Piloten konnten sich angeblich retten  

Kiew: Jets wurden von Russland aus abgeschossen

Kiew - Die Raketen, mit denen am Mittwoch über dem Osten der Ukraine zwei ukrainische Kampfflugzeuge abgeschossen wurden, sind nach Angaben der Regierung in Kiew von russischem Territorium aus abgefeuert worden.

Über dem Osten der Ukraine sind am Mittwoch zwei Kampfjets vom Typ Suchoi Su-25 abgeschossen worden. Die Raketen, die die Flugzeuge trafen, seien "nach vorläufigen Informationen von russischem Territorium aus abgeschossen" worden, erklärte der Sicherheitsrat der Ukraine. Der Abschuss ereignete sich knapp eine Woche nach dem Absturz eines malaysischen Passagierflugzeugs in einem Gebiet, das höchstens 50 Kilometer entfernt liegt.

Die Kampfflieger vom Typ Su-25 seien in einer Höhe von 5200 Metern unterwegs gewesen, erklärte der Sicherheitsrat. Die Piloten der Kampfjets konnten sich nach Angaben von Militärsprecher Wladislaw Selesnow mit dem Schleudersitz retten.

Ein Reporterteam der Nachrichtenagentur AFP, das sich zum Absturzort der beiden Flugzeuge begeben wollte, wurde von den Aufständischen mit Warnschüssen davon abgehalten. Die Reporter befanden sich rund zehn Kilometer von der Ortschaft Dmitriwka entfernt. Sie wurden von den bewaffneten Rebellen aufgehalten und zu einer Kommandozentrale der Aufständischen gebracht. Nach einer Kontrolle der Papiere ließen die Aufständischen das Reporterteam wieder frei. In der Gegend waren zahlreiche Schüsse zu hören. Die Straße wies Einschlusslöcher von Granaten auf.

Seit Wochen Kämpfe in der Ostukraine

Die ukrainischen Streitkräfte liefern sich im Osten des Landes seit Monaten Kämpfe mit prorussischen Separatisten. Am Donnerstag vergangener Woche stürzte in der Region ein Passagierflugzeug auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur mit 298 Menschen an Bord ab, das vermutlich abgeschossen wurde. Kiew und die Aufständischen machen einander gegenseitig dafür verantwortlich. Die Separatisten behinderten nach dem Absturz die Bergungsarbeiten.

Die Daten des inzwischen von den Rebellen an die Ermittler übergebenen Cockpit-Stimmenrekorders der Boeing 777 von Malaysia Airlines können nach Angaben der niederländischen Ermittler ausgewertet werden. Das Gerät sei zwar beschädigt, es weise aber keine Zeichen von Manipulation auf, erklärte das Niederländische Untersuchungsbüro für Sicherheit (OVV). Laut OVV konnten die Daten aus dem Stimmenrekorder von Experten im britischen Farnborough "erfolgreich heruntergeladen" werden. Sie müssten nun weiter "analysiert und untersucht" werden. Das Überspielen der Daten aus der Blackbox werde voraussichtlich ein bis zwei Tage, die Auswertung jedoch "mehrere Wochen" in Anspruch nehmen.

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) lehnte einen inzwischen verschiedentlich geforderten Einsatz von UN-Blauhelmsoldaten in der Ostukraine zum aktuellen Zeitpunkt ab. Zunächst stünden "andere Schritte im Vordergrund", sagte sie laut einem Audiomitschnitt im afghanischen Masar-i-Scharif.

Das russische Außenministerium teilte mit, dass im Ukraine-Konflikt vier Journalisten vermisst würden, darunter ein Brite, der für den prorussischen Sender RT gearbeitet habe. Moskau machte die ukrainische Regierung dafür verantwortlich.

Die russische Regierung warnte Kiew, im gegenwärtigen Stadium das Assoziierungsabkommen mit der EU zu ratifizieren. Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew sagte, wenn die Ukraine das Abkommen ratifiziere, sehe sich Moskau zu "einseitigen Maßnahmen" berechtigt. Auch Ministerpräsident Dmitri Medwedew mahnte, zunächst die Verhandlungen über eine Zollunion zwischen der EU und mehreren Ex-Sowjerepubliken abzuwarten.

AFP

Rubriklistenbild: © dpa

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