Bundesparteien erörtern Wahlergebnis

Olaf Scholz: Wird ihm Hamburg bald zu klein?

Hamburg/Berlin - Nach der Bürgerschaftswahl in Hamburg beraten die Parteien am Montag über das Ergebnis. Wird Olaf Scholz nach seinem überragenden Wahlergebnis die Hansestadt irgendwann zu klein werden?

Nach der Bürgerschaftswahl in Hamburg beraten die Parteien in der Hansestadt und in Berlin am Montag über das Ergebnis.

Die SPD hat die erste von zwei Landtagswahlen in diesem Jahr klar gewonnen. Nach vier Jahren Alleinregierung braucht Bürgermeister Olaf Scholz aber einen Regierungspartner. Die Grünen als Scholz' erklärter Wunschpartner kündigten noch am Wahlabend harte Koalitionsverhandlungen an. Die CDU fuhr eine historische Wahlniederlage ein. Die FDP behauptete sich in der Bürgerschaft. Dort wird künftig auch die AfD vertreten sein.

Der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, sieht seine Partei insgesamt im Aufwind. „Das Hamburger Ergebnis ist in erster Linie ein großer persönlicher Erfolg von Olaf Scholz, aber damit macht er auch der gesamten SPD Mut“, sagte Oppermann der „Rheinischen Post“ (Montag).

Scholz: Auch im Bund ein Name

Scholz wird am Morgen von Parteichef Sigmar Gabriel in der Berliner Parteizentrale empfangen. Mit seinem erneuten Wahlsieg gewinnt Hamburgs Bürgermeister auf der SPD-Bundesebene an Gewicht. Im Parteivorstand kann niemand sonst zwei derart klare Wahlerfolge vorweisen.

Auch wenn Scholz es nicht schaffte, die absolute Mehrheit zu verteidigen, wurde ihm schon am Wahlabend die Frage nach einer Kanzlerkandidatur gestellt. Und wie schon 2011 antwortete der Ehemann der schleswig-holsteinischen Bildungsministerin Britta Ernst, dass er unbedingt Bürgermeister bleiben wolle: „„Ich habe hier als Bürgermeister kandidiert und das will ich auch sein und nicht was anderes.“

In der Partei herrscht angesichts der schwachen Umfragewerte um 25 Prozent unter Gabriel die Sorge, bei der Bundestagswahl 2017 erneut zu unterliegen. Nach dem vorläufigen amtlichen Teilergebnis bleibt die SPD mit 45,7 Prozent etwas unter ihrem Ergebnis der Bürgerschaftswahl von 2011 (48,4 Prozent). Die CDU setzt unter Spitzenkandidat Dietrich Wersich ihren Abwärtstrend fort und schneidet mit 15,9 Prozent (2011: 21,9) so schlecht wie nie in Hamburg ab.

Viele Kombinationen möglich

Das Hamburger Wahlrecht erlaubt viele Kombinationsmöglichkeiten. Deshalb wird das Erststimmen-Ergebnis erst am Montag verkündet. Es hat aber keine Auswirkungen auf die Sitzverteilung.

Die Grünen legen mit 12,2 Prozent leicht zu (11,2). Einer ihrer beiden Spitzenkandidaten, Jens Kerstan, sagte an die Adresse der SPD: „Wir werden hart verhandeln und sind dann zuverlässige Partner.“

FDP legt zu - AfD im Parlament

Die FDP mit Spitzenkandidatin Katja Suding liegt bei 7,4 Prozent (6,7). Der Partei gelingt damit erstmals seit September 2013 wieder der Verbleib in einem Landesparlament. Die Linkspartei legt deutlich zu und erreichte 8,5 Prozent (6,4). Die erst 2013 gegründete AfD zieht mit 6,1 Prozent ins Parlament ein.

So wird die Sitzverteilung

Daraus ergibt sich folgende Sitzverteilung: SPD 58, CDU 20, Grüne 15, Linke 11, FDP 9, AfD 8. Der SPD fehlen zur erneuten absoluten Mehrheit 3 Sitze. Die Wahlbeteiligung war mit offiziell 56,6 Prozent so schlecht wie nie in Hamburg (2011: 57,3).

So geht's bei der AfD weiter

In der AfD wird nach dem ersten Erfolg bei einer westdeutschen Landtagswahl weiter über den Kurs der rechtspopulistischen Partei gestritten. Die Co-Vorsitzenden Frauke Petry kritisierte in der Zeitung „Die Welt“ (Montag), in den Wahlveranstaltungen hätten marktliberale Themen rund um den Euro oder das Freihandelsabkommen TTIP dominiert - statt Reizthemen wie innere Sicherheit, Islam und Zuwanderung.

AfD-Chef Bernd Lucke hob dagegen in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Montag) hervor, seine Partei habe in Hamburg mit einem sehr sachlichen Wahlkampf und den Themen Bildungspolitik, Verkehrspolitik und Integrationspolitik Erfolg gehabt.

dpa

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