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Ein Propagandafoto der sunnitischen Terrorgruppe ISIS.

Sunnitische Extremisten

Terrorgruppe ISIS erobert Orte in Nordsyrien

Bagdad - Sunnitische Extremisten der Terrorgruppe ISIS haben im Irak die größte Ölraffinerie des Irak angegriffen und weitere Menschen entführt. In Syrien eroberten sie mehrere Ortschaften.

Nach ihrem Vormarsch im Irak hat die sunnitische Terrorgruppe Isis auch Ortschaften im Nachbarland Syrien erobert. Nach eigenen Angaben nahmen Isis-Kämpfer mehrere Dörfer in der ostsyrischen Provinz Dair as-Saur ein und rückten im Norden des Landes näher an die Stadt Aleppo heran.

Auch Manbidsch kurz vor der türkischen Grenze sowie Dörfer um Homs wollen die Dschihadisten erobert haben. Anhänger verbreiteten am Mittwoch via Twitter, die Miliz sei bis nach Tal Dschidschan vorgerückt.

Tal Dschidschan liegt rund 30 Kilometer nordöstlich von Aleppo. Die Region soll lange Zeit in Händen der islamistischen Nusra-Front gewesen sein. Isis kämpft im Norden und Osten Syriens gegen das Assad-Regime, vor allem jedoch auch gegen Islamistengruppen wie die Nusra-Front und andere syrische Rebellen. Fest unter Isis-Kontrolle ist bereits die Provinz Rakka östlich von Aleppo.

Kurdischer Präsident ruft Ex-Soldaten aus dem Ruhestand

Angesichts der andauernden Kämpfe mit Dschihadisten im Irak ruft der Präsident der kurdischen Autonomieregion, Massud Barsani, die Bevölkerung zur Gegenwehr auf. „Es ist die Pflicht aller in der Region Kurdistan, die Peschmerga und die kurdischen Sicherheitskräfte zu unterstützen“, erklärte er am Mittwoch. Die Kurdenverbände stellen sich derzeit im Norden des Landes und in der Region um die ölreiche Stadt Kirkuk den Extremisten der Terrorgruppe Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) entgegen.

Barsani rief auch pensionierte Peschmerga-Angehörige auf, ihre früheren Militäreinheiten zu kontaktieren. Der Präsident betonte, die Armee werde Kurdistan weiterhin verteidigen, so wie sie es bislang auch getan habe.

Irakischer Präsident bemüht um Dialog mit Sunniten

Gut eine Woche nach Beginn des Islamistenvormarsches im Irak unternimmt der umstrittene Regierungschef Nuri al-Maliki erste Anstrengungen für einen Dialog. Sunnitische und schiitische Politiker forderten nach einem Treffen in der stark gesicherten Hauptstadt Bagdad die Bevölkerung auf, zusammenzustehen. „Der Irak ist eine Einheit - aus Sunniten, Schiiten, Arabern und Kurden“, sagte al-Maliki in einer im Fernsehen übertragenen Ansprache.

Zugleich entließ al-Maliki ranghohe Militärs in den von der Terrorgruppe Isis überrannten Gebieten. Die Dschihadisten übernahmen am Mittwoch die größte Öl-Raffinerie im Irak. Der Betrieb war erst am Vortag aus Sicherheitsgründen eingestellt worden.

Wie aus Sicherheitskreisen verlautete, hatten Isis-Kämpfer die Anlage in Baidschi rund 200 Kilometer nördlich von Bagdad am Morgen unter Beschuss genommen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur „All Iraq“ reagierten irakische Regierungstruppen mit Luftangriffen auf Stützpunkte der sunnitischen Extremisten.

Dialog-Treffen zwischen Sunniten und Schiiten im Irak

Nach internationalen Warnungen vor einem Auseinanderbrechen des irakischen Staates trafen sich am späten Dienstagabend erstmals sunnitische und schiitische Spitzenpolitiker in Bagdad zum Dialog. An dem Treffen nahmen der schiitische Ministerpräsident Al-Maliki, der ehemalige Übergangsregierungschef Ibrahim al-Dschafari, der sunnitische Präsident des alten Parlaments, Osama al-Nudschaifi, der ebenfalls sunnitische Vize-Premierminister Saleh al-Mutlak und der schiitische Energieminister Hussein al-Schahristani teil.

Vor gut einer Woche hatten Isis-Extremisten die Millionenstadt Mossul im Nordirak eingenommen. Inzwischen kämpfen die Islamisten bereits wenige Dutzend Kilometer von Bagdad entfernt gegen Regierungstruppen und schiitische Freiwillige, die sich massenweise zum Dienst an der Waffe melden.

Irans Präsident Ruhani warnt ISIS

Der iranische Präsident Hassan Ruhani warnte die Terrorgruppe. „Wir werden alles unternehmen, um unsere heiligen (schiitischen) Stätten Kerbela, Nadschaf und Samarra vor Terroristen und Mördern zu schützen, sagte er in Lorestan in Südwestiran. Der Iran will unter allen Umständen die Herrschaft der Schiiten von Teheran über Bagdad und Damaskus bis nach Beirut sichern.

Al-Maliki entband ranghohe Militärs in den von Isis-Kämpfern überrannten Regionen von ihren Aufgaben. Sie hätten versagt, ihre Stellungen verlassen und ihre Pflicht nicht erfüllt, meldete die Nachrichtenagentur Nina unter Berufung auf eine Mitteilung des Regierungschefs. Zu den Abberufenen zählt auch der für die Region Ninive verantwortliche Generalleutnant Mahdi al-Gharrawi. Dort liegt die Millionenmetropole Mossul, die die Extremisten nahezu kampflos eingenommen hatten.

Entführungen: Fast 100 Menschen in der Gewalt von ISIS

Aus verschiedenen Landesteilen wurden Entführungen gemeldet. Im Nordosten nahmen Isis-Kämpfer einem Medienbericht zufolge weitere 60 ausländische Arbeiter als Geiseln, darunter 15 Türken. Die Arbeiter seien auf der Flucht vor Gefechten gewesen, als sie in den Hamrin-Bergen gefangen genommen worden seien, sagte ein später freigelassener Iraker der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu. Damit sind inzwischen fast 100 Türken in der Gewalt von Isis im Irak.

In Mossul hatten die Extremisten in der vergangenen Woche im türkischen Konsulat 49 Menschen in ihre Gewalt gebracht, darunter auch den Generalkonsul. Zudem wurden in der Region 31 türkische Lastwagenfahrer entführt.

Auch 40 Inder, die zumeist als Bauarbeiter in Mossul tätig waren, werden nach offiziellen Angaben aus Neu Delhi vermisst. Hinzu kommen etwa 100 Iraker, die bereits am Dienstag nach einem Überfall auf einen Gemüsemarkt verschleppt worden sein sollen. Der Angriff ereignete sich in der Ortschaft Muwailaha, 60 Kilometer südlich der Hauptstadt. Wer die Geiselnehmer sind, war zunächst ebenso unklar, wie der Aufenthaltsort der Geiseln.

Die USA wiesen eine Mitteilung der Regierung in Bagdad zurück, in der Saudi-Arabien der Unterstützung der sunnitischen Isis-Kämpfer bezichtigt wurde. Dies sei das Gegenteil von dem, was die irakische Bevölkerung derzeit brauche, sagte die Sprecherin des US-Außenministeriums in Washington, Jen Psaki. In der von Al-Malikis Büro veröffentlichten Mitteilung hieß es unter anderem, Bagdad halte Saudi-Arabien moralisch und in finanzieller Hinsicht verantwortlich für die Taten der Extremisten.

dpa

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