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Reisen, die bereichern

Pilgerbüro wird 90 - Programm ist jung wie nie

Auf dem Jakobsweg sind sie Marktführer, Wallfahrten nach Rom und Reisen ins Heilige Land sind ihr Kerngeschäft. Aber das Bayerische Pilgerbüro ist im Jahr seines 90. Bestehens längst nicht mehr nur der Reisemittler der Christen, die auf den Spuren der Bibel wandern und wandeln. Christine Hinkofer schaute hinter die Kulissen des Unternehmens, das seine Kunden mit Gottvertrauen in den Urlaub schickt.

Bayerisches Pilgerbüro, Geschäftsstelle, Dachauer Straße 9 in München: Der Gang ist lang, in gedämpfte Grautönen gehalten, jeden Schritt begleitet das heimelige Knarzen alter Parkettdielen. Am Ende bleibt der Blick hängen, in einer Vitrine, auf einer Urkunde, gerahmt und besiegelt. „Tourism enriches“ – Tourismus bereichert, steht da in großen schwarzen Lettern. Es ist die prinzipielle Grundeinstellung nach der in diesem Haus Urlaub gemacht wird, mittlerweile seit 90 Jahren.

Sie sind die Spezialisten für alle, die mit und für Gottes Segen reisen. Zum Papst nach Rom, auf dem Jakobsweg, zu den berühmten Wallfahrtsstätten von Lourdes und Fatima, und natürlich nach Israel, in das Heilige Land. „Ja“, bestätigt Clemens Ponkratz, Produktmanager und Prokurist dieses Reiseveranstalters der besonderen Art. „Ja, Pilgerreisen sind immer noch unser Kerngeschäft.“

Damit hatte alles begonnen, 1925, im Heiligen Jahr, als sich die sieben bayerischen Bistümer zusammengetan und das Landeskommittee für Pilgerfahrten gegründet haben. Ausschließliches Ziel damals: Preiswerte Pilgerfahrten nach Rom zu organisieren und durchzuführen.

Das lief wie am Schnürchen. Acht große Sonderzüge mit fast 8000 Teilnehmern hat das Pilgerbüro im Jahr seiner Gründung zum Papst gebracht. Und sich angesichts des Erfolgs bald auf neues Terrain gewagt. Weitere Ziele in Italien wie Padua und Assisi wurden ins Programm aufgenommen und Pilgerreisen innerhalb Deutschlands, nach Altötting etwa, wo auch im Jubiläumsjahr 2015 eine ganz besondere Dankwallfahrt hinführt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war es wieder ein Heiliges Jahr, das dem Pilgerbüro einen Neustart bescherte. An die 25 000 waren es, die 1950 von München aus losreisten, um beim Papst im Petersdom Zuspruch für den Start in eine bessere Zukunft zu suchen.

Schnell merken die Deutschen: Es wird weitergehen. Die Tourismuswelle setzt ein, das Bayerische Pilgerbüro ist mit dabei. 1955 heben die ersten Flieger mit Pilgergruppen ins Heilige Land ab. Israel ist bis heute, trotz vieler Rückschläge durch politische Krisen, das Traditionsziel des Bayerischen Pilerbüros. Da, wo man thematisch eben zuhause ist. 2100 Buchungen waren es trotz Krieg und Krise im vergangenen Jahr. „Wir führen die Reisen durch, auch jetzt in schwieriger Zeit“, sagt Clemens Ponkratz, und dabei verlassen sie sich beileibe nicht nur auf das Gottvertrauen. „Wir haben Partner vor Ort, die die Gegebenheiten bestens kennen und uns sagen, wann und wo Probleme zu befürchten sind. Danach richten wir uns bei der Planung.“

Der Sprecher: Clemens Ponkratz.

Aber längst sind Urlauber, die mit dem Bayerischen Pilgerbüro reisen, nicht mehr nur auf den Spuren der Bibel unterwegs. Gerade hätte man sehr erfolgreich zwei Gruppen in Neuseeland gehabt, erzählt Ponkratz. In diesem Jahr sind Studienreisen nach Indien, Sri Lanka, China, Namibia und Kuba geplant und eine Städtereise nach New York. Den Unterschied zum herkömmlichen Veranstalter macht für Ponkratz die Betreuung aus („Wir bilden unsere Reiseleiter in Winterakademien selbst aus.“), die Homogenität der Gruppen („Unser klassischer Kunde hat zumindest eine Affinität zur Kirche.“) und das Programm im Detail („In New York ist bei uns halt nicht Powershopping angesagt, sondern wir besuchen sonntags einen Gospelgottesdienst.) Auch die Begegnung mit Menschen stehe auf den Studienreisen weltweit immer im Vordergrund. „Nimm ein Stück Seele des Reiselandes in dir auf und lasse deine Wertschätzung in den Herzen der Menschen zurück“ lautet ein Zitat im aktuellen Reisekatalog.

Und doch: Das Kerngeschäft machen trotz aller Exotik halt immer noch die Pilger aus . „Wenn eine Pfarrgemeinde nach Rom fahren will, kommt sie zu uns.“ Aber nicht nur die. Als die SPD-Stadtratsfraktion nach der Wahl von Dieter Reiter das dringende Bedürfnis nach Danksagung verspürte, ließ man den Papstbesuch in Rom natürlich vom Bayerischen Pilgerbüro organisieren. Weil Gottes Segen da im Reisepreis quasi eingeschlossen ist.

Der Tag der offenen Tür

Gemeinsam reisen, gemeinsam feiern: Mit einem Festgottesdienst in der Bürgersaalkirche in der Neuhauserstraße in München beginnt am Sonntag, 1. Februar, um 9.30 Uhr der große Infotag des Bayerischen Pilgerbüros. Anschließend geht es mit einem Festakt und zahlreichen Vorträgen und Veranstaltungen rund um das Thema Pilgern und Reisen weiter im Karmelitersaal Ecke Maxburg-/Karmeliterstraße sowie im Zentrum St. Michael, im daneben liegenden Movimento München, und im Dompfarreisaal. Der Eintritt ist jeweils frei, nur für Führungen in der Synagoge sollte man sich bis Sonntag, 18. Januar, anmelden unter Telefon 089/545 81 10 oder per E-Mail an anmeldung@pilgerreisen.de.

Christine Hinkofer

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