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Auch Bethlehem hat seinen Weihnachtsmarkt mit Budenzauber und Christbaum.

Geburtsstadt Jesu

Die Sterne von Bethlehem

Über Bethlehem leuchtet in diesen Tagen nicht ein Stern, sondern viele. Auf dem Krippenplatz der Geburtsstadt Jesu wurde die Adventszeit eingeläutet, traditionell von Dudelsackbläsern...

...und Trommlern katholischer Pfadfindergruppen begleitet.

Einst war Bethlehem christlich. Wie viele Christen es hier heute noch gibt, kann keiner so genau sagen. Die Mehrheit, heißt es in der Stadtverwaltung, stellen sie nur noch in den Nachbarorten Beit Sahur und Beit Dschalla. Doch auch wenn am zentralen Krippenplatz das Minarett der Omar-Moschee in den Himmel ragt: Das Stadtbild Bethlehems machen die vielen Kirchen und Klöster aus. In diesen Tagen prägt die Kulisse der meterhohe Weihnachtsbaum. Zwei große Kräne waren nötig, um ihn zu schmücken.

Für Bethlehem sind Advent und Weihnachten die wichtigste Zeit im Jahr. Vieles hier hängt vom Tourismus ab – und der wiederum von der politischen Großwetterlage. Dieses Jahr ist es gut gegangen. Die Hotelbesitzer sprechen von einem Rekordjahr. Zu Weihnachten werden die mehr als 5000 Betten ausgebucht sein. „Wir haben alle Hände voll zu tun“, sagt Reiseleiter Kamal. Zufrieden ist auch sein Kollege Muhannad, der sich auf politische Touren spezialisiert hat: „Die Lage wird von Jahr zu Jahr besser, weil sich immer mehr Menschen für unsere Situation interessieren.“

Für die nächsten Wochen ist Hochstimmung angesagt in Bethlehem. Der Weihnachtsbaum schimmert im Sonnenlicht, Kirche und Minarett spiegeln sich in Hunderten roten Kugeln. Advents- und Weihnachtszeit dauern am „Ort des Geschehens“ länger als überall sonst: Nach der katholischen am 24. Dezember folgen die orthodoxen Weihnachtsfeiern am 6. Januar. Weihnachten in Bethlehem endet erst am 19. Januar mit den Feiern der orthodoxen Armenier.

Andrea Krogmann

Weihnachtstraum und Wirklichkeit

Katharina Mayr, Produktmanagerin für Israel beim Bayerischen Pilgerbüro in München, über den Mythos Bethlehem:

Israel-Expertin Katharina Mayr

„In Form der Krippe mit dem Jesuskind ist Bethlehem in diesen Tagen auf jedem bayerischen Weihnachtsmarkt vertreten. Das wirkliche Betlehem hat mit der Vorstellung von einem idyllischen, Winterdorf mit einem Heuschober am Ortsrand nicht viel gemein. Tatsächlich ist Betlehem heute eine quirlige, arabisch geprägte Stadt mit knapp 30.000 Einwohnern in den palästinensischen Autonomiegebieten, nur knapp zehn Kilometer von Jerusalem entfernt. Mit durchschnittlichen Temperaturen von 10 Grad im Dezember ist es in Betlehem zwar im Vergleich zum nicht weit entfernten Toten Meer, das ganzjährig mit Badetemperaturen aufwarten kann, merklich kühler. Doch wer dort weiße Weihnachten erwartet, wird enttäuscht sein. Schnee ist hier eine Seltenheit. Tatsächlich herrschen, wenn der Winter Deutschland noch fest im Griff hat, in Israel schon fast frühlingshafte Temperaturen.

Statt in einem Stall, wie bei uns gerne dargestellt, wurde Jesus wahrscheinlich in einer Grotte, also Höhle geboren. Genau über einer solchen Grotte steht die Geburtsbasilika in der Altstadt Betlehems, eines der ältesten christlichen Bauwerke überhaupt. Spätestens wenn man den Stern in der Grotte erblickt, der die überlieferte Geburtsstelle Jesu markiert, kommen trotz aller Unterschiede zwischen Vorstellung und Wirklichkeit weihnachtliche Gefühle auf. Und auch die nahegelegenen Hirtenfelder bei Beit Sahur laden auf eine gedankliche Reise in die Vergangenheit ein und lassen die Bilder des Neuen Testamentes lebendig werden. Wer einmal Israel und Palästina, vor allem aber Betlehem, besucht hat, wird die Krippenstände auf unseren Weihnachtsmärkten künftig mit ganz anderen Augen betrachten.“

Die Reise-Infos

Die nächste Reise des Bayerischen Pilgerbüros „Auf den Spuren Jesu“ durch Galiläa und Judäa findet vom 8. bis 15. Februar statt und kostet mit Flug und Unterkünften mit Halbpension 1.250 Euro pro Person, Einzelzimmerzuschlag 210 Euro. Info und Buchung: Tel. 089-545811-0, www.pilgerreisen.de.

Pendelbus für Bethlehem-Pilger

Israel

Von Heiligabend bis zum Weihnachtsfeiertag wird ein 24-stündiger kostenloser Pendelbusverkehr zwischen Jerusalem und Bethlehem eingerichtet, um Touristen zur traditionellen Geburtsstätte Jesu und zurück zu bringen. Am Kontrollposten der israelischen Sperranlage erhalten Besucher Geschenktäschchen mit Bildmotiven aus dem Heiligen Land. Schon für die Feiern zum ersten Advent hatte die Stadtverwaltung von Bethlehem einen freien Shuttledienst von den Checkpoints Bethlehem und Beit Dschalla eingerichtet.

Besucherrekord in der Geburtsstadt

Laut Hochrechnung der Tourismusbehörde werden bis zum Jahresende rund zwei Millionen Menschen Bethlehem besucht haben, fast doppelt so viele wie 2012. Israel insgesamt registrierte im vergangenen Jahr 2,88 Millionen Besucher aus dem Ausland, mehr als je zuvor. Hauptziel der christlichen Israel-Reisenden bleibt Jerusalem. 83 Prozent waren in Israel mit einer organisierten Gruppe unterwegs. Die meisten christlichen Israel-Reisenden kommen aus Italien, gefolgt von Spanien, Deutschland, Österreich und Polen.

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