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Der Aletschgletscher am Eiger in Berner Oberland in der Schweiz

Wandern auf dem Aletsch

Im ewigen Eis

Der Winter lässt noch auf sich warten. Eiszeit aber haben sie immer da oben in Grindelwald, wo mit Eiger, Mönch und Jungfrau die höchsten Berge der Berner Alpen Spalier stehen. Vor allem der Aletsch...

...mit über 22 Kilometern der längste Gletscher der Alpen, zieht Bergfreunde magisch an. Ihn zu erwandern ist kein Kunststück und man muss dafür auch kein Spitzensportler sein. Aber man sollte sich, wie unser Autor Eberhard Unfried, nur in Begleitung eines Experten aufs Eis wagen.

Das Zahnrad-Rattern verstummt. Der voll besetzte Zug erreicht das Jungfraujoch, die höchste Bahnstation Europas: 3454 Meter über dem Meeresspiegel! Knapp zwei Stunden hat die Fahrt von Grindelwald auf 1034 Metern Höhe mit Umstieg gedauert, nun strömen Engländer, Deutsche, Italiener, Inder, Japaner, Koreaner, Chinesen aus dem Triebwagen. Nur die wenigsten tragen Bergsportausrüstung, die meisten wollen „on the Top of Europe“ einfach nur die Aussicht genießen. Der Blick auf blaue Seen, Gletscher und Viertausender ist einfach überwältigend.

Karawane am Seil: So sichern sich die Gletscherwanderer am Aletsch.

Nach Verlassen des Tunnel-Labyrinths schmerzt das gleißende Licht des Aletsch-Gletschers in den Augen. Schnell die Brillen aufsetzen, Sonnencreme ins Gesicht! Mit einem „Grüezi“ empfängt Bergführer Hans­ueli seine Gäste. Hier oben nennt man sich nur mit Vornamen, das „du“ ist selbstverständlich. Jenen, die zum ersten Mal einen Gletscher betreten, erklärt er geduldig die Ausrüstung: Klettergurt, Steigeisen, Stöcke. Das „Warum“ klärt schon ein Warnschild am Rand der gesicherten Fläche: Gletscherspalten! Diese lauern oft unsichtbar unter einer dünnen Schneedecke.

Eingebunden im Seil setzt sich die Gruppe unter Hansuelis Führung wie eine Raupe bergab in Bewegung. Schmatzend graben sich die Zacken in den weichen Schnee. Das Thermometer zeigt über Null wie viel zu oft in diesem Sommer. Sonnentage, die Gletscher weltweit abschmelzen lassen.

Autor Eberhard Unfried wagte sich nur in Begleitung eines Experten aufs Eis.

Es wird steiler, die ersten Spalten klaffen drohend, um jeden zu verschlingen, der ihnen zu nahe kommt. Im Spätsommer halten sich die Gefahren in Grenzen, so lange noch kein Neuschnee gefallen ist. Die meisten Spalten liegen dann offen. Und ein einheimischer Bergführer kennt die Risiken genau. Manche Spalten wirken endlos tief, in andere kann Hansueli seine Gruppe sogar hineinführen. Die senkrechten Eisschichten schimmern blau, je tiefer, desto intensiver. Dazwischen befinden sich schmutzig braune Schichten. „Sand aus der Sahara“, klärt Hansueli auf.

Auf steilen Stellen räumt Hansueli mit seinem Eispickel („Handarbeit aus Grindelwald“) den Matsch beiseite, schlägt Stufen in das darunterliegende Eis. Langsam bewegt sich der Lindwurm nach unten. Der Hintermann hält jeweils den Vorausmarschierenden fest am Seil. Pech nur für das „Schlusslicht“ – für ihn gibt’s keine Rückendeckung.

Mit einem „Grüezi“ empfängt Bergführer Hans­ueli seine Gäste.

