rufen nach einem Kopftuchverbot für Lehrerinnen und Pegida-nahen Parolen über das Abendland - als Kritiker des Islams. Ganz neu ist die Politik für Kruse nicht. Schon von 1969 bis 1993 war er in der SPD, von 2012 bis 2014 engagierte er sich bei den Freien Wählern. Bei der Wahl 2015 in Hamburg könnte er die AfD in das erste westdeutsche Länderparlament führen.

dpa/wes

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