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In Bibliotels darf nach Herzenslust geschmökert werden

Hotels für Leseratten

Die Lizenz zum Lesen

Derzeit präsentieren auf der Frankfurter Buchmesse rund 7300 Aussteller viel Stoff für Leseratten. Wer wenigstens einige der Neuerscheinungen in Ruhe lesen will...

...kann bei einem Urlaubsaufenthalt nach Herzenslust schmökern – in einem Bibliotel.

Das liest Sebastian Mettler: Mein Lieblingsbuch: „Zen oder die Kunst, ein Motorrad zu warten“ von Robert M. Pirsig. Dieser Klassiker ist wegen der darin beschriebenen Suche nach dem Qualitätsbegriff wie ein Lebensmotto für mich. Meiner Frau lese ich zurzeit als Gute-Nacht-Geschichte aus „Momo“ von Michael Ende vor, aktuell lese ich „Mein Bruder schiebt sein Ende auf“ von Joseph Zoderer.

Die gut 50 Hotels dieser Vereinigung, die es in Österreich, Deutschland, Italien, Frankreich und Griechenland gibt, haben quasi eine Lizenz zum Lesen. Mindestens 300 Bücher stehen zur Auswahl, dazu Hörbücher, MP3-Player sowie aktuelle Tageszeitungen und Zeitschriften. Es gibt gemütliche Leseecken und sogar Lesebrillen zum Ausleihen. Bei der Reservierung kann man Wunschbücher aufs Zimmer bestellen, und es wird ein Langschläferfrühstück angeboten, wenn die nächtliche Lektüre zu spannend war. Die Idee zu diesem Konzept stammt von Sebastian Mettler. Das Credo des Touristikers lautet: „Nicht, dass man ohne Lesen nicht reisen könnte, oder ohne Reisen nicht lesen, aber lesend reist es sich besser und reisend liest es sich besser.“ Wir haben uns mit dem Gründer der Biblio­tels unterhalten.

Wie entstanden die Bibliotels?

Sebastian Mettler: Die Idee kam vor rund sieben Jahren auf, als uns aufgefallen ist, dass immer mehr Leute mit einem Buch unter dem Arm durch die Gassen spazierten. Untersuchungen haben ergeben, dass der Imagewert von Lesen ein sehr hoher ist: Wer liest, ist schlau. Zudem gibt es auf kaum eine urlaubsbezogene Frage mehr Nennungen als „Endlich ein Buch lesen“.

Warum soll man verreisen, um am Ziel zu lesen?

Bibliotels brauchte man im Grunde nicht zu erfinden, es ist offenbar ein Bedürfnis, im Urlaub das lange auf dem Nachttisch verstaubende Buch zu lesen. In einem Bibliotel finden Urlauber ideale Bedingungen vor.

Werden Sie von Verlagen und Autoren unterstützt?

Wir arbeiten sowohl mit Autoren als auch mit Verlagen zusammen, aber eine Unterstützung ist auch nicht im Konzept vorgesehen.

Wie finde ich das passende Bibliotel?

Es gibt Spezialisierungen wie ein Krimibibliotel oder ein Wildererbibliotel, aber ein „Quer durch den Blättergarten“ gibt es überall.

Vergessen Gäste, Bücher wieder zurückzugeben?

Es ist schon passiert, dass Gäste, die ein Buch versehentlich mitgenommen haben, dieses per Post zurückgegeben haben – Menschen, die den Wert, und damit meine ich auch den ideellen Wert, von Büchern kennen, klauen keine Bücher.

Interview: Volker Pfau

AUSGEWÄHLTE BIBLIHOTELS

Schloss Leopoldskron

LESEN WIE IM KLOSTER Der österreichische Regisseur und Theatergründer Max Reinhardt ließ im Schloss Leopoldskron nach dem Vorbild der Klosterbibliothek St. Gallen seine eigene Bibliothek maßanfertigen – eine Riesenauswahl ist garantiert.

Ü/F ab 98 Euro pro DZ, Tel. 00 43/662/83 98 30, www.schoss-leopoldskron.com.

Gasthof Jagersimmerl

MITTEN IM MÄRCHENWALD Draußen, rund um den Gasthof Jagersimmerl in Oberösterreich, erstreckt sich ein wahrer Märchenwald mit Kobolden, Feen und Jägern.

Ü/F ab 45 Euro pro Person (71 Euro mit HP), Tel. 0043/7616/8505, www.jagersimmerl.at.

HOTEL MIT BIBLIOTHEKARIN Das Hotel Hof Weissbad im Appenzellerland beschäftigt eine eigene Bibliothekarin. Ü/HP ab 260 CHF (rund 255 Euro) pro Person, Tel. 0041/71/798 80 80., www.hofweissbad.ch.

Alpenhotel Küren

WEIN & KRIMI Im Alpenhotel Küren im Kleinwalsertal gibt es zur Weinempfehlung gleich den passenden Krimi mit dazu. Ende Oktober gibt’s eine Sagenwoche, im Dezember „Stille Adventtage“. Tel. 00 43/55 17/689 00, www.kueren.at.

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