Didgeridoo
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Aborigines spielt auf einem Didgeridoo. Der neue Stolz auf alte Mythen: Australiens Aborigines sind im Tourismus wichtige Botschafter geworden.

Aborigines-Touren

Australien mit Emu-tionen

Am 26. Mai ist National Sorry Day. Der Tag, an dem sich die weiße Bevölkerung Australiens für die vormalige Unterdrückung bei den Aborigines entschuldigt.

Doch die wollen inzwischen kein Mitgefühl mehr, sondern gleichwertige Mitwirkung in der Gesellschaft. Im Tourismus klappt das schon. Unser Autor Stephan Brünjes hat es in Queensland erlebt, dem australischen Bundesstaat, in dem nach New South Wales die meisten Aborigines leben.

„No worries, crocs here only in summer“, sagt Brandon und strahlt mit einem breiten Grinsen die ganze Gefahr weg, die das grellgelbe Krokodil-Warnschild am Strand signalisiert. „Und wenn doch ein Croc kommt“, witzelt er, „dann habt ihr ja eure Speere.“ Mit denen sollen seine Gäste Krabben jagen im kniehohen Pazifikwasser vor Cooya Beach an der australischen Ostküste. So wie Brandon Walker und seine Großfamilie es hier seit Generationen tun.

Der Straußenvogel Emu steht in der Mythologie der Aborigines für Mutter Erde. Sie symbolisieren ihn mit einem großen schwarzen Punkt inmitten vieler kleiner Punkte

Die Walkers sind Aborigines, Nachfahren australischer Ureinwohner, und hatten vor Jahren eine Idee: „Wenn Touristen im nahen Great Barrier Reef für viel Geld zu Clownfischen schnorcheln und Wale schauen, dann können sie ihr Geld auch bei uns ausgeben und beim Speerfischen helfen.“ Heute morgen begleiten Brandon und sein Bruder Lincoln eine ganze Busladung als Jagdgesellschaft über die Sandbänke und die angrenzenden schlammigen Mangrovenwälder. Sie lassen ihre zwei Meter langen Bambus-Speere mit den Metallspitzen durchs klare Wasser in die Sandlöcher sausen, in denen sich handtellergroße Krabben eingebuddelt haben. Die Beute wandert in Brandons Eimer. Nach dem Fischzug lädt der 36-Jährige seine Gäste auf die Terrasse seines Elternhauses. Frisch gekocht von Mama Walker wird hier der Fang verspeist, garniert mit Lincolns Didgeridoo-Grundkurs: Für den gurgelnden Grundsound einfach die Lippen am bemalten Holzrohr vibrieren lassen, springende Töne mit schnalzender Zunge beimischen und Vogellaute per Kehlkopf einstreuen. Die Versuche mancher Gäste erinnern eher an Toilettengeräusche.

Mit touristischen Angeboten wie diesen tauchen Besucher ein in Alltag und Lebensweise der Aborigines. Ein wichtiger Schritt für die lange unterdrückten und bis vor kurzem an den Rand der australischen Gesellschaft gedrängten Ureinwohner: Die Aborigines werden so selbst zu Tourismusveranstaltern und sind nicht länger die verstohlen begafften Wilden in den Reservaten.

Etwa 20 von Aborigines betriebene Reiseangebote gibt es in Queensland, in ganz Australien sind es um die 50. Roy Gibson war einer der ersten. Seit 1987 schon führt er Gäste durch den Regenwald beim Örtchen Mossman, wo sein Stamm namens Kuku Yalanji lebt. Garrnar, kleiner Dingo, war sein Spitzname als Kind, weil er stets mit den Stammesältesten in den Dschungel stromerte - eben wie ein junger Hund. Auf diesen Pfaden zeigt der 64-Jährige seinen Gästen heute, wie man regendichte Hütten aus Baumrinde baut und wo der Djabu Djabu ist, ein den Frauen vorbehaltener Platz, an dem sie ihre Geschichten an die nächste Generation weitererzählen. Ein scharfes „Dungai!“ („hau ab!“) bekam Roy hier oft zu hören, wenn er sich angeschlichen hatte.