Der Wind bläst Nebelschwaden über das Eisfeld, manchmal sieht man den Vordermann kaum noch. Hansueli bleibt gelassen, auch ohne GPS. „Ich orientiere mich mit Höhenmesser und Kompass, ich weiß immer genau, wo ich bin“, beruhigt er.
Eine Eisentreppe beendet die rund fünfstündige Tour. Es geht rauf zur Konkordiahütte, dem Quartier für diese Nacht. Rund 450 Treppenstufen müssen überwunden werden. Warum liegt die auf Stahlträgern errichtete Hütte so weit oben? „Sie wurde mal fast am Gletscherrand erbaut“, klärt Hansueli auf. „So weit ist der Aletschgletscher abgeschmolzen. Jedes Jahr kommen einige Stufen hinzu.“

Eberhard Unfried

Die Reise-Infos zum Aletsch

REISEZIEL Grindelwald im Kanton Bern liegt direkt am Fuß der berühmt-berüchtigten Eiger-Nordwand und ist Ausgangspunkt für Touren auf dem Aletsch-Gletscher. Der Ort hat 3800 Einwohner und rund 12 000 Gästebetten.

ANREISE Am besten mit der Bahn, der Autoverkehr in Grindelwald ist eingeschränkt. Nach Interlaken-Ost verkehren Züge halbstündlich. Von hier geht es weiter mit der schmalspurigen Berner Oberland-Bahn. Hin- und Rückfahrt von München kosten ohne Frühbucher-Rabatte 279,60 Euro. Von München sind es mit dem Auto (über Lindau) 447 Kilometer, die Fahrzeit beträgt rund fünf Stunden.

REISEZEIT Bis Mitte Oktober, wenn man die Berge erwandern will. Die Skisaison beginnt dann Mitte Dezember und endet im April.

TOUREN Zur Kleinen Scheidegg (2061 Meter) fährt die Zahnradbahn. Hier gibt es gut beschilderte Wanderwege aller Schwierigkeitsgrade. Viele Wege können auch mit Kindern begangen werden. Beliebt ist die einfache Tour durch die Gletscherschlucht. Zu den Klassikern für trittsichere Wanderer gehört der Eiger-Trail am Fuß der Eiger Nordwand (Startpunkt Eigergletscher der Jungfraubahn). Die von uns beschriebene Tour über den Aletschgletscher zur Konkordiahütte ist nur konditionsstarken und schwindelfreien Wanderern zu empfehlen – mit Bergführer! Touren zu den berühmten Gipfeln des Mönch (4107 Meter), Jungfrau (4158 Meter) und Fiescherhorn (4049 Meter) sind nur bestens trainierten Bergsteigern vorbehalten.

WOHNEN Massagen, Saunalandschaft und Fitness-Studio sind für Daniel Heller, den Eigentümer des Hotels Eiger im Ortskern von Grindelwald, nicht genug. Deshalb hat er „Selfness“ auf seine Fahnen geschrieben. „Bei Selfness geht es nicht um die vorübergehende Entspannung, sondern um dauerhafte Selbstveränderung“, erklärt er. Wer mag, kann an einem Seminar teilnehmen. Preise: im Doppelzimmer ab 165 Euro. Buchung über Jahn Reisen (www.jahnreisen.de), wo man sich auch das gewünschte Paket zusammenstellen lassen kann, auch mit Bahn-Ticket. Bergerlebnisse mit Führer müssen vor Ort gebucht werden, www.jungfrauregion.ch.

EIGERNESS Unter dieser Marke bringt Grindelwald dem Gast die Besonderheit des Ortes näher. Dazu gehören Kultur und Tradition, Aktivitäten und Kulinarik. Mit Stolz wird die von Grindelwalder Bauern gegründete Molkerei Eigermilch gezeigt. Betriebsleiter Johann Wittwer: „Unsere Käsespezialitäten sind einmalig.“

WEITERE INFOS Schweiz Tourismus, kostenfreie Hotline 00 800/100 200 30, im Internet: www.myswitzerland.com.

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