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Mann mit Stange: Unser Poler Leronamang.

Bootssafari: Mein Baum, mein Boot

Bootssafari durchs Okavango-Delta. Im Mokoro-Einbaum durchs Schilf: Die hölzerne Stange taucht tief ins klare Wasser.

Leronamang drückt die Stange schräg nach unten, bis sie auf Grund stößt, geht leicht in die Knie und überträgt so den Abstoß vom Boden in eine Vorwärtsbewegung des Bootes.

Als „Poler“ bezeichnet der 24-Jährige seine Tätigkeit, abgeleitet vom englischen Wort Pole für die Stange aus dem besonders strapazierfähigen Eukalyptusholz, mit der er den hölzernen Einbaum durchs Okavango-Delta schiebt. An dieser Art der Fortbewegung hat sich hier seit Jahrhunderten nichts geändert. Im Heck steht der Poler, vor ihm sitzen bis zu zwei Passagiere, und er sticht die Stange in den sandigen Untergrund. Nur zwei, drei Zentimeter ragt das Heck übers Wasser, weswegen ein paar Handvoll Stroh den Boden im Boot bedecken.

Mit dem Einbaum durchs Okavango-Delta

Ein Zugeständnis an die Moderne und den Komfort für die Touristen sind die zwei Plastiksitze, auf denen die Passagiere Platz nehmen. Wir waren für unsere Mokoro-Fahrt in Xaxaba eingestiegen, einem kleinen Dorf mit einem guten Dutzend der für diese Region typischen, reetgedeckten Rundhütten. In einer von ihnen lebt unser Poler Leronamang zusammen mit seiner Freundin. Sie flicht Körbe aus Palmzweigen, die sie an Touristen verkauft, er schippert die Besucher dann durch die schmalen Wasserwege im Schilf.

Das reicht ihnen für ein anständiges Auskommen, reich werden die beiden nicht. „Um heiraten zu können, muss ich noch sparen“, sagt der junge Bots­waner. Nach zwei, drei Tagen Training beherrsche man diese ganz spezielle Art des Bootfahrens, sagt unser Poler. Er habe es im Alter von etwa sieben Jahren gelernt. „Das macht hier jeder Junge, das gehört einfach dazu.“ Aber offizieller Bootsführer ist man erst, wenn man – Botswanas Bürokratie ist berüchtigt – einen Test absolviert. „Ich musste zum Beispiel auch Fragen nach Tieren und Pflanzen beantworten“, sagt Leronamang.

Und wie um zu beweisen, dass er das Gelernte nicht vergessen hat, hält er uns einen daumennagelgroßen Frosch unter die Nase, den er vorsichtig von einem Schilfrohr abgestreift hat. Auf der Fußsafari über eine der Inseln, die zu einer richtigen Mokorofahrt durchs Delta gehört, führt uns unser Guide John auch zu einem frisch gefällten Ebenholzbaum, aus dem ein Mann aus dem nahe gelegenen Dorf einen Einbaum fertigt.

Die Form ist bereits erkennbar, aber es liegt noch viel Arbeit vor ihm. Zwei bis drei Monate dauere diese Arbeit, erzählt John. „Wer das kann, ist ein echter Mann“, sagt Leronamang. Den Einbaum, in dem wir unterwegs sind, hat sein Großvater gebaut. Rund 2500 Pula (etwa 260 Euro) kostet so ein Boot, für die immer populärer werdenden Einbäume aus Fiberglas sind 2800 Pula (etwa 295 Euro) fällig. Es ist nicht billig, in Botswana ein ganzer Mann zu werden.

vp.

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