Roy erzählt auch von den drakonischen Strafen der Kuku Yalanji: Diebe etwa wurde der Rücken mit Blättern des Black Tar-Baumes traktiert. Die Folge: höllisches Jucken und Schwitzen. Roy schwört, es habe unter den so Bestraften keine Wiederholungstäter gegeben. Zum Standardrepertoire der Aborigines gehören ihre Fabeln und Mythen. Sie erzählen aus der sogenannten Traumzeit vor mehr als 40.000 Jahren, von der Erschaffung der australischen Berge, Täler und Flussbetten durch die Regenbogenschlange. Idealer Ort für solche Geschichten: das Lagerfeuer am Davidson-Fluss in der Nähe des Städtchens Tully, dem - ausweislich eines acht Meter hohen Gummistiefel-Denkmals - nassesten Flecken Australiens. Am Ufer beginnen Ausflüge und mehrtägige Camps mit den Aborigines des Jirrbal-Stamms, inklusive Malunterricht mit bunten Lehmstücken an einer Biegung de Flusses. Tonya erklärt hier das Basisalphabet der Aborigines: Ein senkrechter Strich ist der Mann, ein nach unten geöffnetes Ei die Frau und ein dicker schwarzer Punkt inmitten vieler kleiner Punkte symbolisiert einen Emu - und dieser ist in der Mythologie der Aborigines gleichbedeutend mit Mutter Erde.

DIE REISE-INFOS ZU DEN ABORIGINES-TOUREN

REISEZIEL Der Bundesstaat Queensland liegt im Nordosten Aus-traliens. Hauptstadt ist Brisbane, die ganz im Süden fast an der Grenze zum Nachbarstaat New South Wales liegt. Cooya Beach, der Daintree-Nationalpark und Mossman befinden sich in der Nähe von Cairns im nördlichen Teil. Man sollte die Entfernungen nicht unterschätzen. Mit 1,7 Millionen Quadratkilometern ist Queensland der zweitgrößte Staat Australiens, etwa fünfmal so groß wie Deutschland.

ANREISE Singapore Airlines bietet den Flug von München nach Cairns und zurück derzeit für 1384 Euro an. Von hier aus sind es jeweils zwei Autostunden im Mietwagen nördlich in die Region um Cooya Beach sowie südlich nach Tully.

ÜBERNACHTEN Nördlich von Cairns z.B. in der Daintree Ecolodge, einer komplett in den Regenwald gebauten Mini-Anlage aus 15 Holzhäusern auf Stelzen. Traumblick aus dem Whirlpool auf der Terrasse in die Baumwipfel, ca. 230 Euro pro Haus und Nacht. www.daintree-ecolodge.com.au. Südlich von Cairns im Küstenstädtchen Mission Beach entweder edel im Elandra Resort, ab ca. 175 Euro pro Nacht, oder preiswert in Camping-Bungalows des Mission Beach Holiday Village, ca. 87 Euro/Nacht, www.missionbeachhideaway.com.au.

ABORIGINES-TOUREN Fischzüge mit den Walker Brothers pro Person ca. 57 Euro incl. Essen, www.bamaway.com.au. Rainforest Walking Tour in Mossman incl. Hin- und Rückfahrt von Port Douglas ca. 36 Euro pro Person, www.btstours.com.au. Davidson-Fluss-Tour incl. Hin- und Rückfahrt vom/zum Hotel, Lunchpaket ca 87 Euro. Buchungen unter 0061/448067 227. Die Webseite www.ingan.com.au ist derzeit noch im Aufbau. Die Webseite www.aboriginaltourism.australia.com stellt verschiedene von Aborigines geführte Touren und Anbieter vor, die einen Fokus auf das Australien der Aborigines legen.

VERANSTALTER Aborigines-Touren in Queensland können als Baustein auch über den Fernreise-Spezialisten Explorer gebucht werden (Büro München, Sonnenstraße 19, Tel. 089/12224990). Dreitägiges Programm ab/bis Cairns mit Speerfischen, Buschcamping, Flussfahrt im Daintree-Nationalpark und Geschichten erzählen rund um die Felsmalereien ab 459 Euro.

MEHR INFOS Tourism Australia in Frankfurt, Tel. 069/95096173, www.australia.com.

Stephan Brünjes

E-Mail:stephan.bruenjes@hamburg.de

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