Marrakesch
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Nicht für den durchschnittlichen Pauschalurlauber: Das Palasthotel "La Mamounia" ist drei Jahre lang für Staatenlenker, Stars und Steinreiche umgebaut worden.

Im Auftrag des Königs: Marrakesch boomt

Prächtige Paläste prägen die Stadt der Berber und Nomaden. Die orientalischen Haupstadt hat zwar Touristen schon immer fasziniert, doch nun sucht Marrakesch nach neuem Zauber.  

Reich und prächtig war Marrakesch lange in seiner tausendjährigen Geschichte. Reich als Endpunkt der Karawanen aus Timbuktu und Zentralafrika, prächtig in seinen maurischen Palästen. Matt geworden in der Neuzeit, hat die “Perle des Südens“ seit ein paar Jahren erneut zu glänzen begonnen. Und mit dem Rückenwind eines königlichen Investitionsprogramms ist sie auf ihrem Weg zur unumstrittenen Kunst- und Kulturhauptstadt Marokkos.

Luxuriöses Ambiente - nicht nur rund um den Pool sieht es im La Mamounia eine Spur schicker aus als an vielen anderen Stellen in Marrakesch.

Immer mehr junge und betuchte Weltenbürger fühlen sich von der Boomstadt angezogen. Geradezu exemplarisch hat sich das Palasthotel “La Mamounia“ auf die Aufbruchstimmung im Land eingestellt. Drei Jahre lang ist das Luxusetablissement für 120 Millionen Euro umgebaut worden. Hightech-Komfort und feinste Wohnarabesken sind wohl aufeinander abgestimmt. So soll es bald im ganzen Reiche sein, wünscht sich König Mohammed VI. Mit einem milliardenschweren Förderprogramm zur Modernisierung des Landes ermöglicht der Monarch ausländischen Investoren den günstigen Kauf von Grundstücken.

Diese Aussichten haben einen Bauboom ausgelöst: Villen und Nobelherbergen schießen aus dem Boden. Die ausländischen Geldgeber kommen aus Frankreich, Indien, Saudi-Arabien, Russland und Monaco. Im Augenblick soll mindestens ein weiteres Dutzend Fünf-Sterne-Hotels und Wohnanlagen für Millionäre im Bau sein. Dabei wird auch die Palmeraie von Marrakesch weiter für neue Resorts und ihre Golfplätze erschlossen. Das neue Hotel “Royal Mansour“ ist Anfang Juni eröffnet worden. Eine Suite dort soll bis zu 2200 Euro pro Nacht kosten.

Die traditionellen Seiten der Stadt: In den Souks von Marrakesch ist der Schick der neuen Hotels noch nicht angekommen.

“Mamounia“-Generaldirektor Didier Picquot findet Konkurrenz zwar gut. Angesichts der aktuellen Entwicklung schließt der Topmanager jedoch nicht aus, dass auf Dauer auch in Marrakesch die Palmen nicht in den Himmel wachsen und es in einigen Jahren Überkapazitäten auf dem Luxussektor geben wird. “Es stellt sich nicht nur die Frage, wie man die ganzen Fünf-Sterne-Hotels füllen will. Es fragt sich auch, woher all die Angestellten kommen sollen“, sagt der Franzose. Tatsache sei, dass im vergangenen Jahr viel weniger Touristen nach Marrakesch gekommen seien als 2008. “Schuld daran ist die Krise!“ In der Medina stünden schon etliche kleine Hotels zum Verkauf.

Zwar wurden neue Autobahnen gebaut, und Marrakesch bekam einen neuen Airport. Von Deutschland aus fliegt aber nur Ryanair direkt dorthin. Keine gute Voraussetzung für Massentourismus, von dem auf marokkanischem Territorium nur das leicht erreichbare und am Meer gelegene Agadir profitiert. Andererseits: Wäre Marrakesch wirklich gut beraten, sich auf Massentourismus einzulassen?

Mit der Kutsche fahren meist nur Touristen durch die Straßen der marrokanischen Stadt.

Das aus den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts stammende “Mamounia“ hegt auch im neuen Outfit seinen Namen als Prominentenherberge Nummer eins und als Filmkulisse. Hitchcock drehte hier mit Doris Day und James Stewart “Der Mann, der zu viel wusste“, Oliver Stone seinen “Alexander“. Aber auch “Sex and the City 2“ mit Sarah Jessica Parker spielt teilweise hier. Viele Stars wie Richard Gere, Gwyneth Paltrow, Jennifer Aniston, Angelina Jolie, Brad Pitt, Elton John und Andrea Bocelli ließen hier ihre Seele baumeln.

Noch scheint die Bastion gegen die touristische Vulgarisierung von Marrakesch zu halten: McDonalds jedenfalls soll voriges Jahr vergeblich versucht haben, das alte “Café de France“ an dem als Weltkulturerbe der Unesco geschützten Platz der Gaukler aufzukaufen.

Rolf Liffers, dpa

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