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Botswana: Kinder begrüßen die Besucher neugierg und unbefangen

Der afrikanische Rohdiamant

Der Staat Botswana im Süden Afrikas ist bekannt durch das Okavango-Delta und seinen Reichtum an wilden Tieren, aber auch für ergiebige Diamantenfunde...

Das Land kann es sich leisten, auf Besuchermassen zu verzichten. Reiseredakteur Volker Pfau hat Botswana besucht und einen touristischen Rohdiamanten entdeckt.

Mein Baum, mein Boot

Wir kamen eine Dreiviertelstunde zu spät. Zum Bedauern der einen, zur Erleichterung der anderen – derartige Begegnungen sind schließlich nicht jedermanns Sache. „Auf einmal waren die Bullen da“, erzählt Richard, der uns auf unserer Bootssafari durchs Okavango-Delta begleitet. Während wir im Mokoro-Einbaum durchs Schilf schipperten, passte er auf unsere Zelte auf. „Ich schmökerte gerade in meinem Krimi, als plötzlich vier Elefanten durchs Camp tappten“, sagt Richard. Ganz ruhig, ganz entspannt seien die vier männlichen Dickhäuter gewesen, hätten keinerlei Probleme gemacht, nur neben dem großen Esstisch hinterließen sie einige fußballgroße Resultate ihrer Verdauung. Als wollten sie uns sagen: Seht und riecht – wir waren hier.

Guide Richard zeigt eine Karte vom Okavango-Delta

Die Natur kommt einem ziemlich nahe in Botswana. Oder andersherum: Als Besucher ist man hier oft mittendrin, statt nur als Zuschauer dabei – manchmal mehr als einem lieb ist. Lautstarke Nah-Begegnungen gab es mit Pavianen, die nächtens in den Bäumen über unseren Zelten herumturnten und mit ihrem Gekreische einen wahren Affenlärm veranstalteten. Aber tief geschlafen hat sowieso kaum jemand bei unserer Übernachtung auf der Xaxaba Camp Site im Okavango-Delta. Zu groß war die Aufregung, der Adrenalinschub hielt uns wach, denn bei der abendlichen Bootstour hatte es neben uns mächtig im Wasser geplatscht. „Ein Kroko“, hatte Richard lapidar gemeint. Das hat uns um den Schlaf gebracht. Und vielleicht auch die Tatsache, dass unsere Mobiltelefone hier, mitten im Nichts, keinen Empfang haben. Ohne Mail- und SMS-Möglichkeit fühlt sich der moderne Zivilisationsmensch gleich ein ganzes Stück hilfloser.

Botswana: Auf Safari in einem reichen Land

Botswana: Auf Safari in einem reichen Land

Gefährlich war’s jedoch nie. Nur halt reichlich ungewohnt, denn zwischen uns und den Tieren gab’s kein Edelstahl-Absperrgitter oder Sicherheitsglas wie im Zoo, sondern nur die Zeltplane. Wer jedoch die Regeln der Natur beachtet und respektiert, dass er der Besucher ist und sich im Wohnzimmer der einheimischen Tierwelt entsprechend verhält, der wird in den Nationalparks von Botswana sehr beeindruckende Erlebnisse haben.

Zu der einheimischen Tierwelt hält man besser den richtigen Sicherheitsabstand.

Aber auch außerhalb der Schutzzonen, dort wo sich die knapp zwei Millionen Einwohner in diesem Riesenland verteilen, zeigt sich Botswana von einer sehr angenehmen, überraschenden Seite. Die Ränder der stellenweise perfekt asphaltierten, aber zumindest stets gut gepflegten Straßen sind meist sauberer als an mancher südeuropäischer Strada, der sonst für arme afrikanische Länder so typische beißende Gestank verbrannten Mülls fehlt und als Touristen waren wir so gut wie nie Ziel nervender Straßenhändler oder aufdringlicher Bettler. Stattdessen gibt’s oft ein offenes Lächeln, freundliche Worte und aufrichtige Wünsche für eine weiterhin gute Reise.

Die Tourismuspolitik der seit 45 Jahren unabhängigen Republik scheint von Erfolg gekrönt. Viel Platz, viele Tiere, wenig Besucher. Die Gebühren und der bürokratische Aufwand für den Besuch der Nationalparks werden hoch gehalten, die Unterkünfte sind meist gut bis sehr gut ausgestattet, bisweilen auch nur mit dem Flugzeug erreichbar. Es geht recht privilegiert auf Safari, spektakuläre Wild-Beobachtungen sind fast schon garantiert.

Der Staat Botswana im Süden Afrikas ist bekannt durch das Okavango-Delta und seinen Reichtum an wilden Tieren.

