Luxor Tempel Kutschenpferde
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Luxor ohne Urlauber -Kutschpferde verhungern.

Geisterstadt

Luxor ohne Urlauber - Kutschpferde verhungern

Früher gehörte Agypten zu den Top Sonnenzielen im Winter. Doch nach den neuen Unruhen bleiben die Touristen aus. In der Tempelstadt Luxor leiden deswegen die Kutschenpferde. 

Früher war der Winter absolute Hochsaison. Aber heute steht das Kutschpferd, das die Touristen durch Luxor zog, in Gesellschaft einiger Hühner untätig im Hof. Sein Besitzer Salah, der dank der imposanten Hinterlassenschaften der Pharaonen am Nilufer in Oberägypten früher ein gutes Auskommen hatte, weiß nicht mehr, wie er die vier Söhne ernähren soll. Der jüngste ist 18 Monate alt.

Für den 51-jährigen Salah begann das Elend vor drei Jahren. Mit den Unruhen, die den Sturz des langjährigen Staatschefs Husni Mubarak begleiteten, brach der Tourismus in Ägypten ein. Früher habe er bis zu 3000 Pfund im Monat verdient, was 300 Euro entspricht. "Habe ich heute mal zehn Pfund in der Tasche, kann ich zufrieden sein", erzählt Salah.

Früher brachte das Kutschpferd gutes Geld ein.

Elf Prozent des ägyptischen Bruttosozialprodukts basieren auf dem Fremdenverkehrgewerbe, das bis 2011 noch über vier Millionen Menschen beschäftigte. Das Einkommen der 500.000 Einwohner von Luxor hängt letztlich größtenteils vom Tourismus ab. Aber die fetten Jahre, in denen täglich zehntausend Besucher die Tempelanlage von Karnak oder das Tal der Könige bestaunten, sind vorbei. Selbst an den Feiertagen zum Jahresende war im malerischen Basar nur ein dutzend Urlauber anzutreffen, ebenso wenige verloren sich im Totentempel der Königin Hatschepsut.

Während es bis vor drei Jahren auf allen Rundwegen durch diese Altertümer kaum ein Durchkommen gab, verlieren sich heute zwischen den mächtigen Säulen nur noch wenige geisterhafte Silhouetten. Und bei diesen handelt es sich meistens um Fremdenführer auf der Suche nach Fremden.

In seinem Haus mit drei Zimmern auf gestampfter Erde zieht Salah Bilanz: "Mein zweites Pferd musste ich schon verkaufen. Die Frage war: Soll ich die Tiere oder meine Kinder füttern?" Die Zugtiere von 20 der 340 Kutscher im Raum Luxor seien bereits verhungert, sagt er.

Touristen besuchen den Tempel von Karnak in Luxor.

Damit sein Pferd überlebt, das in besseren Tagen wieder sein Ernährer sein soll, geht Salah im Umland Grünfutter schneiden und bringt es in schweren Säcken nach Haus. Das Geld für eine Tagesration Strohfutter bringt er meistens nicht auf.
Der Kutscher ist mit seinem Schicksal nicht allein: Luxor wirkt wie ausgestorben. Gähnende Leere auf dem Rollfeld des Flughafens; dort wie vor den kaum besuchten Hotels warten Kutschen und Taxis meist nutzlos auf Gäste.
Waren die Unruhen des Arabischen Frühlings ein harter Rückschlag, gab der gewaltsame Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi dem ägyptischen Fremdenverkehr im vergangenen Sommer den Rest. Da Anschläge und die blutige Unterdrückung der Muslimbrüder durch die Armee weitergehen, warnen die meisten Regierungen der Herkunftsländer der Touristen weiter strikt vor Reisen nach Ägypten.

In Luxor, das bislang von örtlicher Gewalt verschont wurde, schimpfen die Führer und Händler vor allem auf Mursi und seine Muslimbruderschaft. Diese hätten die Touristen vertrieben. Damit es wieder aufwärts gehe, müsse das Militär sein Versprechen umsetzen, rasch einen demokratischen Übergang zu ermöglichen. Hierzu sind im Februar ein Verfassungsreferendum und Mitte Mai freie Parlamentswahlen angekündigt.

Kutsche vor dem Tempel von Luxor.

Der Gouverneur der Provinz Luxor, Tarek Saadeddin, versucht, bereits jetzt Optimismus zu verbreiten: "Vor drei Monaten war nur jedes hundertste Hotelzimmer gebucht, heute haben wir schon eine Buchungsrate von 18 Prozent mit anhaltender Tendenz nach oben", sagt er. Die Basarhändler versichern dagegen, eine Besserung sei für sie nicht zu spüren. Nur zu Dumpingpreisen sei überhaupt noch ein bisschen Umsatz möglich. Mit Galgenhumor wirbt einer: "Jetzt ist es so billig, dass Du bei mir sogar Geschenke für alle kaufen kannst, die Du nicht leiden kannst."

AFP

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