Orang-Utans sind selten geworden.
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Orang-Utans sind selten geworden.

Eine Affenliebe

Besuch bei den Orang-Utans von Borneo

Orang-Utans sind selten geworden. Im Tanjung-Puting-Nationalpark auf Borneo können Besucher ihnen ganz nahe kommen und auch beim Essen zuschauen.

Äste knacken, Laub raschelt, Vögel kreischen. Wenn die Waldmenschen kommen, kann von Heranschleichen keine Rede sein. Das haben die Orang-Utans, die „Menschen des Waldes“, gar nicht nötig. Sie haben keine natürlichen Feinde – bis auf den Orang, den Menschen. Im Tanjung-Puting-Nationalpark im Süden Kalimantans, dem indonesischen Teil Borneos, begegnen sich beide.

Nur hier und auf der indonesischen Insel Sumatra leben Orang-Utans in freier Wildbahn. Der Nationalpark lässt sich nur mit Guide und auf Booten erkunden. Das Klotok, wie das traditionelle Boot genannt wird, dockt in Tanjung Harapan an, einem der Camps des Nationalparks. Auf einem schmalen Pfad geht es in den Urwald. Beziehungsweise es ginge. Stünde Gondol nicht im Weg. Gondol ist ein Orang-Utan-Männchen, 22 Jahre alt. „Seine Eltern wurden von den Menschen getötet“, sagt Joe, der 47-Jährige Ranger. Gondol kam als Waise in das Reservat – sein Schicksal teilen viele Orang-Utans.

Orang-Utan-Babys sind für die Reichen in Südostasien begehrte Haustiere. Das Baby von der Mutter zu erbeuten, endet meist mit deren Tod. Die Palmöl-Plantagen sind das zweite Übel. Über weite Teile erstrecken sich in Borneo nicht länger dichte Urwälder, sondern Palmöl-Plantagen. Für sie wird der Dschungel in bedrohlichem Ausmaß abgeholzt.

Aus Liebe zum Affen: In Auffangstationen werden Orang-Utans aufgepäppelt und auf das Leben im Urwald vorbereitet.

Nach einigen Minuten Musterung lässt Gondol die Touristen passieren. Über einen kleinen Trampelpfad geht es tiefer in den Dschungel hinein. Das Zirpen der Zikaden hat eine Lautstärke, die an herannahende Hubschrauber erinnert. Plötzlich Geschrei oben in den Baumkronen: Zwei Orang-Utans balgen sich – einer fällt herunter. Die einheimischen Guides rufen nach dem Unglücksraben. Nach einigen Minuten die Entwarnung: Der Sturz hat nur eine kleine Schramme hinterlassen.

An der Fütterungsstelle ist es ruhiger – vom behäbigen Schmatzen der Orang-Utans mal abgesehen. Galuh und Galeh, Mutter und Baby, nähern sich dem Bananenhaufen nur vorsichtig. Auch die achtjährige Chelsea bleibt in sicherer Entfernung zwischen zwei Lianen hängen. Viele Tiere in den Reservaten des Tanjung Puting waren früher einmal Haustiere.

Die Affen kommen auf Bestreben der indonesischen Regierung in den Nationalpark. Manchmal gehen die Mitarbeiter der Camps auch selbst in ein Dorf, wenn sie davon erfahren, dass dort ein Orang-Utan gehalten wird. Im Tanjung Puting versuchen die Ranger dann, die Tiere auszuwildern. Das ist nicht billig. Vier Millionen Rupien pro Affe pro Monat, rechnet Joko vor – etwa 260 Euro. Und im Schnitt sei ein Orang-Utan zwei bis drei Jahre im Reservat.

Guten Appetit: An dieser Fütterungsstelle erhalten die Tiere regelmäßig Nahrung.

Als Galuh und Galeh im Wald verschwinden, führt Joe seine Schäfchen zurück zum Klotok. Bis zum Camp Leakey ist es noch ein Stück flussaufwärts. Ab und zu schippert das Klotok an einem Fischerboot vorbei, in dem ein Einheimischer den Fang in seinen Käfigen am Flussrand kontrolliert. Sehr gesund kann es nicht sein, diesen Fisch zu essen. Denn der Fluss ist stark verschmutzt. Von einer Mine fließt Quecksilber hinein, das die Arbeiter beim Goldsuchen verwenden.

Das Dock von Camp Leakey liegt oberhalb der stark verschmutzen Zone. Dort sitzt wie zur Begrüßung ein Orang-Utan und beobachtet, wie die Boote anlegen. Im Camp Leakey wurden schon mehr als 700 Orang-Utan-Babys freigelassen, erzählt Joe. Die Fütterzeiten haben viele Affen noch im Gedächtnis: Wenn die Ranger die Bananen auftischen, kommen sie dafür oft zurück. So viele Orang-Utans auf einem Haufen – die Urlauber knipsen sich die Finger wund. Ob sich Touristen und Einheimische auch in Zukunft über diese besondere Begegnung freuen können, ist fraglich. Noch geht die Zerstörung ihres Lebensraumes durch das Abholzen der Wälder weiter.

Lea Sibbel

Die Reise-Infos zu Borneo

REISEZIEL Die Insel Borneo (auf Indonesisch Kalimantan) liegt im Südosten Asiens und ist aufgeteilt auf die drei Staaten Indonesien, Malaysia und Brunei. Mit einer Fläche von über 750 000 Quadratkilometern ist es die drittgrößte Insel der Welt. Der Tanjung-Puting-Nationalpark liegt im Süden (siehe Karte rechts).

ANREISE Von München aus gibt es nach Jakarta nur Flüge mit Umsteigeverbindungen. Die Reisezeit beträgt mindestens 15 Stunden, von Jakarta nach Borneo ist es noch einmal gut eine Stunde. Touristen können bei der Ankunft in Jakarta ein Visum erhalten.

ANGEBOT Der Asien-Spezialist Meier’s Weltreisen hat mehrere Pauschalen im Angebot, bei denen Orang-Utans auf Borneo besucht werden:

Naturerlebnis Borneo: vier oder sieben Nächte, ab/bis Kota Kinabalu, mit Besuch des weltgrößten Orang-Utan-Rehabilitationszentrum, ab 899 bzw. 1599 Euro.

Best of Malaysia: Flug-/Busrundreise mit 13 Übernachtungen, u.a. besuch eines Orang-Utan-Schutzparks, ab 2869 Euro (ab/bis Deutschland).

AUSFLÜGE Mehrere lokale Veranstalter bieten Klotok-Touren durch den Nationalpark an, einige von ihnen listet die Tourismusorganisation Wonderful Indonesia auf ihrer (englischsprachigen) Homepage www.indonesia.travel/en auf. Die Touren variieren nach Standard (Übernachtung auf dem Klotok oder in Lodges) und nach Dauer. Es empfiehlt sich, die Touren vorab zu buchen.

AUSKUNFT Botschaft von Indonesien, Lehrter Straße 16-17, 10557 Berlin, Tel. 030/ 47 80 72 00, www.botschaft-indonesien.de.

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