Josef Schuster ist für vier Jahre zum neuen Präsidenten des Zentralrats der Juden gewählt worden. Foto: Arne Dedert
+
Josef Schuster ist für vier Jahre zum neuen Präsidenten des Zentralrats der Juden gewählt worden.

Graumann-Nachfolger gewählt

Schuster neuer Präsident des Zentralrats der Juden

Frankfurt/Main - Der Würzburger Arzt Josef Schuster ist neuer Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Der 60-jährige bisherige Vizepräsident wurde am Sonntag in Frankfurt am Main zum Nachfolger von Dieter Graumann gewählt.

Die jüdische Gemeinschaft sei Teil der deutschen Gesellschaft, sagte Schuster nach der Wahl. "Wir möchten auch in Zukunft das Leben in Deutschland mitgestalten."

Zu Vizepräsidenten wurden der Offenbacher Diplomingenieur Mark Dainow (66) und Abraham Lehrer aus Köln (60) gewählt, der Geschäftsführer eines Softwareunternehmens ist. Dem neunköpfigen Präsidium gehören vier Frauen an. Die Amtszeit des neu gewählten Präsidiums beträgt vier Jahre.

"Die Gemeinden bilden unser Fundament", sagte Schuster. Er sehe es daher als seine Aufgabe an, die 108 jüdischen Gemeinden mit ihren mehr als 100 000 Mitgliedern zu stärken: "Das Fundament darf keine Risse haben." Seine Vision umriss er mit den Worten "Vielfalt in der Einheit". Unter dem Dach des Zentralrats sollen traditionelle und liberale Gemeinden nebeneinander existieren können.

Judentum in Deutschland dürfe nicht beschränkt werden auf die Jahre der Verfolgung durch die Nazis 1933 bis 1945. "Was damals geschah, tragen wir alle tief im Herzen. Aber jüdisches Leben und jüdische Kultur haben dieses Land Hunderte von Jahren vor der Shoah geprägt und existieren heute wieder." Er wolle - wie sein Vorgänger - "die positiven Aspekte des jüdischen Lebens deutlicher nach außen transportieren".

Mit Blick auf den Zentralrat als Dachorganisation der Gemeinden erklärte er, ein gutes Dach müsse das Fundamt vor Stürmen und Unbill schützen - wie Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus. "Daher werden wir auch in Zukunft unser Wort erheben, wenn es denn notwendig ist." Ein Punkt auf der Agenda: das Gespräch mit muslimischen Verbänden. Schuster wünscht sich, dass sie aktiver Einfluss nehmen auf radikalisierte Jugendliche mit antisemitischer Einstellung.

Schuster war seit 2010 Vizepräsident des Zentralrats. Er ist auch Präsident des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern. Bei der Präsidentenwahl war er der einzige Kandidat für die Nachfolge Graumanns, der nach vier Jahren im Amt nicht für eine zweite Amtszeit zur Verfügung stand. Auch Vize Salomon Korn hatte nicht mehr kandidiert.

Schuster wurde 1954 in Israel geboren. Kurz darauf kehrten seine Eltern nach Deutschland zurück. Er studierte Medizin und wurde Internist, bis heute arbeitet er als Arzt. Wie Graumann gehört Schuster zur ersten Generation, die den Nationalsozialismus und den Massenmord an europäischen Juden nicht selbst erlebt haben.

dpa

Zentralrat der Juden in Deutschland

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Papst ruft auf Armenien-Reise zum Frieden auf

Der Papst auf Friedensmission im Kaukasus: Auch am zweiten Tag findet Franziskus deutliche Worte und erinnert an die Gräueltaten vor mehr als 100 Jahren. Er nimmt die …
Papst ruft auf Armenien-Reise zum Frieden auf

Neue Petition am Start: Kommt ein Exit vom Brexit?

London - Kommt jetzt der Exit vom Brexit? Mehr als anderthalb Millionen Briten haben bis Samstagnachmittag eine Petition für ein zweites Referendum über die …
Neue Petition am Start: Kommt ein Exit vom Brexit?

Tote bei Bombenanschlag auf Hotel in Mogadischu

Wieder trifft es ein Hotel in Mogadischu. Der Anschlag trägt den Schriftzug der Terrororganisation Al-Shabaab. Die Islamisten wollen ihnen verhasste Ausländer …
Tote bei Bombenanschlag auf Hotel in Mogadischu

47 Tote bei Angriff auf IS-Stadt in Syrien

Damaskus - Die Terrormiliz Islamischer Staat gerät militärisch immer weiter unter Druck. Sowohl Russen als auch Amerikaner weiten ihre Luftangriffe aus. Leidtragende …
47 Tote bei Angriff auf IS-Stadt in Syrien

Kommentare