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Bonusmeilen: Was Fliegen mit der Supermarktkasse zu tun hat.

Vielflieger-Bonus

Die Meilenjäger

Millionen Reisende sammeln heute Bonusmeilen. Die meisten sparen auf einen Schnäppchenflug. Einigen ist die goldene oder silberne Vielflieger-Karte wichtig, die man sich durch fleißiges Konsumieren sichern kann.

Autor Florian Sanktjohanser ergründete die wahre Welt der fliegenden Schnäppchenjäger, die George Clooney im Film „Up in the Air“ so schillernd darstellte.

Wolfgang Kiécks größtes Schnäppchen war die USA-Reise. In der Business Class mit Liegesitzen von Hamburg nach Miami, nach einigen Tagen weiter über Houston nach Seattle. Von Vancouver flogen Kiéck und seine Frau über London zurück nach Hamburg. „Der Flug hätte 7000 Euro gekostet, wir haben 500 bezahlt“, sagt er. Zwei Jahre haben die Kiécks dafür in ihrem Stamm-Supermarkt eingekauft, um Treuepunkte zu sammeln, die sie in Meilen umwandeln konnten. Sie haben mit der Kreditkarte bezahlt und dafür Meilen erhalten. Sie haben den Handyvertrag gewechselt, „das gibt jedes Mal 15 000 Meilen“, und das Zeitungsabo (22 000 Meilen). Und wenn der Geschirrspüler kaputt ging, suchte Kiéck nach Aktionstagen, an denen er die vierfache Zahl an Bonusmeilen für den Kauf bekommt. „Da muss man ein bisschen hinterher sein“, sagt er.

Wolfgang Kiéck ist eines von mehr als 25 Millionen Mitgliedern bei Lufthansas Miles & More, dem größten Treueprogramm einer Airline in Europa. Beim US-Flieger United Airlines sammeln sogar mehr als 90 Millionen Menschen Flugmeilen.

Wolfgang Kiéck ist es im wirklichen Leben. Tanken, im Supermarkt einkaufen, das Zeitschriften-Abo – alles zählt.

Die Idee hatte Frank Lorenzo. Er startete 1979 mit seinen Texas International Airlines als erster ein Vielflieger-Programm. Es lief allerdings nie richtig und ist heute vergessen. Im Mai 1981 begann American Airlines sein Advantage Program – eine Woche später legte United Airlines nach.
Weltweit gibt es heute mehr als 200 Vielflieger-Programme. Das Grundprinzip ist immer gleich: Man erhält für seine Flüge Bonusmeilen, die man für Rabatte, Prämien oder Privilegien eintauscht. Die Details unterschieden sich aber erheblich.

Bei Miles & More etwa erhalten die Kunden auf jedem Flug Status- und Prämienmeilen. Prämienmeilen kann man sich auch verdienen, indem man bei den 350 Partner-Unternehmen zum Beispiel Hotels oder Mietwagen bucht. Statusmeilen kann man sich nur erfliegen. Sie sind die wahre Währung der Vielflieger.

Bei 35.000 Statusmeilen im Jahr steigt der gewöhnliche Reisende zum Frequent Traveller auf, ab 100.000 Meilen darf er sich die Senator-Karte ins Portemonnaie stecken. Und wer innerhalb von zwei Jahren 600.000 Meilen sammelt, wird HON Circle Member. „Das ist ein kleiner, exklusiver Kreis“, sagt ein Lufthansa-Sprecher. „Viele der Mitglieder kennen sich und treffen sich regelmäßig auf ihren Reisen.“

Selbst den Status des Frequent Travellers erreicht nur ein Bruchteil der 25 Millionen Meilensammler. Schließlich muss man dafür mindestens zweimal pro Jahr in der Business Class von Deutschland nach New York und zurück fliegen. Das silberne Kärtchen ist der Eintritt in eine Welt der Privilegien. Mit ihr checkt man am Business-Class-Schalter ein, auch wenn man nur für 99 Euro in der Holzklasse nach Rom fliegt. Man nimmt die Fast Lane an der Sicherheitskontrolle, und man wird bevorzugt behandelt, wenn man den Flug umbuchen muss.

Am wichtigsten sind den meisten Statuskunden aber die Upgrades in die Business- oder First-Class und der Zutritt zu den Business Lounges. Dort können sie essen und trinken, in Ruhe arbeiten, im Internet surfen oder duschen. Alles kostenlos.

George Clooney spielt im Film „Up in the Air“ den Meilensammler.

„Das hat natürlich auch was mit Prestige zu tun, die Karte zeigen und vorbeigehen“, sagt der Lufthansa-Sprecher. „Darauf legen die Leute Wert.“ Wie viel, hat George Clooney im Film „Up in the Air“ schön karikiert. Sein Traum von den 10 Millionen Meilen ist für Thomas Stuker wahr geworden. Nach 29 Jahren und 5962 Flügen hat er die magische Marke erreicht. Mit Champagner stieß er im Flug von Los Angeles nach Chicago auf seinen Rekord an. United Airlines bedankte sich, indem sie „Thomas R. Stuker“ auf eine Boeing 747 schrieb.

Die weitaus meisten Meilensammler freilich machen es wie Wolfgang Kiéck. Sie hamstern jahrelang Prämienmeilen, um sich irgendwann einen Gratisflug zu verdienen. Er wird sich schon bald für seinen nächsten Business-Class-Flug anmelden. 83.000 Meilen fehlen ihm noch, eineinhalb Jahre, schätzt er, braucht er dafür. Dann geht’s nach Australien.

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Florian Sanktjohanser

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