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„Die CSU liegt meilenweit vor allen anderen Wettbewerbern“, sagt Parteichef Horst Seehofer zu den Umfragen, die der CSU regelmäßig mehr Stimmen bescheinigen als allen anderen Parteien in Bayern zusammen.

Spannungen unübersehbar

Wettlauf in CSU um Seehofer-Nachfolge nimmt Fahrt auf

München - Eigentlich sollte 2015 das Jahr der Arbeit für die CSU werden. Inzwischen sieht es nach dem Jahr der Prinzlingskämpfe aus. Der Wettlauf um die Nachfolge von Parteichef Seehofer beginnt früher als erwartet an Dynamik.

Keine Partei kann Geschlossenheit so eindrucksvoll demonstrieren wie die CSU. Nahezu gleichzeitig wählen zwei CSU-Bezirksverbände am Samstag ihre Chefs: 99,5 Prozent für den Europapolitiker Manfred Weber in Niederbayern, 99 Prozent für Finanzstaatssekretär Albert Füracker in der Oberpfalz. Überhaupt ist die Lage aus christsozialer Sicht erfreulich. „Die CSU liegt meilenweit vor allen anderen Wettbewerbern“, sagt Parteichef Horst Seehofer zu den Umfragen, die der CSU regelmäßig mehr Stimmen bescheinigen als allen anderen Parteien in Bayern zusammen.

Das ist die eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite gibt es ganz klare Anzeichen, dass die CSU früher als von Seehofer geplant in Unruhe gerät. Das Nachfolgerennen hat begonnen, die Spannungen zwischen ihm und Finanzminister Markus Söder sind für jedermann sichtbar. Das persönliche Verhältnis der beiden gilt als so gestört, dass nahezu jede Äußerung der beiden Kontrahenten unter dem Gesichtspunkt versteckter Bosheiten analysiert wird.

„Mit Schwadronieren, mit schönen Unterhaltungsprogrammen kann man vielleicht mal einen Abend wunderschön die Leute unterhalten, aber das trägt nicht, wenn es um die Frage geht, wer kann ein Land führen“, sagt Seehofer beim Treffen der CSU Niederbayern in Essenbach. Das ist vielleicht gegen Söder gerichtet, vielleicht auch nicht - wird aber von manchen auf jeden Fall so interpretiert. Es ist in der CSU-Spitze allgemein bekannt, dass Seehofer Söders Neigung zur Selbstdarstellung ganz und gar nicht schätzt.

Und der als Söder-Skeptiker bekannte niederbayerische Bezirkschef Manfred Weber wendet sich gegen „unnötiges Kronprinzengehabe“ - auch das eine Äußerung, die als Spitze gegen Söder wahrgenommen werden kann. „Ich werde meine Amtszeit erfüllen“, sagt Seehofer ungefragt in Essenbach. Die Amtszeit endet 2018.

Söder hat selbst zu den Spannungen beigetragen, denn er provoziert den großen Meister beständig, sei es mit kleinen Spitzen oder mit unerwünschten Gedanken über einen Euro-Austritt Griechenlands. Der alte Leitwolf Seehofer wehrt sich gegen den Herausforderer, indem er auf vielerlei Art und Weise Unzufriedenheit mit Söder-Aktionen durchblicken lässt - und indem er reihenweise Kronprinzen ausruft: Alle Bezirksvorsitzenden mit Wahlergebnissen über 90 Prozent seien „Prinzlinge“. Sogar den alten Söder-Widersacher Karl-Theodor zu Guttenberg umwirbt Seehofer wieder, den er einst als „Glühwürmchen“ schmähte.

Im Vergleich zu Wirtschaftsministerin Ilse Aigner gilt Söder vielen Abgeordneten der CSU-Landtagsfraktion als der stärkere Politiker. Doch hat der Finanzminister auch einflussreiche Gegner, zu denen der Niederbayer Weber gezählt wird.

Ein Alarmzeichen für Konkurrentin Aigner jedoch ist, dass sich auch in ihrem oberbayerischen Bezirksverband nicht alle bedingungslos hinter sie stellen. In der Spitze des größten CSU-Bezirksverbands rumpelte es am Freitag.

Dem Bundestagsabgeordneten Florian Hahn wird ein Lob Söders zur Last gelegt: „In Bayern ist es für die Nummer eins wichtig, dass man bierzelttauglich ist. Das hat Markus Söder bewiesen.“ Das wird ihm als Illoyalität gegen Aigner ausgelegt. Hahn bestreitet das: Über andere CSU-Politiker sei damit nichts gesagt, auch andere seien bierzelttauglich.

Und in den übrigen CSU-Bezirksverbänden Bayerns löst der Machtanspruch der Oberbayern eine Gegenbewegung aus: „Bloß weil man in Oberbayern ist, ist man nicht automatisch Ober-Bayer“, teilt der neue Oberpfälzer Bezirkschef Füracker den Parteifreunden mit. Ungewiss, ob Seehofer die Dynamik unter Kontrolle halten kann.

dpa

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