+
AfD-Pressesprecher Christian Lüth (r.) gemeinsam mit Partei-Chefin Fraucke Petry: Für ihre Tweets hagelte es fast ausschließlich Kritik.

Hetze und Verschwörungstheorien

Wie sich die AfD beim Münchner Amoklauf blamierte

München - Kaum gingen die Meldungen von den Schüssen im Münchner Olympia-Einkaufszentrum um die Welt, da erklärten einige AfD-Politiker sofort, es sei islamistischer Terror. Sie lagen daneben.

So versuchte Christian Lüth, Pressesprecher der Bundes-AfD, den Amoklauf des mutmaßlichen Täters Ali S. mit neun Toten sofort für neue Wählerstimmen auszuschlachten: "AfD wählen! Schüsse am Olympia Einkaufszentrum: Tote in München – Polizei spricht von akuter Terrorlage", twitterte Lüth. Kritik kam unter anderem von Grünen-Politiker Volker Beck. Er veröffentlichte einen Screenshot des mittlerweile gelöschten Lüth-Tweets und bezeichnete dessen Nachricht als "widerwärtig". 

Auch die AfD Sachsen hatte sofort eine Schuldige für die Schüsse in München ausgemacht: Kanzlerin Angela Merkel (CDU). "Der Terror ist wieder zurück! Wann macht Frau Merkel endlich die Grenzen dicht!", twitterte der Landesverband. Und erntete damit einen Shitstorm: "Halten Sie doch bitte einfach den Mund", so eine Userin. "Tod und Angst als Zugpferd für Euer rechtes Gedankengut. Ekelhaft", schimpfte eine weitere Nutzerin. 

Auch Petry und von Storch twitterten vorschnell

Auch prominente AfD-Politiker meldeten sich sofort nach Bekanntwerden der Bluttat zu Wort. "Wenn das "Normalität 2016" ist, will ich nicht mehr normal sein!", erklärte sich Partei-Chefin Frauke Petry über ihren Twitter-Account und fügte den Hashtag an "afdwählen". Beatrix von Storch durfte ebenfalls nicht fehlen. Die streitbare AfD-Frau freute sich am Abend der Schüsse mit den Worten: "Gut, dass wir die Grenzschutzeinheit noch haben" - und bezog sich auf eine Meldung, dass die Spezialeinheit GSG9 auf dem Weg nach München sei. Auch dafür gab es fast ausschließlich Schelte. Als dann klar war, dass es sich in München um den mutmaßlich unpolitischen Amoklauf eines 18-jährigen Deutsch-Iraner handelte, und nicht um islamistischen Terror, twitterte von Storch nur noch: "Wir trauern um die Opfer und sind in Gedanken bei den Angehörigen". 

Der Fraktionsvorsitzende der AfD Sachsen-Anhalt André Poggenburg verfing sich in Verschwörungstheorien. Die ausländische Presse berichte von "Islamterror in München". Und weiter: "Deutsche verblendete GutmenschInnen geifern aber herum. Ihr habt Mitschuld!" so die obskure Twitternachricht. Für den Amoklauf machte er ebenfalls Merkel und die CDU verantwortlich: "Merkel-Einheitspartei: danke für den Terror in Deutschland und Europa!"

Doch auch ein CDU-Politiker erntete für seine wohl zu frühe und einfache Erklärung für die Schüsse von München viel Kritik: Maximilian Krah von der CDU Dresden. "Ich bin in München. Das muss der Wendepunkt sein. Willkommenskultur ist tödlich", so seine Twitter-Nachricht. Eine Antwort kam prompt: "Parteiwechsel gefällig?", so ein User und meinte damit wohl die AfD.

mb

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

OSZE-Treffen in Hamburg: Steinmeier will Rückkehr zum Dialog

Es ist eine Konferenz in Krisenzeiten. Die OSZE ringt in Hamburg um Fortschritte vor allem im Ukraine-Konflikt. Konkrete Beschlüsse wird es wohl nicht geben. Aber für …
OSZE-Treffen in Hamburg: Steinmeier will Rückkehr zum Dialog

Kerry und Lawrow sprechen in Hamburg über Syrien

Hamburg - Die Außenminister der USA und Russlands, John Kerry und Sergej Lawrow, sind am Mittwochabend in Hamburg zu einem Gespräch über den Syrien-Konflikt …
Kerry und Lawrow sprechen in Hamburg über Syrien

Neuer Ärger zwischen Berlin und Ankara

Berlin/Istanbul - Ein verschwundener Reisepass hat die Ausreise einer türkischen Parlamentarierin aus Deutschland verzögert. Und schon droht die nächste Belastungsprobe …
Neuer Ärger zwischen Berlin und Ankara

Italiens Regierungschef Renzi zurückgetreten

Rom - Der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi ist drei Tage nach der Niederlage bei dem Verfassungsreferendum zurückgetreten.
Italiens Regierungschef Renzi zurückgetreten

Kommentare