Wer bei der Vergabe der Unterkünfte in den Lodges Glück hat (oder vorausschauend reserviert), bekommt Elefanten im Wasserloch und schmatzende Flusspferde direkt vor der eigenen Terrasse zu sehen und zu hören. Es kann aber auch – wie bei unserer Reise passiert – durchaus sein, dass mal nächtens ein paar Löwen rund ums Haus stromern und ordentlich Lärm machen. Zum original Wildnis-Gefühl trägt dann sicherlich die Tatsache bei, dass den Safari-Touristen gerade mal eine Schiebetür mit im Zweifelsfall kaum löwentauglichem Moskitogitter von den Königen der Tiere trennt.

Wir bevorzugen dann doch die harmlosere Form der Tierbegegnung: Nachdem uns Richard von der Elefantenbegegnung im Camp erzählt hat und wir die fäkalen Hinterlassenschaften ausgiebig bestaunt und dokumentiert hatten, schnappt sich jeder einen Campingstuhl, und nebeneinander aufgereiht beobachten wir die vier Dickhäuter bei ihrem Mahl und wie sie sich an den Bäumen reiben, dass die Rinde nur so fetzt. Das ist original Busch-TV, dazu braucht man weder Satellitenschüssel noch Kabelanschluss.

Volker Pfau

DIE REISE-INFOS ZU BOTSWANA

REISEZIEL Die Republik Botswana liegt im Süden Afrikas zwischen Namibia und Südafrika. Mit einer Fläche von 582.000 Quadratkilometern ist Botswana ungefähr so groß wie Frankreich (Mutterland) und Belgien zusammen, hat aber nur rund zwei Millionen Einwohner. Große Vorkommen von Bodenschätzen (v.a. Diamanten) machen Botswana zu einem der reichsten Länder Afrikas.

ANREISE South African Airways fliegt täglich von München nach Johannesburg (Preis: rund 690 Euro), von dort weiter mit Air Botswana nach Maun (Preis: rund 380 Euro), wo die meisten Touren durch die Nationalparks und ins Okavago-Delta starten.

GESUNDHEIT Der Norden Botswanas, insbesondere das Okavango-Delta, gilt während der Regenzeit von November bis April als Malaria-Risikogebiet. Vor Reisen in dieses Gebiet ist Rücksprache mit dem Arzt dringend erforderlich. Rund ein Viertel der erwachsenen Bevölkerung ist mit HIV infiziert.

REISETYP Wer viele wilde Tiere in ihrer natürlichen Umgebung und die Einzigartigkeit des Okavangodeltas erleben will und dabei auch mal Übernachtungen unter einfachsten Bedingungen nicht scheut, ist hier richtig.

OKAVANGO-DELTA Es liegt im Nordwesten des Landes und ist in der Regenzeit bis zu 22.000 Quadratkilometer groß (entspricht etwa der Fläche von Hessen). Der drittgrößte Fluss des südlichen Afrikas entspringt in Angola, fächert sich in Botswana zu einem Feuchtgebiet auf und versickert in der Kalahari. Zum Ende der Regenzeit führt der Okavango besonders viel Wasser, weswegen sich dann sehr viele Tiere im Delta aufhalten.

NATIONALPARKS MOREMI: Das 5000 Quadratkilometer große Wildreservat, das als eines der schönsten Afrikas gilt, liegt im Okavango-Delta. MAKGADIKGADI: Die Salzpfannen in dem Nationalpark im Nordosten des Landes gelten mit einer Größe von rund 12.000 Quadratkilometern als größte zusammenhängende Salzpfanne der Welt. CHOBE: Er wurde 1967 als erster Nationalpark in Botswana gegründet und ist heute über 11.000 Quadratkilometer groß.

KLIMA/REISEZEIT Die Regenzeit dauert von ungefähr November bis April. Die Tagestemperaturen erreichen im Sommer bis zu 35 Grad, im Winter ist nachts Frost möglich.

WÄHRUNG Die Währung Botswanas heißt Pula (BWP) – das Wort aus der Landessprache Setswana bedeutet auf Deutsch übersetzt Regen bzw. Segen. Ein BWP entspricht rund 10 Euro-Cent.

ANGEBOTE Der Veranstalter Meier’s Weltreisen hat die 16-tägige Camping-Safari „Botswana intensiv“ im Programm, die mit Flügen, 13 Übernachtungen in Zeltcamps und Lodges, Safarifahrten, Verpflegung und Transfers ab 2289 Euro pro Person kostet. Info und Buchung im Reisebüro, telefonisch unter 018 05/33 74 00 (14 Cent/Min.) oder unter www.meiers-weltreisen.de.

AUSKUNFT Botswana Tourism ­Organisation, Büro Deutschland, Karl-Marx-Allee 91 A, 10243 Berlin, Tel. 030/ 42 02 84 64, www.botswanatourism.de.

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